Glosse Hart am Leben Herzergreifend: Rolls-Royce fährt Kunst an

Erst die Kunst, dann die Böschung: der Tat-Rolls-Royce
Erst die Kunst, dann die Böschung: der Tat-Rolls-Royce

Kunst-Unfälle sind ja nicht immer nur so lustig wie fürs ungeneigte Publikum die Fett-weg-Aktionen putzteufeliger Reinheitsaktivisten die Werke von Joseph Beuys betreffend. Aber doch halt schon auch manchmal – neben ihrem symbolischen Mehrwert. Nehmen wir den Fall, als ein Mann im Kunstpalais Erlangen aus Versehen einen aufrecht stehenden Keramikpenis umstieß, der zu Maria Bienicks Werk „I am not a Toy“ gehörte, übersetzt: ich bin kein Spielzeug. Er, gestolpert über ihn, einen Phallus, im Ernst: Wer will es ihm verdenken. Freud hätte seine Freude gehabt.

Oder als bei der Documenta 2007 der aus Holztüren gezimmerte Turm von Ai Weiwei wetterbedingt zusammenfiel. „Der Preis hat sich soeben verdoppelt“, war der Künstler geradezu beglückt. Ähnlich souverän quittierte jetzt Damien Hirst die Kollision der harten Realität mit einem seiner Werke.

Die Sphinx aus dem Fantasieschatz

Es ist Teil eines Fantasieschatzes mit mythologischen und historischen Plastiken des englischen Provokationsartisten, darunter auch Mickey-Mouse-Figuren. Ein unfassbar kitschiges Gesamtkunstwerk, das 2007 unter anderem im Palazzo Grassi in Venedig, dem staunenden Kunstvolk vorgeführt wurde. Eine „Sphinx“ daraus, sie soll drei Millionen US-Dollar wert sein, gehört dem Hedgefondsmanager Steven Tananbaum und Frau Lisa.

Normalerweise, heißt es, profitiert sein Unternehmen schon mal am Unbill, das anderen Leuten widerfährt. Einem Hurrikan zum Beispiel. 2019 forderten Demonstranten deshalb, ihn aus dem Aufsichtsrat des MoMa zu entfernen. Als jetzt eine angejahrte Dame, die bei Tanabaums auf ihrem strandnahen Anwesen in Palm Beach war, mit ihrem Rolls Royce die Auffahrt verfehlte und die Hirst-Sphinx im Garten anfuhr, um dann, Autoschnauze voran, über die Böschung zu kippen, war er der Leidtragende – neben der Fahrerin, versteht sich. Sie kam wohl, Gott sei Dank, mit dem Schrecken davon, kann sich aber nichts mehr erinnern. Er, Tanabaum, meinte reminiszierend: „Wir haben Jahre damit verbracht, unsere Sammlung zusammenzutragen, und es ist herzzerreißend, zu sehen, wie eines unserer wertvollsten Kunstwerke auf diese Weise beschädigt wird.“ Armer reicher Mann: Denn auch vom Künstler war keine rechte Teilhabe am Herzeleid zu erfahren. „First World Problems“, Erste-Welt-Probleme, tat Hirst den Kunstunfall auf Instagram ab, so kühl, als sei in Erlangen ein Phallus umgefallen.

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