e-Mail aus Palatina RHEINPFALZ Plus Artikel Konzertreihe in Neustadt: Der Neuen Musik ein neues Fest

Peter Tilling
Peter Tilling

Der Dirigent, Cellist und Pianist Peter Tilling bringt in Neustadt erneut ein Festival für Neue Musik auf den Weg – „Risonanze erranti“ prunkt ab 24. September mit drei welt- und weitläufigen Programmfolgen, in deren Zentrum die russische Komponistin Sofia Gubaidulina residiert – Uraufführungen eingeschlossen.

Peter Tilling, der in Neustadt aufgewachsene und in München beheimatete klassische Allrounder brennt für die Neue Musik. Und sie mit seinem 2016 gegründeten, mittlerweile gut etablierten Ensemble „Risonanze erranti“ auch jenseits der einschlägigen Zentren im Gespräch zu halten, ist ihm ein vorrangiges Anliegen. So darf sich das inzwischen schon durch den Vorjahres-Event prächtig angefütterte Publikum seiner Heimatstadt vom 24. bis 26. September auf drei spannende Recitals freuen.

Die ebenso intime wie akustisch perfekte Protestantische Kirche auf der Haardt und sonntags dann der Mußbacher Herrenhof öffnen ihre Portale und damit ihr pittoreskes regionales Flair gleichsam für die Welt. Zentrale Persönlichkeit im Programm-Karussell mit vielen bedeutenden Namen ist die gerade 90-jährige Russin und Tondichterin Sofia Gubaidulina, ein mutiger Solitär im Avantgarde-feindlichen Umfeld ihrer Heimat, international längst etabliert. Sie wird in jedem der Konzerte mit sehr unterschiedlichen Kammermusiken präsent sein.

Peter Tilling liebt es, seine Werkfolgen unter programmatischen Titeln zu versammeln. So verweist der Freitagabend mit „Schweiss/Altrömische Hymnen“ auf die beiden Eingangsstücke; eine 2004 entstandene Komposition von Enno Poppe, einem der signifikantesten Vertreter der europäischen Neue-Musik-Szene, in Kombination mit vier Hymnen für Singstimme aus dem Altrömischen Graduale um 600 n.Chr.

Weiter finden sich so interessante Namen wie Stylianos Dimou – sein Stück „DropLETgo“ für Bassflöte erklingt in Uraufführung; Stücke von Sidney Corbett oder dem 1955 geborene Ludowico Einaudi würzen das breite Spektrum ebenso wie „Non gridare piu“ für Bassflöte von Peter Tilling selbst, das ebenfalls in Uraufführung erklingt. Aber auch Igor Strawinsky und Hanns Eisler geben sich ein Stelldichein. Und wer sich zunächst über Nino Rota oder Richard Rudolf Klein, die zu Unrecht verfemten „Tonalen“, wundern sollte, wird Peter Tillings Rezeptur gewiss im Nachhinein verstehen. Für ihn zähle das Musikschaffen der letzten 100 Jahre als spektrales Angebot, bekräftigt er; das erst vollständig werde durch die Musik jener Tonkünstler, die in der elekronikverliebten Nachkriegszeit aus dem Blick geraten waren.

„Garten von Freuden und Traurigkeiten“ ist das Samstagskonzert übertitelt. Zwischen Werken von Benjamin Britten, Ruth Crawford, dem hochinteressanten Japaner Toru Takemitsu und weiteren Komponisten hat Tilling verbale Momentaufnahmen eingebaut. Der junge Münchener Dichter Daniel Bayerstorfer rezitiert Lyrik von Frank O’Hara, Joseph Brodsky, Friederike Mayröcker und eigene Verse.

Und auch die Abschluss-Matinée – Open Air in der Remise des Herrenhofs Neustadt-Mußbach – begleitet der junge Lyriker, diesmal unter anderem mit Versen von Bert Brecht. Am Pult seines Solistenensembles „Risonanze Erranti“ setzt Peter Tilling diese jeweils spannenden Werkfolgen mit einer hochkarätigen Riege an Ausführenden in Szene. Mit dabei diesmal sind Anne Catherine Heizmann, Flöten, Moritz Schneidewendt, Klarinette, Maria Stange, Harfe, Michaela Girardi, Violine, Barbara Holicka, Viola, Katharina Hirsch, Oboe. Der künstlerische Leiter Tilling greift nicht selten neben dem Taktstock auch zum Cello-Bogen.

Info

Abendkonzerte in der Prot. Kirche Haardt am 24. und 25.09., Beginn jeweils 19 Uhr; Tickets zum Preis von 20 Euro nur nach Voranmeldung: haardter.kirche@t-online.de; für die Sonntags-Matinée um 11:15 Uhr in der Remise des Herrenhofs Neustadt-Mußbach wird bei freiem Eintritt um Spenden gebeten; www.risonanze-erranti.de.

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