Kino Golden Globes: Fünf Preise für „Oppenheimer“, keiner für Sandra Hüller

Bester Hauptdarsteller: Cillian Murphy in Christopher Nolans kunstvoll spannendem Dialogfilm „Oppenheimer“.
Bester Hauptdarsteller: Cillian Murphy in Christopher Nolans kunstvoll spannendem Dialogfilm »Oppenheimer«.

„Oppenheimer“, der kunstvolle, spannende Dialogfilm über den Erfinder der Atombombe, ging mit acht Nominierungen ins Rennen um die Golden Globes und gewann fünf, darunter den als bester Film. „Barbie“ startete mit neun Nominierungen und bekam zwei. Die Schauspielerin Sandra Hüller blieb ohne Auszeichnung.

Trotz diverser Skandale haben die Golden Globes noch immer ihren Ruf als Vorboten für die Oscars, und die Preisverleihung wird in 150 Länder übertragen, wie der in Deutschland kaum bekannte Moderator Jo Koy von den Philippinen betonte. In Deutschland war die Gala – im Gegensatz zum Vorjahr – nicht im Fernsehen zu sehen, nur im Internet bei einem US-Branchenmagazin, was im Vorfeld jedoch nicht bekannt gemacht wurde.

Zwar hat ihr Ruf gelitten, aber im Gegensatz zu den Vorjahren war die Gala im Beverly Hilton Hotel in Beverly Hills in der Nacht zum Montag (deutscher Zeit) starbepackt – und gleich mehrfach war die deutsche Sprache zu hören, wenn Ausschnitte gezeigt wurden aus dem auf Deutsch gedrehten Film „The Zone of Interest“ (über die Familie des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß, gespielt von Christian Friedel, in der Rolle seiner Ehefrau: Sandra Hüller) und „Anatomie eines Falls“ – ebenfalls mit Sandra Hüller. Doch Hüller musste sich Lily Gladstone in „Killers of the Flower Moon“ von Martin Scorsese geschlagen geben, während sie kurz vorher in den USA von der National Society of Film Critics als beste Schauspieler ausgezeichnet wurde – wie schon im Dezember von Filmkritikerverband Los Angeles.

Zwei Preise für Frankreich

„Anatomie“ von der Französin Justine Triet erhielt jedoch den Preis als bester nichtenglischsprachiger Film und den Drehbuchpreis, letzteres war durchaus eine Überraschung, waren doch auch „Oppenheimer“, „Barbie“ und „Killers of the Flower Moon“ nominiert, Triet triumphierte so über Martin Scorsese – der bei der Berlinale im Februar den Ehrenbären fürs Lebenswerk bekommt.

Aber es gab noch mehr Überraschungen in den 15 Filmkategorien (dazu kommen noch zwölf Kategorien in den Bereichen Fernsehen/Serien/Streaming), wobei in einigen Bereichen zwischen Drama und Komödie/Musical unterschieden wird, so dass es zwei beste Filme, zwei beste Hauptdarstellerinnen und zwei beste Hauptdarsteller gibt.

Votum für Filmkunst

Einen Preis fürs Lebenswerk war diesmal nicht dabei, dafür wurde der neue Preis „Größer Erfolg an den Kinokassen“ eingeführt, den zurecht die kurzweilige Satire „Barbie“ gewann, die mehr Zuschauer hatte als die dreistündige Biografie „Oppenheimer“. Der zweite Preis für Barbie“ war der für den besten Song, allerdings waren gleich drei Songs aus „Barbie“ nominiert. Der eingängige Titel „What Was I Made For?“ von Billie Eilish gewann schließlich.

Die wenigen Auszeichnungen für „Barbie“ zeigen, dass es den Juroren mehr um die Filmkunst ging. Dazu passen neben den Auszeichnungen für den Briten Christopher Nolan (bester Regisseur), den Iren Cillian Murphy (Hauptdarsteller), Robert Downey Jr. (Nebendarsteller) und den Schweden Ludwig Göransson für „Oppenheimer“, der auch als bestes Drama gewürdigt wurde, die Preise für den japanischen Animationsmeister Hayao Miyazaki für „Der Junge und der Reiher“ und für die schräge Indie-Komödie „Poor Things“ des Griechen Yorgos Lanthimos (die 2023 beim Festival von Venedig gewann) als beste Komödie und Emma Stone als beste Hauptdarstellerin.

Preisträger unter 60 Jahre

Die andere anspruchsvolle US-Komödie „The Holdovers“ von Alexander Payne ging mit dem Hauptdarstellerpreis für Paul Giamatti als Lehrer und dem Nebendarstellerinnenpreis für die schwarze Da’ Vine Joy Randolph als Schulköchin nach Hause (beide Filme starten noch im Januar). Kein Preis für „Wonka“, keiner für Netflix (nur im Fernsehbereich), keiner für weiße alte Männer über 60, wenige für Frauen, Farbige und Asiaten (die kamen im Fernsehbereich zum Zug), dafür mehr für Europäer.

Die Globes bemühen sich durchaus, gegen die Vorwürfe aus der Vergangenheit anzukämpfen. Mit drei Stunden war die Gala, die ohne politische Statements der Preisträger über die Bühne ging, zwar angenehm kurz – und zumindest im Internet waren die Werbepausen durch die statt dessen gezeigten Kamerablicke in den Saal ganz unterhaltsam, wenn man sieht, wie die Stars ihren Platz verlassen, Taylor Swift ein Selfie macht, Timothée Chalamet seine Freundin küsst und Steven Spielberg zu Martin Scorsese an den Tisch geht – so schöne Klatschmomente bieten die Oscars nicht, wo alle brav in Reihen im Saal sitzen.

Preisträger

Film: „Oppenheimer“ (Drama) und „Poor Things“ (Komödie)
Regie: Christopher Nolan („Oppenheimer“)
Drehbuch: Justine Triet, Arthur Harari („Anatomie eines Falls“)
Hauptdarsteller: Cillian Murphy („Oppenheimer“, Drama), Paul Giamatti („The Holdovers“, Komödie)
Hauptdarstellerin: Lily Gladstone („Killers of the Flower Moon“, Drama), Emma Stone („Poor Things“, Komödie)
Nebendarsteller: Robert Downey Jr. („Oppenheimer“)
Nebendarstellerin: Da Vine Joy Randolph („The Holdovers“)
Auslandsfilm: „Anatomie eines Falls“
Animation: „Der Junge und der Reiher“
Erfolg an der Kinokasse: „Barbie“

Schön rosa: „Barbie“ (Margot Robbie) erhielt einen Globe als „Größter Erfolg an der Kinokasse“, links Ken Ryan Gosling.
Schön rosa: »Barbie« (Margot Robbie) erhielt einen Globe als »Größter Erfolg an der Kinokasse«, links Ken Ryan Gosling.
Kein Globe, aber der Europäischen Filmpreis: die nominierte Sandra Hüller.
Kein Globe, aber der Europäischen Filmpreis: die nominierte Sandra Hüller.
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