Design RHEINPFALZ Plus Artikel Immergrün ist die Hoffnung: Die Farbe des Jahres 2022 heißt Very Peri

So sieht das aus: Very Peri von Pantone.
So sieht das aus: Very Peri von Pantone.

Nicht, dass uns leuchtendes Gelb jetzt sooo arg beeinflusst hätte 2021. Ultimatives Grau schon eher (November!). Das heißt, das wechselseitige Zusammenspiel der beiden Pantone-Farben des bald vergangenen Jahres zwei n. Corona ist als stilprägend-synästhetische Gemütserfahrung doch, ja, auch schon ganz gut. Von A bis Omikron gefangen in der Endlosschleife zwischen Impfstoffeuphorie und Inzidenzdepressionen.

Jetzt setzen wir alles darauf, dass 2022 lila wird, pardon: „Very Peri“, wie von dem US-amerikanischen Unternehmen mit Sitz in Carlstadt, New Jersey, verheißen, das nach einem traditionellen italienischen Weihnachtskuchen klingt. Fröhlich, dynamisch, mutig kreativ, so was halt.

Visionär?

Pantone, die Firma, die vor allem für ihr für die Grafik-, Mode-, Designbranche wichtiges, standardisiertes Farbreproduktionssystem bekannt ist, hat die Farbe des Augenblicks extra zu dem Zweck entwickelt, Jahresfarbe zu sein und werden. Ein Novum in der 23-jährigen Jahresfarben-Geschichte, angefangen von „Cerulean Blue“ (2000) über „Blue Turchoise“ (2005), dem braunen „Marsala“ (2015): Mit „Very Peri“, Pantone 17-3938, sei es ihnen wichtig gewesen, lautet die PR-Prosa, „eine neue Farbe zu entwickeln, weil wir eine ganz neue Vision von der Welt haben“. Der Blaurotmix jedenfalls betone die Möglichkeiten, die sich in unserem Besitz befänden. Sei „Symbol für den Wandel, den wir gerade durchmachen“, was, nun ja, mehr Faktum als Verheißung bedeutet.

Sagen wir es trotzdem so. Wir können uns an „Very Peri“ gut festhalten, wenn wir den Farbton, verdammt noch mal, halt lila nennen dürfen, irgendwie veilchenfarben. Lila hat schließlich einen historisch guten Ruf zu verlieren. Als Farbe der Homosexuellenbewegung in den 1920er-Jahren, Untermalung des 1968er-Feminismus, liturgisches Signal für etwas Großes, das ansteht, Ostern oder Weihnachten zum Beispiel. Im Advent („Ankunft“) trägt man bei Pfarrers in der katholischen Kirche lila wie Lady Gaga bei der Filmpremiere von „House of Gucci“ im Vereinigten Königreich.

Bald lila Bildschirmschoner?

Kann sein, das Letzteres dann noch auf den allerletzten Drücker zurückgewirkt hat auf die Farbwahl, um dann wieder zurückzuwirken. Ein herrliches Perpetuum mobile, denn das Pantone Institute gibt an, welche es Farbe es jeweils wird, an den farblichen Gegebenheiten der Unterhaltungsbranche zu orientieren. Der Mode. Des Designs. Und „nicht zuletzt“ an „den Kunstsammlungen und Werken neuer Künstler aus aller Welt“. Sinnfällig, dass rechtzeitig zur Bekanntgabe bei der Online-Kunstgalerie singulart.com Kunstwerke von über 10.000 Künstlerinnen und Künstlern erscheinen, die nicht immer geschmackssicher, aber alle Very-Peri-farbähnlich sind.

Auch Mark Zuckerberg illuminierte sich wie abgesprochen bei der Präsentation seines virtuellen Realitätsraums Metaverse in dem Kreativton. Zudem hat Microsoft angekündigt, Bildschirmschoner und Anwendungen wie Powerpoint oder Teams entsprechend einzufärben. Bestimmt sind bald Very-Peri-Homeoffice-Klamotten zu kaufen, womöglich von der Marke Fred Perry. Mitten in der Pandemie sind wir umfangen von lila. Eine letzte Hoffnung. Wir als – ähm – Gartenfreundinnen und -freunde überlegen schon, ob wir der gestern von Gesundheitsminister Karl Lauterbach angekündigten, „massiven“ fünften Welle auf dem Balkon mit einer ganz speziellen Pflanze trotzen: Immergrün.

Anderer Name, gleiches lila: Immergrün.
Anderer Name, gleiches lila: Immergrün.
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