Jubiläum RHEINPFALZ Plus Artikel Die Wandelbare: Zum 80. Geburtstag der Schauspielerin Senta Berger

Startete ihre Karriere einst in Hollywood.
Startete ihre Karriere einst in Hollywood.

Seit Tagen schon feiern Fernsehsender, Feuilletons und Fanzeitschriften die Schauspielerin Senta Berger, die am 13. Mai 80 Jahre alt wird. Längst gilt die in München lebende Wienerin als eine der international prominentesten Repräsentantinnen deutschsprachiger Mimenkunst. Ihre ebenso glanzvolle wie verdiente Karriere erstreckt sich über mehrere Kapitel. Ein Rückblick.

Frühe Berühmtheit erlangte Senta Berger, als sie noch während ihrer Ausbildung am Wiener Reinhardt-Seminar kleine Rollen in den damals dutzendfach heruntergekurbelten Heimat-, Lustspiel-, Arzt-, Schlager-, Urlaubs- und Kriminalfilmen spielte. Zwischen der „Lindenwirtin vom Donaustrand“ (1957), „O Sole mio“ (1960), „Ramona“ und dem „Frauenarzt Dr. Sibelius“ (beide 1962), oder in „Es muss nicht immer Kaviar sein“ (1961) und „Schüsse im Dreivierteltakt“ (1965) hatte sie kaum mehr zu tun, als attraktiv zu sein.

Das Wiener Theater in der Josefstadt setzte sie vor die Tür

Zwar strebte sie durchaus nach Höherem und auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Doch das Theater in der Josefstadt setzte sie vor die Tür, weil sie ungefragt eine Filmrolle in der US-Produktion „Die Reise“ (1959) angenommen hatte. Zur Bühne fand sie danach nur noch vereinzelt zurück, als Buhlschaft im Salzburger „Jedermann“ etwa, in Schnitzlers „Reigen“ und neuerdings mit sehr erfolgreichen Lese- und Rezitationsabenden. „Die Reise“ jedoch führte die erst 18-Jährige sehr wohl nach Hollywood.

Dort drehte sie 1963 einen Film, der in melodramatischen Episoden eine Antikriegsgesinnung vorführen wollte, aber doch nur ein aufdringlich sentimentales Loblied auf amerikanische Infanteristen anstimmte. „Die Sieger“ heißt das Machwerk, das sein „Lokalkolorit“ aus der Mitwirkung diverser europäischer (Nachwuchs-) Stars zu beziehen trachtet, darunter Romy Schneider, Elke Sommer und eben Senta Berger.

Der Traum von Hollywood

Alle drei fanden vorübergehend Beschäftigung in Hollywood und werden seither in der Heimat als „Weltstars“ apostrophiert. Doch während die Ex-„Sissi“ erst im französischen Film zu stupender künstlerischer Reife gelangte und die blonde Pfarrerstochter im Klischee des ewigen „Fräulein-Wunders“ verharrte, fand Senta Berger tatsächlich dauerhaft Beschäftigung im kalifornischen Kino-Mekka. Freilich war sie in kommerziellen Top-Produktionen wie „Sierra Charriba“ (1964), „Der Spion mit meinem Gesicht“, „Schatten des Giganten“ (beide 1965) und „Wenn Killer auf der Lauer liegen“ (1967) nur der attraktive Blickfang mit Euro-Akzent.

Hellsichtig und zielstrebig, wie sie ist, zog sie alsbald einen Schlussstrich unter diesen Karriereabschnitt – und erschloss sich weitere Tätigkeitsfelder, indem sie fast zeitgleich zwei neue Kapitel aufschlug. In der römischen Cinecittà wurde sie zur mal neckischen, mal lasziven Verführerin in Dutzenden Possen, Romanzen und Sex-Komödien, deren Gehalt in Titeln wie „Als die Frauen noch Schwänze hatten“ (1970), „Die Herrenreiterin“ (1975) und „Die nackte Bourgeoisie“ (1977) umrissen ist.

Charakterrollen im deutschen Kino

Zugleich aber gab ihr das deutsche Kino die sehnsüchtig erstrebten Charakterrollen. Ihre Gabe, sanften Sex-Appeal mit seelischem Tiefgang, Libertinage mit Noblesse, Intellekt mit Grazie, Charme mit gesellschaftlichem Engagement zu verweben, wurde von Schlöndorff („Die Moral der Ruth Halbfass“, 1971), Wenders („Der scharlachrote Buchstabe“, 1972) und Dörrie („Bin ich schön?“, 1998) ebenso geschätzt wie von den Machern publikumswirksamer Spektakel à la „Steiner. Das Eiserne Kreuz“ (1977).

Das neue Image der gereiften, „diesseitigen“ und darum umso begehrenswerteren Frau von heute konnte sie unter der Regie ihres Ehemanns Michael Verhoeven festigen. Seine Filme begleitete sie nicht nur als Darstellerin („Paarungen, 1967; „Wer im Glashaus liebt“, 1971), sondern vor allem als Mitinhaberin einer gemeinsamen Produktionsfirma. Unter ihrem Signet kamen politisch engagierte Zeitstücke wie „Die weiße Rose“ (1982), „Das schreckliche Mädchen“ (1989) und die Tabori-Adaption „Mutters Courage“ (1995) ins Kino, während das Ehepaar im wahren Leben für Umweltschutz, Frauenrechte und die Friedensbewegung eintrat.

Den nie versiegenden Serienbedarf des Fernsehens haben die beiden mit Reihen wie „Die schnelle Gerdi“ und „Lilli Lottofee“ bedient, nachdem Senta Berger 1986 mit dem Sechsteiler „Kir Royal“ zum vielbeschäftigen Bildschirm-Star geworden war. Fast immer heben ihre darstellerische Integrität und Wandlungsfähigkeit, die das Komödiantische einschließt, selbst Dutzendproduktionen für die Rosamunde-Pilcher-Abteilung aus dem TV-Einerlei hervor.

In Würde und Schönheit gealtert

Diese Qualitäten gestatteten es der vielfach dekorierten Aktrice, vor der Kamera naht-, bruch- und mühelos zu altern. Im Kino („Satte Farben vor Schwarz“, 2011; „Willkommen bei den Hartmanns“, 2017) wie in der Bildschirmserie „Unter Verdacht“ und dem soeben ausgestrahlten Kammerspiel „An seiner Seite“ zeigt sie glaubhaft die Würde und Charakterfestigkeit reifer, aber stets willensstarker, pragmatischer und vitaler Frauenfiguren.

Die Vielseitige veröffentlichte zudem mehrere Schallplatten und Hörbücher. Außerdem wurde sie 2003 zur ersten Präsidenten der Deutschen Filmakademie berufen. Als sie 2020 den Toleranzpreis der Evangelischen Akademie Tutzing für ihr Lebenswerk erhielt, war in der Begründung von ihrer „glaubwürdigen Persönlichkeit im Film wie in der Wirklichkeit“ die Rede. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Senta Berger 1974 mit ihrem Mann Michael Verhoeven.
Senta Berger 1974 mit ihrem Mann Michael Verhoeven.
Als junge Schauspielerin im Jahr 1961.
Als junge Schauspielerin im Jahr 1961.
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