Kino RHEINPFALZ Plus Artikel Dimitrij Schaad über „Die Känguru-Verschwörung“

Bestsellerautor Marc-Uwe Kling (links) hat bei „Die Känguru-Verschwörung“ selbst Regie geführt. Hier bespricht er eine Sezne mit
Bestsellerautor Marc-Uwe Kling (links) hat bei »Die Känguru-Verschwörung« selbst Regie geführt. Hier bespricht er eine Sezne mit dem Känguru und Dimitrij Schaad.

Mit „Die Känguru-Verschwörung“ geht im Kino ab dieser Woche die Saga von Marc-Uwe Kling weiter, der diesmal auch selbst Regie geführt hat. Dimitrij Schaad spielt erneut dessen Alter-Ego, den Rumhänger Marc-Uwe, der weiter Nachbarin Maria anhimmelt und mit einem Känguru unter einem Dach lebt. Um Marias Herz zu gewinnen, muss er ihre Mutter aus dunklen Verschwörungskreisen loseisen. Schaad sprach mit Katharina Dockhorn über den Dreh und die Coronazeit.

Wie haben Sie die verrückte Situation erlebt, dass die Kinos zehn Tage nach dem fulminanten Start des ersten Teils „Die Känguru-Chroniken“ schließen mussten?
Es war völlig absurd. Während sich die Superlative überschlugen, wie viel die Presse berichtet, in wie vielen Kinos der Film laufen wird, und so weiter, kam dieser Virus langsam um die Ecke. Dann hatten wir ein ganz unglaublich gutes erstes Wochenende, ich hatte das Gefühl, jetzt geht meine Film-Karriere richtig los. Aber dann kommt die Vollbremsung. Die Kinos wurden geschlossen, die Theater auch.

Weil ich 2019 aus dem Festengagement am Maxim-Gorki-Theater ausstieg und nur noch als Gast engagiert war, brachen mir alle Einnahmen weg! Und weil ja auch keine neuen Filme starteten, hing wie zum Hohn über die nächsten Monate mein Gesicht von Litfaßsäulen und Kinos – während ich Arbeitslosengeld bekam, das meine Miete deckte, aber mehr auch nicht.

Kam der befürchtete Knick?
Das große Glück war, dass wir diese ersten erfolgreichen Tage im Kino hatten. Sie reichten, damit die Produktionsfirma grünes Licht für den zweiten Teil gab, an dem Marc-Uwe bereits seit Monaten gearbeitet hatte. Während der Kinotour hat er mir – in unserem winzigen Tourmobil auf der Autobahn zwischen Halle und München – die komplette Handlung erzählt. Szene für Szene, Gag für Gag. Und ich wusste: Egal wie einschneidend Corona jetzt für meine Arbeit war, 2021 werden wir drehen. Und die paar erfolgreichen Tage reichten dafür, dass aus anderen Richtungen Angebote kamen. Zum Beispiel von Charly Hübner, der mir die Hauptrolle in seinem Regiedebüt „Sophia, der Tod und ich“ gab.

Wie fühlt man sich in dieser Situation, wenn sonst so oft vom Wert der Kultur gesprochen wird?
Wir haben festgestellt, dass Kultur leider nicht so „systemrelevant“ ist, wie wir es als Macher gerne hätten. Corona hat ja – wie bei so vielem – nur bereits bestehende Fehlstellungen freigelegt und vergrößert. In diesem Land gibt es einen Festanstellungsfetisch, und jeder, der freiberuflich unterwegs ist oder gar soloselbstständig ist, scheint einfach ein grundsätzliches Problem für deutsche Ämter zu sein. Und wenn man, wie die meisten Schauspieler, unständig beschäftigt ist, hat man die größte Arschkarte gezogen.

Viele sind in den vergangenen Jahren durch das Raster gefallen, weil die Unterstützung der Kultur oft ein Lippenbekenntnis ist, das gerne auf den roten Teppichen von Festivaleröffnungen benutzt wird. In der Realität hat sie noch sehr großen Verbesserungsbedarf.

