Kultur
Disney-Hits locken Filmfans: Die deutsche Kinobilanz 2019 ist da
Acht der zehn bestbesuchten Filme stammen aus den USA. Vor allem Disney versteht es offenbar, Massentaugliches zu produzieren. Alle drei Filme, die mehr als fünf Millionen Besucher in die deutschen Kinos lockten, stammen aus dem Micky-Maus-Konzern. Platz 1: „Die Eiskönigin 2“ (5,69 Millionen Tickets; Platz 2: „Der König der Löwen“ (5,57 Millionen); Platz 3: „Avengers: Endgame“ (5,1 Millionen).
Kleiner Trost für die hiesigen Filmemacher: Auf dem vierten Platz 4 liegt der deutsche Film „Das perfekte Geheimnis“ (4,6 Millionen), auf dem 7. Rang „Der Junge muss an die frische Luft“ (3,1 Millionen), der bereits Ende 2018 anlief. Dennoch sank der Marktanteil der rund 1111 deutschen Filme (inklusive Koproduktionen, davon 252 Erstaufführungen), die 2019 im Kino liefen, um zwei Prozentpunkte auf 21,5 Prozent. 56,5 Prozent der Besucher lösten eine Karte für eine US-Produktion.
Von Kinosterben könne keine Rede sein
Insgesamt wurden 118,6 Millionen Tickets verkauft, 12,6 Prozent mehr als 2018, einem der schlechtesten Kinojahre seit Langen. Das brachte 1,024 Milliarden Euro Einnahmen, rund 125 Millionen mehr als im enttäuschenden 2018. „Wir sind erleichtert“, erklärte FFA-Chef Peter Dinges bei der Präsentation der Zahlen in Berlin. Doch gebe es keine Entwarnung, denn mindestens 130 Millionen verkaufte Karten pro Jahr seien als „solide Basis“ nötig.
Von einem Kinosterben könne gleichwohl nach wie vor nicht die Rede sein, betont die Förderanstalt mit Blick auf die wachsende Beliebtheit der Streaming-Dienste. In 946 Städten und Gemeinden gibt es noch Lichtspielhäuser, ein Plus von 41 Orten. Die FFA räumt allerdings ein, dass die Zahlen wegen geänderter Erfassung von „Wanderkinos“ nur bedingt vergleichbar seien. Die Zahl der Spielstätten stieg deutlich um 62 auf 1734.
Es flossen 455,9 Millionen Euro Fördergelder
Im Fünfjahresvergleich liegt das Ergebnis leicht unter dem Durchschnitt. Von früheren Höhenflügen kann die Kinobranche nur noch träumen. So kamen 2001 noch 169 Millionen Besucher, 2009 noch 146 Millionen und 2015 immerhin 135 Millionen. Der Erfolg ist extrem von wenigen Blockbustern abhängig, zeigt eine Analyse der FFA-Zahlen. So brachten die zehn besucherstärksten Filme 2019 ein Drittel der Ticketverkäufe. Auf die beliebtesten 50 Filme entfallen gut 68 Prozent der Besucher, auf die beliebtesten 100 rund 84 Prozent. Insgesamt liefen aber 2470 Filme (davon 606 Erstaufführungen). Was bedeutet, dass der allergrößte Teil der Streifen sehr geringen Zuspruch verzeichnet, im Schnitt kaum 800 Zuschauer. Das zeigt, wie riskant eine Kinofilmproduktion ist. Oft genug werden die Kosten durch die Tickets und Rechteverwertung kaum eingespielt. Die Branche profitiert hierzulande allerdings von einer – nicht unumstrittenen – umfangreichen Unterstützung der FFA, des Bundes und der acht Förderanstalten der Bundesländer. Insgesamt flossen im Vorjahr 455,9 Millionen Euro als Kultur-, Standort- und Wirtschaftsförderung.
Davon kamen knapp 202 Millionen Euro aus dem Etat von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Fast 74 Millionen Euro steuerte die FFA bei, die sich aus Umlagen der Filmwirtschaft und Abgaben der TV-Sender finanziert. Die Filmförderung Bayern (42 Millionen), die Filmstiftung NRW (40,3 Millionen) und das Medienboard Berlin-Brandenburg (34,8 Millionen) sind die ausgabewilligsten Länderförderer.
Eine Kinokarte kostet im Schnitt 8,63 Euro
Die Förderung an die Produzenten fließt nur, wenn bestimmte Vorgaben für Wertschöpfung in Deutschland oder den Bundesländern erfüllt sind. Auch internationale Produktionen können Zuschüsse erhalten, weshalb auch US-Studios gerne in deutschen Studios wie Potsdam-Babelsberg drehen lassen.
Das Kinovergnügen selbst ist für Zuschauer nicht billig. 2019 kostete der Eintritt im Schnitt 8,63 Euro, neun Cent mehr und damit wieder so viel wie 2017. Karten werden besonders durch Zuschläge für 3D-Produktionen verteuert. Deren Marktanteil ist allerdings auf 16 Prozent gesunken. 2019 wurden 18,5 Millionen Karten für 3D-Filme verkauft, 2016 waren es noch mehr als 31 Millionen. Nur zwei Erstaufführungen in 3D kamen 2019 aus Deutschland. Die zehn erfolgreichsten 3D-Filme stammen allesamt aus Hollywood, an der Spitze wieder das Disney-Trio „Avengers: Endgame “ vor „Der König der Löwen“ und „Die Eiskönigin 2“.
Insgesamt gibt es 798.442 Kinositzplätze in Deutschland
Insgesamt gibt es 4961 Leinwände und 798.442 Sitzplätze in deutschen Kinos. Dennoch kaufen die Bundesbürger im Schnitt nur 1,43 Mal pro Jahr eine Kinokarte, in anderen Ländern liegt diese Quote weit höher. Die Branche versucht daher, auch mit Angeboten wie Opern- und Sportübertragungen oder besonderem Luxus wieder mehr zahlende Gäste zu locken.