Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Kalenderblatt: 40 Jahre tot – der unvergessene AC/DC-Frontman Bon Scott

Mit Bon Scott kam für AC/DC der Sprung ganz nach oben.
Mit Bon Scott kam für AC/DC der Sprung ganz nach oben.

Heute schon mal in Ihrem Kalender geblättert? Nein? Dann übernehmen wir das für Sie. Hier an dieser Stelle wollen wir zeitliche Grenzen überschreiten, an besondere Menschen erinnern. Vor 40 Jahren, am 18. Februar 1980, starb Rocksänger Bon Scott, die Stimme der australischen Rockband AC/DC auf dem Beifahrersitz eines Renault 5 in der Londoner Overhill Road.

Am eigenen Erbrochenen erstickt? Alkoholvergiftung? Heroin-Überdosis? Oder einfach nur erfroren? Das tragische Ableben des 33-jährigen Rocksängers bietet auch vier Jahrzehnte später immer noch Raum für Spekulationen. Als gesichert gilt, dass er seinen letzten Atemzug im Auto seines Saufkumpans Alistair – in einigen Quellen auch Alisdair genannt - Kinnears tat, mit dem er zuvor durch einige Clubs und Kneipen Londons gezogen war.

Der Heroin-These gibt vor allem der Rockschriftsteller Mick Wall Nahrung, nachzulesen in der (von der Band nicht autorisierten) Bandbiografie „Hell ain’t a bad place to be“. Wall erachtet es als möglich, dass sich Scott in der verhängnisvollen Nacht nicht nur am Alkohol berauschte, sondern auch Heroin konsumierte. Das Ergebnis ist und bleibt das Gleiche: ein lebloser Scott in einem Auto, in einer kalten Februarnacht, der erst Stunden nach Ende der Kneipentour in ein Krankenhaus gebracht wurde, wo nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Kinnears war es in der Nacht nicht gelungen, den im Auto liegenden Sänger aufzuwecken. Also ließ er ihn liegen. Eine fatale Entscheidung. Im offiziellen Obduktionsbericht wird die Todesursache des 33-Jährigen mit „akuter Alkoholvergiftung“ angegeben. Die Stimme der Band, der mit dem Album „Highway to Hell“ knapp ein Jahr zuvor der endgültige Durchbruch gelungen war, war verstummt.

Sänger, Texter, Gossenpoet

Scott wurde – wie auch das Herzstück AC/DCs, die beiden Young-Brüder, – in Schottland geboren und wanderte mit seinen Eltern als kleiner Junge Mitte der 1950er Jahre nach Australien aus. Mit 15 verließ er die Schule, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, erlernte das Schlagzeugspielen und verdiente sich auch als Sänger einige Sporen. 1974 gelangte er als Fahrer ins Umfeld der Band AC/DC, ironischerweise kurz nachdem er sich erst von einem schweren Motorradunfall erholt hatte. Kurz darauf wechselte er vom Lenkrad ans Mikrofon von AC/DC und nahm mit der Band fünf Studioalben auf, die unter Fans nach wie vor als kanonisch gelten.

Scott war nicht nur ein guter Rock-Sänger, er war auch ein guter Texter, der den – zugegeben musikalisch meist simpel gestrickten und geradlinigen – AC/DC-Nummern eine gewisse Note verlieh, voller Zweideutigkeiten („Big Balls“ oder „The Jack“), die Grenzen zum Sexismus deutlich überschreitend („Whole lotta Rosie“). Ein Gossenpoet, mit einer Vorliebe für Alkohol und einem Hang zum Exzess. Das „unter Strom stehende Kabel“, das die ganze Stadt in Brand stecken konnte, wie es in „Live Wire“ heißt.

Grundstein für den Weltruhm der Band

1979 erschien das Album „Highway to Hell“, das der Band – auch dank der durchdachten Produktion von Robert „Mutt“ Lange – einen Schub gab. In den USA verkauften sich mehr als eine Million Exemplare, AC/DC waren auf dem Sprung nach ganz oben, arbeiteten bereits am Nachfolge-Album, bis zur fatalen Februarnacht.

Was AC/DC mit Bon Scott erreicht hätten, steht in den Sternen. Fakt ist: Vom unmittelbar nach Scotts Tod veröffentlichten Album „Back in Black“ (mit dem neuen Sänger Brian Johnson) wurden bis heute mehr als 40 Millionen Exemplare verkauft. Die zehn Songs auf dem Album legten den Grundstein für den späteren Weltruhm der Band, die auch heute noch, selbst nach dem Tod Malcolm Youngs im November 2017, ohne Mühe Stadien füllt.

Scott erlebte das alles nicht mehr. Überliefert ist, dass er in London, wo die Band quasi ihr Europa-Lager aufgeschlagen hatte, kurz vor seinem Tod an einer Probe teilnahm, in der Angus und Malcolm Young Stücke vorstellten, die es hinterher auch aufs Album schafften. Auf der Bühne seine Texte dazu singen sollte Scott niemals. Allerdings sang sie auch sein Nachfolger Brian Johnson nicht. Der durfte zu den Stücken eigene Worte verfassen. Die Band setzte Scott ein anderes Denkmal: Das bei keiner Show fehlende Stück „Hells Bells“ – der Opener auf „Back in Black“ – wird von dröhnenden Glockenschlägen eingeleitet. Eine Hommage an Bon Scott.

Lebensgroß und in Bronze: Bon Scott am Hafen von Fremantle bei Perth im Westen Australiens.
Lebensgroß und in Bronze: Bon Scott am Hafen von Fremantle bei Perth im Westen Australiens.
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