Kino RHEINPFALZ Plus Artikel Porträt: Berlinale-Preisträgerin Maren Eggert glänzt in „Du bist mein Mensch“

Verliebt sie sich in einen Androiden? Maren Eggert in Maria Schraders „Ich bin dein Mensch“.
Verliebt sie sich in einen Androiden? Maren Eggert in Maria Schraders »Ich bin dein Mensch«.

Der Silberne Bären musste drei Monate warten, ehe er in die Hände von Maren Eggert wanderte. Die Berlinale-Leitung hatte sich entschieden, die Auszeichnungszeremonie auf die Sommer-Ausgabe zu verlegen. Die 47-jährige Schauspielerin erhielt den Preis für ihre überragende Leistung im Film Maria Schraders „Ich bin Dein Mensch“, der nun in die Kinos kommt. Eine Begegnung.

„Einmal Hamburgerin, immer Hamburgerin“, bekennt Maren Eggert das Heimweh zur Stadt, aus der sie kommt. Ihre zweite Liebe gehört ihrer Wahlheimat Berlin, wo sie nach der Ausbildung in München und Theaterstationen in Zürich und Bochum und am Thalia-Theater in Hamburg im Deutschen Theater regelmäßig auf der Bühne steht.

Entdeckt für den Film hatte sie Rainer Kaufmann für seine Krimi-Adaption „Die Apothekerin“. Anschließend arbeitete die vielseitige Schauspielerin oft mit Frauen. Sie wurde das Gesicht der hochgelobten Kinodramen „Marseille“, „Orly“ und „Ich war zuhause aber“ von Angela Schanelec, drehte mit Ulrike Grothe „Was wenn der Tod uns scheidet“ und stand mehrmals für Claudia Garde vor der Kamera. Es habe sich einfach so ergeben, dass sie mehr mit Regisseurinnen zusammenarbeite, sagt Eggert, ein Plan stecke nicht dahinter: „Ich bin ja nicht die, die sich das Projekt aussucht. Ich werde ausgesucht.“ Vorteile aber gebe es beim Dreh mit Frauen: „Viele Dinge sind dann selbstverständlicher, die brauchen wir nicht zu diskutieren.“

Mit Humor durchs Leben

Claudia Garde inszenierte die Hamburgerin mehrmals in den Kieler „Tatort“-Folgen, in denen Eggert sieben Jahre lang als Psychologin Frieda Jung neben Axel Milberg ermittelte. An ihre Rückkehr zu diesem Format denkt sie im Moment nicht, möchte sie aber nicht ausschließen. „Das Angebot an anderen Rollen ist sehr schmal. Man bekommt den Eindruck, dass Krimis eine sichere Bank sind. Ich würde uns allen etwas mehr Mut wünschen, anderen Genres eine Chance zu geben.“

Eggert wird oft besetzt, wenn schwere, ernsthafte Dramen anstehen. Filme, in denen keine Eitelkeiten gefragt sind und die tief in die Seele der Figuren blicken. Ihr komisches Talent konnte sie bisher dagegen selten ausspielen. „Wenn ich mich konzentriere oder in etwas vertiefe, wirke ich schon sehr ernst“, erklärt sie sich ihr Image. „Ich bin auch ein nachdenklicher Mensch, andererseits lache ich gerne und gehe mit Humor durchs Leben.“

Kein Wimpernschlag

Diese Seite arbeitet Maria Schrader in „Ich bin Dein Mensch“ heraus. Maren Eggert spielt in dem sehenswerten Drama über die Konsequenzen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) im Alltag eine rational an ihr Leben herangehende Wissenschaftlerin, die für ein Experiment ausgewählt wurde. Sie testet, ob sie sich in einen humanoiden Roboter – gespielt von Dan Stevens – verlieben und mit ihm leben kann. „In bestimmten Situationen wie in der Pflege ist der Einsatz von Robotern sinnvoll“, findet Maren Eggert, die ansonsten eher skeptisch gegenüber KI ist und sich eher überwacht fühlt, wenn ihr ein Algorithmus Vorschläge macht. Und hofft: „Unter Milliarden Menschen auf der Erde gibt es hoffentlich für jeden den Richtigen geben, in den man sich verlieben kann.“

Mit einem „Androiden“ zu spielen, sei im Übrigen durchaus eine Herausforderung gewesen: Dan Stevens bewegt im Film niemals die Augenpartie, blinzelte auch zwischen den Takes kaum: „Ich war oft irritiert, dass diese wichtige Interaktion fehlte. „Wir hatten beide an der Unterschiedlichkeit der Figuren und ihrer Isolation gearbeitet. Das führte dazu, dass jeder für sich spielte und wir trotzdem versuchen mussten, dabei einen gemeinsamen Rhythmus zu finden.“

Türöffner Bär

Der Dreh habe Dreh wegen der Corona-Pandemie lange auf der Kippe gestanden, fand dann im August 2020 statt. „Ich fühlte mich so sicher aufgehoben, dass ich die Pandemie vergessen konnte, wenn ich vor der Kamera stand.“ Die Monate zuvor hatte Maren Eggert wie Millionen Deutsche mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern zu Hause am Prenzlauer Berg verbracht. „Als Familie hat uns das Zusammensein noch enger zusammengebracht, auch wenn Belastungen wie die schulische Betreuung nicht ausblieben. Aber auch diese Erfahrung sehe ich positiv. Ich kann heute besser helfen, wenn mein Sohn mit Hausaufgaben nicht alleine klar kommt.“

Vielleicht ist es diese positive Grundhaltung, die Maren Eggert auszeichnet. Sie ist durch und durch uneitel, Starallüren sind ihr fremd. Mit 47 reiht sie sich jetzt unter die ganz Großen ihrer Zunft ein. „Die Konkurrenz im Wettbewerb der Berlinale war so groß, dass ich die Möglichkeit des Gewinns ausgeblendet habe.“ Jetzt wartet sie auf spannende Angebote. Im Moment lernt sie das Dirigieren. Im Winter dreht sie mit der slowenisch-deutschen Regisseurin Hanna Slak. Bei der Finanzierung des Projektes habe der Silberne Bär bereits geholfen, freut sich Maren Eggert. Doch vorerst konzentriert sie sich auf die Präsentation von „Ich bin Dein Mensch“, einem großartigen, intelligenten und zugleich humorvollen Film über das, was den Menschen in seinem Innersten ausmacht.

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