Klassik RHEINPFALZ Plus Artikel Eröffnung der Internationalen Musiktage Dom zu Speyer

Markus Melchiori am Pult von Domchor und L’arpa festante.
Markus Melchiori am Pult von Domchor und L’arpa festante.

Eine sehr eindrucksvolle, ebenso sprachgewaltige wie musikalisch facettenreiche Wiedergabe des Requiems von Wolfgang Amadé Mozart mit dem Domchor und dem Originalklangensemble L’arpa festante unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori eröffnete die Internationalen Musiktage Dom zu Speyer, die bis 2. Oktober gehen.

Eine sehr eindrucksvolle, ebenso sprachgewaltige wie musikalisch facettenreiche Wiedergabe des Requiems von Wolfgang Amadé Mozart mit dem Domchor und dem Originalklangensemble L’arpa festante unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori eröffnete die Internationalen Musiktage Dom zu Speyer, die bis 2. Oktober gehen.Am Ende wird wieder mit dem Domchor und der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und wieder im Dom zu Speyer die „Auferstehungs-Sinfonie“ von Gustav Mahler ertönen. Ein Festival, das mit dieser Vision der anderen Welt schließt, mit einer Totenmesse zu beginnen, ist naheliegend.

Das „Himmlische Jerusalem“ – so das Motto der Musiktage – wird dabei auch hier schon in den ersten Versen des Introitus angesprochen, wo es nach der Bitte um ewige Ruhe und das ewige Licht heißt: „Dir gebührt, Gott, Lobgesang in Zion und dir soll das Gelübde erfüllt werden in Jerusalem.“

Seit 40 Jahren Weltkulturerbe

Ein steinernes Abbild des „Himmlischen Jerusalems“ und ein erhabener Raum für diesen Lobpreis ist natürlich auch der Dom zu Speyer selbst. Vor 40 Jahren wurde er zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. An dieses Jubiläum erinnern die Musiktage auch, die in den kommenden zwei Wochen bis zum Mahler-Konzert unter anderem Werke von Bach und Messiaen bringen – zwei Komponisten, die in ihrer Musik auch immer wieder göttliche Räume beschworen haben.

Gewidmet wurde zum Auftakt die zweimalige Aufführung des Requiems KV 626 von Mozart im gemäß den geltenden Corona-Regeln noch nicht ganz voll, aber so voll wie schon lange mehr besetzten Speyerer Dom den Opfern der Corona-Pandemie und der Flutkatastrophe im Ahrtal.

Süßmayrs Fassung

Domkapellmeister Markus Melchiori wählte die „originale“ Requiem-Fassung mit Süßmayrs Ergänzungen, die er mit großer Intensität und Sprachkraft zur Wirkung brachte. Mit dem vorzüglich einstudierten Domchor gelang ihm eine höchst zwingende Wiedergabe von bestechend klarer und schlüssiger Diktion. Das heißt, keine Textpassage blieb ohne fassbaren theologischen Sinn – und ohne ausdrucksvolles musikalisches Profil. Dabei war der Klang von Chor und Orchester immer sehr klar. Fließend waren die Zeitmaße. Durch die schon erwähnte genaue Modellierung von Wort und Ton und eine ausgesprochen flexible und differenzierte Dynamik erhielt der Vortrag seine Spannung und rhetorische Kraft. Markus Melchiori machte damit sehr deutlich, dass es die aus früheren Interpretationen des Werks bekannte Schwerfälligkeit in Klang und Bewegung überhaupt nicht braucht.

Mozarts Requiem ist nämlich kein Werk einer aufkommenden musikalischen Romantik, sondern geprägt von der produktiven Auseinandersetzung des Komponisten mit der Satzkunst und barocken Klangrede eines Bach und Händel (dessen Trauerode übritens im Introitus das offensichtliche Vorbild war). Eine Wiedergabe, wie jetzt die im Speyerer Dom, die das weiß und umsetzt, kommt der musikalischen und theologischen Essenz dieses Werks am nächsten.

Spezifischer Klang

Das Solistenquartett mit Martina Nawrath, Sopran, Anne Bierwirth, Alt, Christian Dietz, Tenor, und Manfred Bittner, Bass, sang seine Partien im Stil der Wiedergabe pathosfrei und stets sehr kultiviert. Exzellent war auch das Posaunensolo im Tuba mirum. Überhaupt wusste L’arpa festante, quasi das Residenzorchester bei Barock und Klassik im Dom, den spezifischen Klang des Requiems – ohne Flöten und Oboen, aber mit weichen Bassetthörnern – aufs Schönste zu entfalten.

Als ganz leisen und ungemein innigen Ausklang erklang mit Chor und Orchester die Fronleichnams-Motette „Ave verum corpus“, die ebenfalls in Mozarts Todesjahr entstand.

Info

www.dommusik-speyer.de

Viele Besucher im Dom.
Viele Besucher im Dom.
Das Solistenquartett.
Das Solistenquartett.
Der ganze Apparat-
Der ganze Apparat-
Domchor und L’arpa festante bei Mozarts Requiem.
Domchor und L’arpa festante bei Mozarts Requiem.
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