Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Kino aktuell: „The Gentlemen“ sind kein bisschen vornehm

Starbesetzung in der Gaunerkomodie: Matthew McConaughey (rechts) als Mickey Pearson und Jeremy Strong als Matthew Berger.
Starbesetzung in der Gaunerkomodie: Matthew McConaughey (rechts) als Mickey Pearson und Jeremy Strong als Matthew Berger.

Wird ein Spielfilm mit dem Titel „The Gentlemen“ als Komödie angekündigt, ist eines sofort klar: Die Titelfiguren sind keine „Edlen Herren“, ja, nicht einmal Helden. Und heißt der Regisseur Guy Ritchie, dann ist ein großer Spaß garantiert.

Staunen ist angesagt: Seit seinem Kino-Spielfilm-Debüt „Bube, Dame, König, grAS“ (1998), einer spritzigen Gauner-Satire, hat Guy Ritchie als Autor, Regisseur und Produzent zahlreiche Höhen und Tiefen erlebt, wurde gefeiert und ausgebuht. Doch die Energie und der Einfallsreichtum des 51-jährigen Engländers scheinen unerschöpflich zu sein. Immer wieder rappelt er sich auf. Oft überrascht er dann mit Gelungenem, wie im Vorjahr mit dem opulenten „Aladdin“-Musical. Verblüffend ist, dass er sich nie im Stil wiederholt, stets hübsch vertrackte Geschichten findet, und selbst gefeierte Schauspielstars zu neuen Höchstleistungen bringt. Dieses Mal hat er gleich all das auf einmal zustande gebracht!

Drogen-Imperium zu verkaufen

Erzählt wird eine handfeste Kriminalstory: Der aus den USA stammende Londoner Drogenbaron Mickey (Matthew McConaughey) hat genug vom Erfolg. Denn der ist mit Anstrengungen verbunden, auf die er keine Lust mehr hat. Darum möchte er sein schmutziges Imperium gewinnbringend verhökern. Was mehr als einen Aasgeier anlockt. Und genau daran scheitert Mickeys Plan, sich ganz schnell mit Gattin Ros (Michelle Dockery) zur Ruhe zu setzen und ein angenehmes Luxus-Leben zu führen. Vorerst. Denn Mickey lässt sich nicht so schnell abservieren. Was zu jeder Menge unschöner Ereignisse wie Mord und Totschlag führt.

Rückwärtsgewandte Gesellschaft am Pranger

Ein wahnsinnig origineller Plot? Ach, was! Originell ist, wie die rasante Inszenierung die Mär von geistig mehr oder weniger unterbelichteten Unholden dazu nutzt, giftige satirische Pfeile wider das britische Klassensystem abzufeuern. Und die treffen. Ob unten oder oben, beim Landadel oder den Ärmsten der Armen, ob in schicken Upper-class-Behausungen oder tatsächlich im letzten Dreckloch: Guy Ritchie stellt die Auswüchse einer an ihrer Rückwärtsgewandtheit krankenden sozialen (Un-)Ordnung mit beißendem Witz an den Pranger. Allein das ist ein außerordentliches Vergnügen.

Dümmliche Heuchelei bloßgestellt

Dazu kommt eine stets spürbare Lust an der verspielten Inszenierung: Wild wird in den Zeiten gesprungen, Protagonisten und Motive werden kaum erklärt, der Sprachwitz ist scharf. Verbal wird gern auch mal der gute Geschmack vergessen und tief in die Kiste mit politisch überaus inkorrekten Vorurteilen gegriffen. Was man wohl nicht als Angriff gegen Menschen diesen oder jenes Glaubens, Nationalität, Hautfarbe oder sexuellen Orientierung deuten sollte. Ritchie steht eher im Verdacht, alle dümmliche Heuchelei bloßstellen zu wollen. Und er will um jeden Preis einen Lacher nach dem anderen erzielen. Ganz bestimmt würde er die sprichwörtliche Großmutter für einen Gag verkaufen. Das ist nicht immer vornehm, aber durchweg wirkungsvoll.

Schillernde Starparade

Clou des Films ist die schillernde Starparade: Oscar-Preisträger Matthew McConaughey („Dallas Buyers Club“), Hugh Grant („Notting Hill“), „Downton Abbey“-Star Michelle Dockery, Jeremy Strong („Lincoln“), Henry Golding („Last Christmas“), Charlie Hunnam („Papillon“), Tom Wu („King Arthur: Legend of the Sword“) und Colin Farrell („The Lobster“) trumpfen mit den gröbsten Scherzen auf – und haben die Lacher immer auf ihrer Seite. Das gelingt, selbst bei den plattesten Pointen, weil Guy Ritchie als Autor und Regisseur sehr genau die Balance zwischen feiner Charakterisierung und grober Überzeichnung hält. Wie durchgeknallt eine Figur auch auftritt und anmutet, sie hat mindestens einen Moment, in dem sie voller Würde als ernstzunehmende Persönlichkeit gezeigt wird. Das erhöht die Spannung und gibt den Akteuren die größten Chancen, effektvoll zwischen Gut und Böse zu changieren.

Umwerfend komisch: Hugh Grant

Und diese Chancen haben alle ausgiebig genutzt. Wobei Hugh Grant als so was wie ein Detektiv höchst schmierigen Zuschnitts den Vogel abschießt. Bekannt als Beau und romantischer Held, schlüpft er hier, wie schon in „Paddington 2“, in die Rolle eines Schuftes. Und das ist von schier umwerfender Komik. Allein dafür lohnt schon der Kinobesuch.

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