Andererseits haben sich bestimmte Kolleginnen und Kollegen nicht gerade mit Ruhm bekleckert in dieser Zeit. Keine Ahnung, was sie sich bei der geistesschwachen Nummer „Allesdichtmachen“ dachten. Für eine politische Aktion war das bestenfalls sehr fragwürdig und für eine Kunstaktion – als was die Macher es ja bezeichnet haben – war es einfach zu erbärmlich schlecht.

Inwieweit sollen oder müssen sich Kunst und Kultur Ihrer Ansicht nach in gesellschaftliche Dispute einmischen?
Beim Dreh des ersten Films habe ich mal einen meiner Meinung nach zündenden Gag gemacht, und alle haben freundlich gelacht. Nur Volker Zack, mein wunderbarer Kollege, der im Motion-Capturing-Anzug das Känguru spielt, lehnte sich zu mir rüber und flüsterte mir ins Ohr: „Denk immer daran: Sie müssen nett zu dir sein.“ In diesem Satz steckt so viel Wahrheit. Weil niemand am Set es sich leisten kann, das fragile Ego eines Schauspielers zu verletzen, ist das Meiste was wir hören: Oh, ja, das ist ein kluger Gedanke. Du hast ja wirklich was zu sagen. Wenn man dann ein paar Jahre in diesem Umfeld verbracht hat, wo alle nett zu dir sein müssen, fängt man vermutlich an, seine eigenen geistigen Fähigkeiten auf geradezu groteske Weise zu überschätzen.

Ohne meinen Kolleginnen und Kollegen, die sich jüngst äußerten, zu nahe treten zu wollen: Multilaterale Diplomatie und der Umgang mit einem kriegstreibenden Despoten sind nicht unbedingt Themen, zu denen sich Schauspieler fundiert äußern können.

Wobei der Film hochpolitisch ist, wenn es etwa um die Klimakrise geht, die leider in den vergangenen Monaten im Hintergrund stand?
Der Film thematisiert unsere selbstgewählte Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und von Diktatoren, die auf ihnen sitzen. Obwohl uns die jetzige Situation eine Lektion sein sollte, bleibt ein Umdenken aus. Langfristige Konzepte fehlen. Und ich frage mich wirklich wie man jetzt, wo die Auswirkungen längst da sind, wo – von den furchtbaren Zuständen in anderen Teilen der Welt mal ganz zu schweigen – selbst 85 Prozent der Fläche Deutschlands von Dürre bedroht ist und in Frankreich die Wälder lodern, die Klimakatastrophe noch leugnen kann.

Das geht mir nicht in den Kopf und seit Corona wurde ja auch dieser Verschwörungsschwachsinn an die Oberfläche geschwemmt.

Die WG-Kumpel verschlägt es im Film in die Sezne der Aluhutträger.
Die WG-Kumpel verschlägt es im Film in die Sezne der Aluhutträger.

Leugner der Mondlandung oder Ufo-Beobachter gab es aber doch immer?
Ja, aber vor Corona waren sie eine nischige Randerscheinung. Ich denke, die meisten von uns mussten in den vergangenen zweieinhalb Jahren die schmerzhafte Erfahrung machen, dass sich in unseren Familien und Freundeskreisen ein nicht unerheblicher Teil in diverse Verschwörungswelten verabschiedet hat. Mit den zunehmenden Krisen wird sich die Polarisierung noch weiter zuspitzen.

Das Känguru begegnet im Film nun auch diesen Verschwörungswelten.
Ja, wir machen uns zur Conspiracy Convention auf – einer Messe für Verschwörungstheorien, die natürlich stattfindet in: Bielefeld. Irgendwie muss man ja versuchen die Welt humorvoll zu überspitzen.

Wird das Känguru gar handgreiflich?
Wird das Känguru gar handgreiflich?

Zur Person

Der Schauspieler Dimitrij Schaad, geboren 1985 in Kasachstan, lebt seit seinem achten Lebensjahr in Deutschland. Das Handwerk als Schauspieler lernte er in München und St. Petersburg. Von 2013 bis 2019 war er Ensemblemitglied am renommierten Maxikm-Gorki-Theater Berlin. Bundesweit bekannt wurde er 2020 durch „Die Känguru-Chroniken“.

Mehr zum Thema
x