Kultur
Kaiserslautern: Kunst aus der Pfalz in der Pfalzgalerie
Das Kaiserslauterer Museum Pfalzgalerie macht seinem Namen alle Ehre. Eine neue, umfangreiche Sonderausstellung zeigt Kunst aus der Pfalz. Eine Leistungsschau auf beachtlichem Niveau. Heute Abend ist Eröffnung.
Das eine tun, ohne das andere zu lassen: Die Pfalzgalerie hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten kontinuierlich zu einem international anerkannten Zentrum für Gegenwartskunst entwickelt. Neben deutsche und europäische Positionen traten dabei Künstlerpersönlichkeiten aus aller Welt – von Japan bis zu den USA. Und dennoch verlieren die Pfalzgaleristen ihre Heimat nicht aus dem Blick. Wie vielgestaltig und traditionsreich Pfälzer Kunst sein kann, zeigen in der Ausstellung „Purrmann, Waldschmitt & Co.“ 58 Arbeiten aus acht Ateliers.
Kunst aus dem Bestand der Pfalzgalerie
Geschmackvoll und beziehungsreich hat die stellvertretende Museumsleiterin Annette Reich die Arbeiten aus dem Pfalzgalerie-Bestand kombiniert. Das beginnt auf einer thematisch-motivischen Ebene schon beim langen Gang, der die drei Räume der Schau verbindet. Dort finden sich neben den Pinien des Speyerers Hans Purrmann (1880 bis 1966) die Kiefern des Kaiserslauterers Ludwig Waldschmidt (1886 bis 1957), die dieser seiner westpfälzischen Heimat abgewann. Im letzten Abschnitt des Flurs begegnet der Betrachter den Aquarellen des fast gleichaltrigen Neustadters Otto Dill (1884 bis 1957). Er fasst Reiseimpressionen in atmosphärische Farben, neben Tunis und Syrakus auch Rom. Gleich daneben, im nächsten Raum, präsentiert Albert Haueisen (1872 bis 1954, Kandel) grafisch mit feinster Binnenzeichnung seine Rom-Ansichten. Kuratorin Reich denkt hier sozusagen – bildlich gesehen – räumlich um die Ecke und schafft Zusammenhänge zwischen den Ausstellungsabschnitten.
Ein „geretteter“ Hauseisen
Neben motivischen stellt die Schau auch persönliche Anknüpfungspunkte heraus. Beispielsweise trifft in einem eigenen Ausstellungsraum der Lehrer Albert Haueisen auf seinen Schüler und späteren Freund Daniel Wohlgemuth (1876 bis 1967, Albisheim). Neben allen stilistischen Unterschieden der Landschaftsdarstellung eint hier jedoch wieder ein Motiv die beiden Künstler: Boote und Schiffe, mal in südlichen Gefilden, mal auf dem Rhein, erscheinen in unterschiedlichsten Ausprägungen. Haueisens Großformat „Im Boot“ kam übrigens vor kurzem eher zufällig zur Sammlung: Die Kunsthistoriker „retteten“ es aus dem derzeit in Abwicklung befindlichen Kaiserslauterer Pfaff-Areal. Wer weiß, was aus dem Öl-Bild sonst geworden wäre?
Weiter geht’s im „Beziehungsreigen“, nun aber auf der Ebene der Genres: So lassen die Stillleben von Purrmann und Hermann Croissant (1897 bis 1963, Landau) in der direkten Gegenüberstellung deutliche Bezüge untereinander in Farbigkeit, Motivwahl und Ornamentik erkennen. Die Nähe zu Matisse, zu dem Purrmann während seiner Jahre in Paris (1905 bis 1914) eine enge Freundschaft aufbaute, ist seinen Arbeiten ebenfalls anzumerken.
Bezüge zu Expressionismus und Impressionismus
Apropos Kunstgeschichte: Natürlich arbeiteten auch die Pfälzer nicht im luftleeren Raum. So sind Bezüge zu Impressionismus und Expressionismus sowie der Aufbruch in die Abstraktion auch ihren Arbeiten abzulesen. Daneben sind es jedoch die Geschichten, die jedes einzelne Bild erzählt, die vom Betrachter entdeckt werden wollen.
Doch fehlt da nicht einer? Was ist mit Malerfürst Max Slevogt? Kuratorin Anette Reich lächelt. Den finde man mit etlichen Werken in der Dauerausstellung eine Etage höher. Auch hier schließt sich ein Bogen.
Die Ausstellung
Eröffnung am Dienstag, 19. November, 19 Uhr; bis 23. Februar, geöffnet dienstags 11 bis 20 Uhr, mittwochs bis sonntags 10 bis 17 Uhr.