Kultur
Hart am Leben: Heute feiern sie in den USA den „Tag des Nichtstuns“
Nur ein schöner Traum: Wenn alles nichts ist, ist das Nichts alles. Nur die Personalabteilung weiß noch nichts davon.
Kein Tag ohne Gedenken. Immer ist irgendetwas. Nie nichts. Kein Anlass ist so gering, um daraus nicht den nächsten Aktions- oder Ehrentag zu machen. Seine Ruhe hat man irgendwie nie. Man braucht nur einen Blick in den Januar-Kalender zu werfen. Morgen ist beispielsweise der „Wirf-deine-Neujahrsvorsätze-über-Bord-Tag“. Vielleicht kaufe ich mir eine Packung Zigaretten. Am 21. Januar folgt dann der „Internationale Jogginghosentag und Weltknuddeltag“. Schade irgendwie, dass wir an dem Tag keine große Konferenz haben. Den „Tag der Erdnussbutter“ am 24. Januar würde ich gerne überspringen. Ich frühstücke ohnehin nie.
Bei uns noch nicht etabliert
Wenn man also alles feiern und hochleben lässt, warum dann nicht auch mal nichts? Wobei ungeklärt bleiben muss, ob dem US-Journalisten Pullman Coffin wirklich alles nichts war und deshalb auch das Nichts alles. Jedenfalls gilt besagter Pullman Coffin als Erfinder des seit 1973 in den USA gefeierten „National Nothing Day“ beziehungsweise des „National Do Nothing Day“. Also des „Nichts-Tags“ beziehungsweise des „Tag des Nichtstuns“.
Ein Romanheld macht vor, wie’s geht
Bei uns hat sich der Tag noch nicht wirklich etabliert – hat mir unsere Personalabteilung auf Nachfrage versichert. Ich werde also nicht nichts tun. Ob das alles etwas bringt? Oder sollten wir uns nicht lieber an Iwan Gontscharows Romanhelden Oblomow halten, sicherlich die trägste, faulste literarische Figur, die jemals erdacht wurde. Ein Gigant des Nichtstuns. Wie geschaffen für den heutigen Tag. Ihm widerfährt schlichtweg – nichts. Weil er sein ganzes Leben verschläft. „Das Herumliegen war für Ilja Iljitsch weder eine Notwendigkeit, wie für einen Kranken oder für einen Menschen, der schlafen möchte, noch eine Zufälligkeit, wie für einen Müden, noch ein Genuss, wie für einen Faulpelz: Es war sein normaler Zustand“, schreibt sein Autor über ihn.
Ganz und gar Nichts gibt’s nicht
Wer aber nun glaubt, dass das Nichts nichts, also gar nix sei, dem kann man abschließend den ob seiner Nähe zum Nationalsozialismus nicht nur positiv beleumundeten Existenzphilosophen Martin Heidegger entgegenhalten, bei dem das Nichts quasi selber tätig wird. „Das Nichts selber nichtet“, heißt es in typisch verquerer Heidegger-Diktion. Was das für uns bedeutet: Der „Tag des Nichtstuns“ ist auch nur ein schöner Traum. Wusst ich’s doch!