Fernsehen
Film der Woche: „Sörensen hat Angst“ von und mit Bjarne Mädel
Die weit aufgerissenen Augen verraten den Gemütszustand von Sörensen (Bjarne Mädel) auf den ersten Blick. Unsicher blickt er sich auf der Fahrt von Hamburg zu seiner neuen Wirkungsstätte auf dem platten Land um. Er passiert auf der Autobahn mehrere Unfälle, sein Puls und Magen beruhigen sich auch nicht auf der Fähre und danach. Am Rande der Landstraße hält er an und übergibt sich.
Der etwas andere Kommissar
Mit dieser Sequenz beginnt Bjarne Mädel sein Regiedebüt „Sörensen hat Angst“, in dem er selbst die Titelrolle als Kommissar übernimmt, der nach einer längeren beruflichen Auszeit in die beschauliche Provinz versetzt wurde. Für seinen ersten Seitenwechsel setzt der 52-jährige Schauspieler, der als „Tatortreiniger“ die Herzen von Millionen Zuschauern eroberte, auf den Erfolgsroman von Sven Stricker, der dem norddeutschen Star auf den Leib geschrieben scheint. Für die Adaption übernahm er neben der Charakterisierung Sörensens und dem verregneten Dorfidyll den trocken-lakonischen, norddeutschen Humor.
Für die künstlerische Umsetzung scharte er ein herausragendes Team um sich. Das beginnt bei den Produzenten Uli Putz und Jakob Claussen, die einst die ersten Schritte von Caroline Link und Hans-Christian Schmid begleiteten. Seit langem stehen die beiden Münchner auch für exzellente Fernseharbeiten, darunter die „Polizeiruf 110“-Folgen mit Regisseur Christian Petzold und starke „Tatort“-Arbeiten.
Drei grandiose Kollegen
Außerdem überzeugt das von Autor Stricker geschriebene Drehbuch. Es spielen zudem drei grandiose Kollegen von Mädel mit, die ein wenig gegen das eigene Image besetzt sind. Matthias Brandt brilliert als verzweifelter Alkoholiker, der nach dem erzwungenen beruflichen Aus seinen Ruf und die Familie verlor. Anne Ratte-Polle glänzt als abgestumpfte, heruntergekommene Bäuerin und Frau des Bürgermeisters, die ihr Kind vernachlässigt. Und nicht zuletzt überzeugt Peter Kurth als hemdsärmeliger Unternehmer, der sich sein eigenes Imperium mit Schweineverarbeitung aufbaute.
Fleisch ist das Lebenselixier der von Schweinezüchtern geprägten Gegend, was dem Vegetarier Sörensen mehrmals unangenehm aufstößt und ihm scheele Blicke seiner neuen Umgebung einbringt. Bratkartoffeln ohne Speck können doch einfach nicht schmecken!
Und auch der ruhige Neuanfang als Leiter im ortseigenen Kommissariat in Katenbüll erweist sich für Sörensen als Illusion. Bürgermeister Hinrichs wird im eigenen Pferdestall ermordet und von seiner Frau (Anne Ratte-Polle) gefunden. Und gleich mehrere Dorfbewohner haben ein Motiv. Doch dann kommt Sörensen einem Verbrechen auf die Spur, das ihm auf Grund der Gefühllosigkeit der Täter erneut den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Nun kommt es darauf an, die eigenen Emotionen zurückzudrängen.
Eine Fortsetzung scheint sicher
Mit „Sörensen hat Angst“ legt Bjarne Mädel ein durchdachtes und überzeugendes Debüt vor. Der spannende Krimi knüpft an die beliebte schwedische Crime-Noir-Tradition an und setzt im deutschen Bildschirm-Krimialltag einen neuen Akzent. Eine Fortsetzung scheint sicher. Zwei weitere Romane, in denen der von einer Angststörung geplagte Sörensen in die Abgründe der Provinz blickt, sind bereits erschienen. Ihre Cover werben bereits mit Mädels Konterfei.