Streaming RHEINPFALZ Plus Artikel „Der Kaiser“: Unkritisches Biopic über Franz Beckenbauer

Am Ziel: Klaus Steinbacher alias Franz Beckenbauer dreht nach seinem WM-Triumph als Teamchef nachdenklich seine Runden im Olympi
Am Ziel: Klaus Steinbacher alias Franz Beckenbauer dreht nach seinem WM-Triumph als Teamchef nachdenklich seine Runden im Olympiastadion von Rom.

In vielen Innenstädten sind sie derzeit omnipräsent: Plakate zu „Der Kaiser“. Die Filmbiografie über Franz Beckenbauer beim Sky-Streamingdienst „Wow“ abrufbar.

Sommer 1990, Deutschland ist Fußballweltmeister. Die Spieler liegen sich jubelnd in den Armen. Nur einer zieht alleine auf dem Rasen seine Runden: In weinrotem Jackett, die Hände in den Hosentaschen schaut Teamchef Franz Beckenbauer – dargestellt vom 28-jährigen Klaus Steinbacher – nachdenklich auf die Zuschauerränge. Mit diesen Bildern beginnt „Der Kaiser“, eine filmische Biographie, produziert vom Bezahlsender Sky, über den Fußballer mit dem Herrschertitel als Spitznamen.

Der Film zeigt Beckenbauers Aufstieg vom Jungnationalspieler zum Weltmeister.
Der Film zeigt Beckenbauers Aufstieg vom Jungnationalspieler zum Weltmeister.

In etwas mehr als anderthalb Stunden erzählt Regisseur Tim Trageser (unter anderem „Tatort“ und „Kommissarin Lucas“) Beckenbauers Aufstieg vom begabten Nachwuchskicker und begehrtem Werbeträger zur „Lichtgestalt“ des deutschen Fußballs. In erster Linie geht es um die sportlichen Erfolge. Beckenbauer als deutscher Meister mit dem FC Bayern München, Beckenbauer als Nationalspieler, Beckenbauer als Weltmeister – als Spieler und als Teamchef – und Beckenbauer als Show-Kicker in den USA. Auch um den „Kaiser“ als Frauenheld.

Wenn der „Blitz“ einschlägt

Kommentiert wird das Geschehen auf dem Bildschirm von der Hauptfigur höchstpersönlich. Entweder erklingt die Stimme mit dem bayerischen Akzent aus dem Off, oder das filmische Ebenbild blickt direkt in die Kamera und spricht zum Zuschauer. So etwa, wenn er sich wieder mal Hals über Kopf in eine andere Frau verliebt, dann fast schon entschuldigend. Als wolle er sagen: „Ja mei“ – es trifft ihn eben wieder einmal der „Blitz“, wie Steinbacher als Beckenbauer regelmäßig resümiert.

Wirklich kritisch setzt sich der Film mit den Fehltritten seiner Hauptfigur nicht auseinander. Die Probleme mit dem Fiskus, die in 1970er-Jahren aus der Zusammenarbeit des „Kaisers“ mit seinem Manager und Förderer Robert Schwan entstehen, werden nur gestreift.

Differenzen beim Aussehen

Szenen außerhalb des Platzes plätschern eher dahin. Richtig amüsant wird es nur, als Beckenbauer mit Teamkollege Sepp Maier eher gezwungenermaßen einer von Gattin Brigitte veranstalteten Buchlesung beiwohnt. Die beiden Kicker erweisen sich dabei eher als simple Gemüter und ersticken versehentlich eine angeregte Diskussion mit Fußballerphrasen.

Packend sind hingegen die Szenen auf dem Rasen gestaltet. Geschickt werden da Original- mit Neuaufnahmen verwoben. Auch wenn beim direkten Bildwechsel mal deutlich wird, dass der reale Andi Brehme beim Elfmeter im WM-Finale 1990 seinem filmischen Ebenbild, das sich eben noch den Ball zurecht gelegt hat, nicht wirklich ähnlich sieht. Authentisch sind hingegen die Kostüme, die einen in die Zeit des Geschehens auf dem Fußballplatz zurückversetzen. Da hätte es die nur wenig konsequent genutzten Kamerafilter gar nicht gebraucht, die bei den neugedrehten Szenen etwa Filmaufnahmen der 1970er-Jahre imitieren sollen.

Frühes Filmende

Mit Beckenbauers Triumph als Teamchef endet der Film wie er begonnen hat. Merkwürdig, wenn auch verkraftbar, sind die Auslassungen vieler sportlicher Meilensteine der Ikone, wie etwa der Europameistertitel 1972, die internationalen Erfolge mit den Bayern oder seine Meisterschaft im Trikot des Hamburger SV. Ebenso merkwürdig, aber weniger verkraftbar ist das gewählte Ende des Films. Schließlich gäbe es noch einiges zu erzählen aus dem Leben des früheren Mitarbeiters vom Sky-Vorgänger Premiere. Etwa seine Arbeit als Präsident des FC Bayern, der unter ihm seine Vormachtstellung im deutschen Fußball erheblich ausbauen konnte.

In diese Zeit fällt aber auch seine skandalumwitterte Rolle rund um die Vergabe der Fußball Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland. Das hätte man nicht so einfach ausblenden können wie die vielen gewonnenen Titel.

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