TV
Der Fernsehkrimi-Check: Pandora büxt aus
Nach dem „Tatort“ verabschiedet sich am 20. Juni auch der „Polizeiruf 110“ in die Sommerpause. Pandora hüpft aus ihrer Box und streift durch München. Sie ist „Frau Schrödingers Katze“ (20.15 Uhr, Das Erste) im dritten Fall für Polizeioberkommissarin Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger).
Nicht nur eine Katze
Zuletzt war Altenberger als Eyckhoff, in „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“, in einer sehr großstädtischen Umgebung zu erleben. Nun scheint Deutschlands sympathischste Ermittlerin geradezu in der Provinz gelandet, auch wenn ihre Wache weiterhin im Stadtteil Sendling steht. Mitten in München, und doch ist hier zunächst so wenig los wie etwa in der Eifel-Krimi-Serie „Mord mit Aussicht“ (die übrigens mit Katharina Wackernagel fortgesetzt werden wird).
Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein oder jedenfalls die Uhr, die Eyckhoff denn auch richten möchte. Von ihrem neuen Vorgesetzten Attila Breitner (Heinz-Josef Braun) kann sie dafür ebenso wenig Dankbarkeit erwarten wie von ihrem neuen, phlegmatischen Kollegen Dennis Eden. Stephan Zinner, den wir aus den Eberhofer-Krimis kennen, spielt ihn, und er macht seine Sache gut.
Gebürtiger Pfälzer führt Regie
„Dafür samma net zuständig“, erklärt er, als die alte Frau Schrödinger (Ilse Neubauer) ihre Katze vermisst melden möchte. Eyckhoff nimmt sich der greisen Halterin und ihres unscheinbaren Anliegens jedoch an, ohne zu ahnen, wie tödlich die ganze Geschichte weiter gehen wird. „Vielleicht ist der Fall komplexer als wir denken“, schwant Eyckhoff erst später in diesem vergnüglichen „Polizeiruf 110“ des gebürtigen Germersheimers Oliver Haffner.
Für den physikalischen wie den amourösen Anteil sorgt ihr Flirt Adam (der Heidelberger Camill Jammal). Der Physiker erörtert das quantenmechanische Gedankenexperiment „Schrödingers Katze“ und auch seine neue Begleitung gibt überraschend zu verstehen: „Die theoretische Teilchenphysik finde ich ganz spannend.“ Der Krimi verbildlicht sehr frei Werner Heisenbergs Quantenmechanik, die doch besagt, dass alles mit allem verbunden ist und es keine Realität ohne Beobachtung gibt.
Der nächste Karriereschritt?
Überhaupt zeigt sich die von ihren Kollegen sträflich unterschätzte, junge Polizistin bereit, abseits eingefahrener Routinen und Wege zu ermitteln. Sie kommt auf ihre ganz eigene Art auf die Verbrecher, die sich das Vermögen der Katzenhalterin einverleiben möchten, wie auf die mörderischen Verwicklungen, in die sie sich immer weiter verstricken. So verwundert es nicht, dass sie am Ende ankündigt: „Ich geh zur Kripo.“