Kultur
Der Minimal-Mime: Actionstar Chuck Norris wird 80 Jahre alt
Den US-amerikanischen Filmdarsteller Chuck Norris nach künstlerischen Maßstäben zu beurteilen, wäre verfehlt und auch nicht angebracht. Der Minimal-Mime verfügt über keinerlei schauspielerischen Ausdruck. Den allerdings hat er nie angestrebt. Das Metier des Kampfsportlers ist die vollendet choreografierte Action.
Hölzern ist sein Mienenspiel
Hölzern ist sein Mienenspiel, holzschnittartig die Dramaturgie seiner Filme, die für Drehbuch, Regie und Darstellung nur wenig Aufwand betreiben. Umso mehr Sorgfalt gedeiht dem effektvollen Schnitt der Kampfszenen an. Die Faust-, Nah- und Karatekämpfe des Chuck Norris sind so brillant und sorgfältig in Szene gesetzt, dass sie sich als Lehrstücke für Sportler und Athleten ebenso einsetzen lassen wie für Filmschnitt, Bilddramaturgie und Timing.
Und Chuck Norris immer mittenmang. Wo er hintritt, wächst kein Gras mehr. Er ist wortkarg und drahtig, ein durchtrainierter Athlet von der Wendigkeit eines fernöstlichen Kampfsport-Artisten. Dort – im Koreakrieg nämlich – hat der in Oklahoma geborene Spross indianisch-irischer Vorfahren die hohe Kunst des Kampfsports gelernt.
Sein Förderer war Bruce Lee
Sein Förderer war Bruce Lee, der (in den USA geborene) König des asiatischen Kung-Fu- und Karatefilms, der ihn nicht nur Körpereinsatz und -beherrschung lehrte, sondern auch die bildwirksame Choreografie des akrobatischen Schlagabtauschs. Im Filmklassiker „Die Todeskralle schlägt wieder zu“ gab Norris 1972 den Gegenspieler des Hongkong-Stars.
Während jedoch in Bruce-Lee-Filmen die Ästhetik von Kampfballett und Muskelkraft zelebriert wurde, kreist das Leinwandschaffen von Chuck Norris ausschließlich um seinen ewigen Kampf gegen das Böse, das bei ihm in Gestalt abgrundtief schurkischer Buhmänner daherkommt. Die Finsterlinge, denen Norris einen erbarmungslosen Kampf angesagt hat, sind so brutale wie verschlagene Bestien mit häufig arabischer oder euroasiatischer Physiognomie. Dass ihr ruchloses Streben nach der Weltherrschaft keinerlei Erfolgsaussicht hat, klingt in Titeln wie „Der Bulldozer“ (1979), „Der Gigant“ (1980) oder „Die Feuerwalze“ (1986) an.
Fast zeitgleich mit Stallones „Rambo“-Filmen
Fast zeitgleich mit den „Rambo“-Filmen von Sylvester Stallone rüstete Norris in „Missing in Action“ (1984) und „Delta Force“ (1986) zu seinen Feldzügen gegen alle, die sich seiner Interpretation der westlich-abendländischen Freiheitsauffassung entgegen stellten. Vier Jahrzehnte nach John Waynes Faust- und Pistolenkämpfen wurde Chuck Norris zum Bannerträger amerikanischen Missionierungseifers, dessen Zweck alle Mittel heiligt, auch wenn er sich neben anmutiger Körperlichkeit noch so vieler Maschinengewehre und Flammenwerfer bedient.
Von der Kinoleinwand ins Fernsehen
Von der Kinoleinwand wechselte er ins Fernsehen, wo er in der Serie „Walker, Texas Ranger“ eine (an Jahren) gereifte Version seiner Heldensaga präsentierte. Als er auch dafür zu alt geworden war, verlegte er sich auf geschäftliche Aktivitäten als Kampfsport-, Bodybuilding- und Fitness-Unternehmer, ehe er 2012 im „The Expendables“ ein erfolgreiches Comeback feierte. Seine Mitspieler und -kämpfer waren die Action-Kollegen Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Jean-Claude van Damme, Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis, der kahlköpfige Kampfkoloss von der Nahe (er ist in Idar-Oberstein geboren).
Das reaktionäre Dampfwalzen-Pathos der Chuck-Norris-Filme zu verhöhnen, ist ein Leichtes. Ungleich schwerer fällt die Auseinandersetzung mit seinen Rollen im wahren Leben. Nicht erst seit Donald Trumps Amtsantritt präsentiert sich der Mucki-Millionär nur allzu gern als strammer US-Republikaner, radikaler Evangelikaler und überzeugter Kreationist. Diese Wesenszüge korrespondieren mit seinem Kino-Image in einer Weise, die vor dem Hintergrund der aktuellen Zeitläufte fasziniert und bestürzt zugleich.
Zur Sache: Die besten Chuck-Norris-Witze
Die im Original „Chuck Norris Facts“ genannten Chuck-Norris-Witze machen sich lustig über die behaupteten übergroßen Fähigkeiten der von Chuck Norris verkörperten Figuren: vor allem ihre Männlichkeit, ihre Unbesiegbarkeit und ihre große Kraft, Gegner einzuschüchtern. Die Witze sind ein Internet-Phänomen, dessen Ursprung im Jahr 2005 liegt. In ihnen wird das Norris zugesprochene Können zusätzlich überhöht und persifliert, in dem es auch in Alltagssituationen übertragen wird. Auch wird die den Figuren oft zugeschriebene Dumpfheit gern in ihr Gegenteil verkehrt. Als ein Ursprung gelten Witze von US-Moderator Conan O’Brien. Eine Auswahl:
Chuck Norris hat bis unendlich gezählt. Zweimal.
Chuck Norris atmet nicht. Er hält die Luft als Geisel.
Chuck Norris ist bereits tot. Der Tod hatte aber Angst, es ihm zu sagen.
Chuck Norris kann gar nicht fliegen. Er tut es trotzdem.
Chuck Norris bringt Zwiebeln zum Weinen.
Chuck Norris kennt die letzte Ziffer von Pi.