Fernsehen
Fritz Wepper wird 80 Jahre alt und hat sich selbst mit einer Autobiografie beschenkt
Es gibt nur wenige Sätze, die so untrennbar mit einer Figur verbunden sind wie „Harry, wir brauchen den Wagen, sofort!“ Damit beordert Kriminalinspektor Derrick alias Horst Tappert seinen Mitarbeiter Klein alias Fritz Wepper vor die Tür. Dass er einmal in der meistverkauften deutschen Serie der Fernsehgeschichte mitwirken wird, ist noch nicht abzusehen, als der am 17. August 1941 in München geborene Fritz Wepper beschließt, Schauspieler zu werden. „Der Kommissar“ setzt ab 1969 Maßstäbe fürs deutsche TV und für deutsche Krimiserien. Aber erst die Serie „Derrick“, die in den Jahren 1973 bis 1997 in über 100 Ländern ausgestrahlt wird, macht Wepper rund um den Erdball bekannt.
Bürgermeister Wöller „hat auch etwas von mir“
Später wird er für TV-Fortsetzungsfilme wie „Zwei Brüder“ (1994-2000) oder „Mord in bester Gesellschaft“ (seit 2007) mit allen wichtigen Fernsehpreisen ausgezeichnet. Auch sein letzter Quotenerfolg – „Um Himmels Willen“ im Stil von „Don Camillo und Peppone“ – wirkt wie aus einer anderen Zeit gefallen. Der Schauspieler hat hier den Kleinstadtbürgermeister Wolfgang Wöller gespielt. „Er hat auch etwas von mir“, gesteht der Mime im Gespräch, „weil ich die Aufgabe habe, geschriebene Rollen wie diese mit Leben auszustatten. Am Theater lernt man, den Zuschauern einen Spiegel vor die Augen zu halten. Wobei die Theatermaske eine lachende und eine weinende ist. Wöller hat manchmal auch ein fragwürdiges Verhalten. Also, ich bin nicht ganz so schlimm wie er“.
Für die ARD ist „Um Himmels Willen“ nach 20 erfolgreichen Staffeln auserzählt. Fritz Wepper ist darüber alles anderes als amüsiert: „Ich habe selten so entspannt vor einer Staffel gestanden wie letztes Jahr. Aber vor der letzten Folge kam der Produzent zu mir, um mir die Entscheidung der ARD mitzuteilen.“
Nicht nur, dass die finale Staffel während der Pandemie entstanden ist; der Protagonist kämpfte während der Dreharbeiten auch gegen eine Krebserkrankung an – erfolgreich. „Man hatte bei mir ein Melanom vermutet, weil ich Metastasen hatte“, erzählt er am Telefon. „Einen Tag vor Heiligabend bekam ich von meinen Ärzten aus Innsbruck die sehr gute Nachricht, dass sich die Metastasen rückläufig verhalten. So bin ich auf einem sehr guten Weg.“
In dieser schweren Zeit ist die Regisseurin Susanne Kellermann, 47, ihm eine Stütze. Seit dem Tod seiner Frau Angela von Morgen im Januar 2019 lebt Wepper mit ihr und der gemeinsamen Tochter Filippa in Gmund am Tegernsee. Kellermann hat mit „Mein Fritz“ eine sehr persönliche neue TV-Dokumentation über ihren Ehemann gedreht. Dessen ältestes Kind Sophie und dessen Bruder Elmar, 77, haben ebenfalls den Schauspielerberuf ergriffen.
Zu seinem 80. Geburtstag hat Fritz Wepper zudem eine Autobiografie unter dem Titel „Ein ewiger Augenblick“ auf den markt gebracht. Welchen seiner Filme wünscht er sich als Geschenk noch einmal im Kino? „Alle!“ Damit meint er auch die, die nicht so toll waren, wie etwa die „Blaue Kanone“. Und natürlich die Kinoklassiker „Die Brücke“ und „Cabaret“ sowie seine über 100 Fernsehproduktionen.
