Musikfest Speyer
Eröffnung mit Werken von Britten und Tschaikowsky
Von dem – zunächst− geplanten großen Beethoven-Fest zum 250. Geburtstag des Meisters ist zwar kaum etwas möglich geworden, aber mit einem weitgehend neuen Programm gibt es nun bis Sonntag doch das vor wenigen Wochen schier unwahrscheinliche bunte Live-Musikfest mit größeren oder kleineren Gruppen des Orchesters.
Für die am Ende auch dank der Beharrlichkeit von Intendant Beat Fehlmann doch noch möglichen Live-Konzerte kam bekanntlich Chefdirigent Michael Francis eigens aus den USA in die Pfalz und steht nach der notwendigen Quarantäne wieder vor Teilgruppen des Orchesters. Zwei Programme wurden erarbeitet und wurden und werden in Speyer zu hören sein. Im ersten mit dem Titel „Vorbild“ trat in der Gedächtniskirche in Speyer eine reine Streicherbesetzung mit 15 Musikerinnen und Musikern bei Benjamin Brittens „Variations on a Theme of Frank Bridge“, op. 10, und der beliebten Serenade C-Dur, op. 48, von Peter Tschaikowsky auf. „Vorbild“, weil Brittens Werk sich auf ein Thema seines Lehrers Frank Bridge bezieht und Tschaikowsky bei seiner Serenade natürlich auf Mozart, von dem er nur ein paar Takte aus „Don Giovanni“ nicht mochte.
Ein wahres Orchesterfest
Das Eröffnungskonzert war trotz der kleinen und bläserlosen Besetzung ein wahres Orchesterfest. Die animierende Spielfreude und Virtuosität des Ensembles, der einschmeichelnde Klang sowie die Intensität im Vortrag der staatsphilharmonischen Streicher begeisterten das Publikum in der Speyerer Gedächtniskirche bei den beiden Aufführungen.
Chefdirigent Michael Francis war ein absolut mitreißender und überlegener Gestalter der kunstvollen Musik seines Landsmanns Britten und der emphatischen und feurigen Tschaikowsky-Serenade.
Große klangliche Weite
In der tragfähigen Akustik der neugotischen Kirche bekamen beide Werke ein große klangliche Weite. So sehr die famos spielenden Streicher, angeführt von Konzertmeister Nikolaus Boewer, auch ihre gleichsam solistische Virtuosität demonstrieren konnten, das Erlebnis eines vollen, die Tiefe gehenden Streicherklang war nach den Wochen der notgedrungenen Abstinenz von Orchesterklang das besonders Erlebnis des Abends.
Natürlich sind wir von Bruckner, Mahler und Strauss mit der vollen Staatsphilharmonie noch entfernt, aber Michael Francis und seine Musiker machten mit ihrem Einsatz klar, dass sie hier kein karges Ersatzprogramm spielen wollten, sondern große Musik in quasi universeller Auslegung. Das gilt besonders für die Variationen von Britten, die mit ihren Charakterstudien auf den ersten Blick eher verspielt anmuten. Doch, wie so oft bei diesem genialen Komponisten, steckt in dieser Musik eine ergreifende existenzielle Tiefe. Und genau diese wurde von Francis auf den Punkt gebracht. Sehr zu Recht hatte Intendant Fehlmann in seiner Begrüßung die Mahler-Nähe im Finale erwähnt.
Bei der Tschaikowsky-Serenade verbanden die Musiker und ihr Dirigent dann zündende Energie, rhythmischen Elan und erhabene Klangfülle aufs Schönste.