Konzert RHEINPFALZ Plus Artikel Die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz spielt wieder in größerer Besetzung – gleich zwei Mal

Wo eine Mozart-Serenade hingehört: unter freien Himmel an angenehmen Ort. Die Staatsphilharmonie im Von-Busch-Hof in Freinsheim.
Wo eine Mozart-Serenade hingehört: unter freien Himmel an angenehmen Ort. Die Staatsphilharmonie im Von-Busch-Hof in Freinsheim.

Mit so vielen Musikern wie noch nie seit dem Lockdown hat die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Normalität gemacht. In Kaiserslautern und Freinsheim waren bei Mozarts „Gran Partita“ 13 Musiker aktiv.

Gestern wurde auch offiziell das Programm des Musikfests Speyer vorgestellt, das zwar anders aussieht als ursprünglich geplant, aber doch an den vorgesehenen Tagen Anfang Juli stattfinden kann. Es endet auch mit einem Stück für 13 Musiker, mit der aparten Suite Appalachian Spring von Aaron Copland. Dann steht Chefdirigent Michael Francis am Pult.

Bei Mozarts Serenade für zwölf Bläser und Kontrabass in B-Dur KV 361 spielten die Musiker jetzt allerdings ohne Dirigent und setzen damit gleichsam ganz aus sich heraus ein Zeichen der Selbstbehauptung, ja der Auferstehung nach drei Monaten ohne Zusammenspiel und öffentliche Auftritte.

Mozart macht glücklich

Mozarts Serenade ist das Stück der Stunde, das am Abend vor dem ebenfalls live gestreamten Konzert in der Fruchthalle in Kaiserslautern vor 100 Besuchern schon mal im Netz zu erleben war: in einem Stream mit Mitgliedern des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Das war aber nur ein Studio-Auftritt mit digitaler Übertragung. In München am Pult stand Sir Simon Rattle. Der nannte im Pausengespräch die 50-minütige Serenade eines der größten musikalischen Kunstwerke, das je komponiert wurde. Und Sir Simon ist gewiss ein glaubwürdiger Zeuge für diese Aussage.

In der Tat, nicht nur im aus Peter Shaffers „Amadeus“ einschlägig bekannten Adagio, sondern auch in den sechs anderen Sätzen (einschließlich des kessen Finales) beweist Mozart hier seine ganze Kunst. Der Werk sprüht nur so vor Geist, Elan und Empfindung – und es beseelt und beglückt alle, die sich dieser Musik öffnen und nicht die von Mozart wenig geschätzten langen Ohren haben. Es sind keine leeren Phrasen, wenn immer wieder betont wird, wie sehr wir in diesen Zeiten dergleichen brauchen.

Freude am Zusammenspiel spürbar

Das angesprochene Glücksgefühl stellt sich erst recht ein, wenn so eine einmalige Partitur wie die von Mozarts Serenade so herrlich musiziert wird wie von Rainer Schick und Regina Wolf, Oboe, Gerhard Krassnitzer und Lina Neuloh, Klarinette, Alexandra Obermeier und Martin Fuchs Bassethorn, Andreas Becker, Stefan Wulfert, Anne-Eli Olsen und Andreas Klebsch, Horn, Johannes Hund und Jakob Fliedl, Horn, sowie Alexander Kunz, Kontrabass.

Das Ensemble aus den Reihen der Staatsphilharmonie ließ vom ersten Takt an die Freude spüren, endlich wieder zusammen spielen zu können. Dabei machten die 13 Mitwirkenden auf der einen Seite erlesene Kammermusik in einem fein aufeinander reagierenden Spiel mit virtuosen Einlagen aller Register und superben Solopassagen. Auf der anderen Seite entfaltete das Ensemble der Staatsphilharmonie auch einen prächtigen Klang und gab dem Werk eine geradezu sinfonische Weite.

Eine Serenade gehört nach draußen

Endlich waren beide den Rang des Orchesters so stark bezeugenden Tugenden wieder live zu ermessen und sinnlich zu erfahren – und besonders authentisch gelang das im malerischen Von-Busch-Hof in Freinsheim, denn so eine Serenade ist ja Freiluftmusik. Open air und an einem trotz ein paar Wölkchen lauen Abend im Konzert mit dem Gesang der Vögelein machte das Spiel besonders große Wirkung. Zwar galten für die 80 Gäste (und die 13 Musiker) die aktuellen Abstandsregeln, aber in dem gemütlichen Hof waren die Stühle so gestellt, dass sich das Publikum nicht im Raum verlor, sondern es sicher und angenehm war.

Wie groß das Verlangen nach dem Live-Erlebnis ist, zeigt sich darin, dass alle weiteren Sonntagsmusiken im Freinsheimer Von-Busch-Hof schon ausgebucht sind, aber es gibt ja – ebenfalls zum Nulltarif – unter anderem von 1. bis 5. Juli das Musikfest in Speyer. Da bringt zwar deutlich weniger Beethoven als (zum Jubiläumsjahr) geplant, aber dafür viele interessante Stücke zum Entdecken. Zur Eröffnung gibt es (allerdings in der Dreifaltigkeitskirche) auch eine Serenade, die für Streicher von Tschaikowky. Dann kann sich diese Gruppe des Orchesters endlich auch in größerer Zahl wieder profilieren.

Reservierungen

www.staatsphilharmoniker.de/reservierung

Das gleiche Programm gab es zuvor in der Fruchthalle Kaiserslautern.
Das gleiche Programm gab es zuvor in der Fruchthalle Kaiserslautern.
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