Kunst RHEINPFALZ Plus Artikel Glückwunsch: Dem Bildhauer Martin Mayer zum 90. Geburtstag

 Das Stadtbild prägend: der Speyerer Jakobspilger.
Das Stadtbild prägend: der Speyerer Jakobspilger.

Fromme Männer – wie der Jakobspilger in Speyer oder der heilige Franziskus in Mannheim – und dralle Frauen, ob im Münchner Olympiapark oder mitten in Landau, bevölkern so manche deutsche Stadt. Ihr Schöpfer heißt Martin Mayer, ein in Berlin geborener Pfälzer in Bayern. Und dort, in München, feiert er heute seinen 90. Geburtstag.

Wie das so ist mit Kunst im öffentlichen Raum: Sie ist einfach da, gehört zum Stadtbild. Wer sie geschaffen hat, gerät mit der Zeit in Vergessenheit. Selbst dann, wenn ihre Präsenz erst einmal einen handfesten Skandal verursachte. So geschehen im beschaulichen Landau, als dort Anfang der 1980er-Jahre eine überlebensgroße Bronze-Dame auftauchte, „Palatina Bacchabunda“ genannt, die sich lustvoll an ihre prallen Brüste fasste. Als „Hure Babylon“ wurde sie beschimpft, als „vulgär“ und „unästhetisch“ qualifiziert.

Schwerelose Bronzedamen

Längst allerdings ist das einstige Objekt bürgerlichen Missfallens, mittlerweile auf den Namen „Landavia“ getauft, zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Geradezu grazil und leichtfüßig erhebt sie ihre sieben Zentner schweren Rundungen über den Martha-Saalfeld-Platz. Einen Eindruck der Schwerelosigkeit vermittelt sie, so wie ihre wohlbeleibten Schwestern, etwa wie die knapp vier Meter große Olympia Triumphans, die im Münchner Olympiapark kopfüber und mit weit gespreizten Beinen in der Luft auf einer Kugel balanciert, und das nun schon seit 1972. Es sind keine sich lasziv darbietenden Frauenfiguren, eher naiv lebensfrohe Geschöpfe, darin den unbeschwert arglosen Rheintöchtern der Mythologie ähnlich. Dass eine von diesen „Filiae Rheni“ sich nicht mehr im Domgarten in Speyer räkeln darf, hat wohl weniger moralische denn pekuniäre Gründe. Und dass Mayers „Schwimmerin” und eine „sich Entkleidende“ mit dem Abriss des Städtischen Hallenbades in Depots abtauchten, gehört in das in Kaiserslautern recht umfangreiche Kapitel dort verschwundener Kunst.

Oma Thieme und Paul Münch

Nach Kaiserslautern führt allerdings die Pfälzer Vergangenheit von Martin Mayer. Dorthin, in die vermeintlich sichere Heimat, waren seine Eltern vor den Bomben auf Berlin geflohen. Dort besuchte er die Oberrealschule, wo sein Zeichenlehrer Paul Münch erst einmal vom Talent des Jungen überzeugt werden musste. Das übernahm Großmutter Thieme aus der Verlegerfamilie, die bis 1943 die „Pfälzische Presse“ herausgab. Die Flucht ging weiter, ins fränkisch-bayerische Weißenburg – und von da aus nach München. Den begabten 15-Jährigen nahm dort der Adolf-von-Hildbrandt-Schüler Theodor Georgii unter seine Fittiche. Nach dem Krieg half Mayer seinem Lehrer beim Wiederaufbau von Hildebrandts zerstörten Wittelsbacher Brunnen am Lenbachplatz – und war bereits 1952 bei der „Großen Kunstausstellung“ im Münchner Haus der Kunst vertreten.

Wildschweine in der Stadt

Aber auch, wenn die „eherne Weiblichkeit“, so der Titel einer Publikation, sein Markenzeichen geworden ist: Es gibt da auch Männer von einigem Format: der Jakobspilger von Speyer (ein zweiter ist bereits im Jakobspilger-Museum von Hastingues am Fuß der Pyrenäen angekommen), der heilige Franziskus, der durch München wie Mannheim schreitet, ein streng blickender Luther vor der Landauer Stiftskirche, Bronzebüsten von Konrad Adenauer und Ernst Bloch in Vinningen und Ludwigshafen. Und dann die „Wutz“: ein mächtiger Bronze-Keiler vor dem Jagd- und Fischereimuseum in der Münchner Fußgängerzone – und auf dem Römerplatz von Kirchheimbolanden. Sein druckgrafisches Werk hat Martin Mayer 2007 der Pfalzgalerie in Kaiserslautern als Schenkung übergeben. In München, wo er nun seinen 90. Geburtstag feiert, hat er neben der Bildhauerei auch die Fotografie für sich entdeckt: eine weitere Seite des Pfälzer Künstlers in Bayern, der so schön berlinern kann.

Martin Mayer 2010 mit einer „Landavia“ im Miniformat.
Martin Mayer 2010 mit einer »Landavia« im Miniformat.
Noch ein Wahrzeichen: die „Wutz“ in Kirchheimbolanden.
Noch ein Wahrzeichen: die »Wutz« in Kirchheimbolanden.
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