In dem True-Crime-Format „Protokolle des Bösen“ spielte Wepper 2016 einen deutschen Serienkiller. „Die Darstellung dieses Mörders und Psychopathen ist eine der größten Herausforderungen meiner bisherigen schauspielerischen Laufbahn“, findet der Mime. Seinen ersten Auftritt in der Glotze hatte er 1956 beim Bayerischen Rundfunk – und zwar live. Eine Kollegin sagt zu dem 14-Jährigen: „Wenn du dich versprichst, bitte sofort Bildstörung!“ Der Teenager hat an dem Tag Schweißpfützen in seinen Händen. Aber das hat ihm alles Spaß gemacht. Von seiner ersten TV-Gage kauft Fritz Wepper sich seinen ersten Fernsehapparat.
Von Rolf Günther bekommt der Teenager Unterricht in Atemtechnik, Sprechtechnik und Schauspiel, so dass er neben Größen wie Heinz Rühmann, Gert Fröbe, Liselotte Pulver und Maria Schell bestehen kann. „Ich saß mit Heinz Rühmann zum ersten Mal im Flieger, als wir mit Peter Kraus und Ernst Reinhold den Film ,Der Pauker’ (1958) drehten. Er flog uns mit seiner Einmotorigen über alle Seen Bayerns: Ammersee, Schliersee, Chiemsee, Tegernsee. 1960 drehten wir die Komödie ,Mein Schulfreund’ zusammen. Rühmann war von mir angetan, tätschelte immer meine Hände. Wir haben sogar zusammen Golf gespielt. Auch bei der Oscar-Verleihung von 1960 sind wir uns auf herzliche Weise begegnet“, erinnert er sich.
Der große Durchbruch mit „Die Brücke“
Vor allem durch ernste Rollen wird der Name Fritz Wepper in der Filmwelt zu einem Begriff. Der für einen Oscar nominierte Antikriegsfilm „Die Brücke“ von Bernhard Wicki verhilft ihm 1960 zum großen Durchbruch. 1969 engagiert ihn Hollywood-Regisseur Michael Winner für das Olympiadrama „The Games“, 1972 wirkt er in Bob Fosses berühmten Musikfilm „Cabaret“ mit – an der Seite der großen Liza Minelli. Der Streifen gewinnt acht Oscars. 1983 übernimmt Wepper eine Hauptrolle in Luc Bessons preisgekröntem Endzeit-Science-Fiction „Der letzte Kampf“.
„Ich war 30 Jahre regelmäßig in Norwegen“, erzählt der Vielgereiste. „Als ich zum ersten Mal in Oslo landete, haben die Leute auf mich mit dem Finger gedeutet. Ich war aber noch nie da! Das hat halt ,Derrick’ ausgelöst. Mittlerweile haben sie dort die Serie x-mal wiederholt. Auf dem Oktoberfest in München kam einmal ein Herr auf mich zu und meinte: ,Ich möchte Ihnen danken, weil ich durch Sie im Fernsehen Deutsch gelernt habe!’ Bei ihm lief ,Derrick’ im Original mit norwegischen Untertiteln.“
2011 erleidet Fritz Wepper eine Blutvergiftung und 2017 eine akute Infektion der künstlichen Herzklappe. Aber ein Ende seiner Karriere ist auch nach fast 70 Jahren nicht abzusehen. Der „Traumhotel“-Regisseur Otto Werner Retzer hat gerade die Dokumentation „Fritz Wepper – Eine Legende unvergessen“ abgedreht, und der Mime selbst freut sich über ein Angebot für eine neue Fernsehserie. „Normalerweise spreche ich nicht über ungelegte Eier, aber wenn man so abgesagt wird von einem Sender, muss man alles Lebendige durchdenken. Es gibt vier Theaterstücke, die ich auf dem Schreibtisch liegen habe. Mögliche Tourneen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Aber man weiß ja nicht, wie Corona die Länder bestimmt.“
Neben seinen Memoiren hat Fritz Wepper auch ein Buch über seine Liebe zu Hunden geschrieben. Seinen Deutsch Drahthaar Aron bezeichnet er als seinen besten Freund. Was macht diese Freundschaft aus? „Ich habe sehr gute menschliche Freunde, aber die wissen genau, was ich damit meine. Ohne Hund bin ich kein Mensch!“
Lesezeichen
Fritz Wepper: „Ein ewiger Augenblick: Die Autobiographie“; Heyne; 304 Seiten; 20 Euro.
TV-Termin
„Mein Fritz“ ist am Montag, 16. August, um 22 Uhr im Bayerischen Fernsehen zu sehen.