Kultur
Comic-Zeichner Helmut Nickel tot: Brillanter „Edelschund“
Die 50er und 60er Jahre waren in Deutschland die große Zeit der Abenteuercomics. Hansrudi Wäscher („Sigurd“) und Helmut Nickel („Robinson“) waren die wichtigsten Zeichner. Nickel starb jetzt im Alter von 95 Jahren in den USA.
Als Helmut Nickel 2011 in München und 2012 in Erlangen auf den beiden großen deutschsprachigen Comic-Festivals auftrat, wurde das als „comic-historischer Moment“ bezeichnet. Ein bald 90-jähriger Herr war da zu erleben, sympathisch und bescheiden, der in der Szene nahezu in Vergessenheit geraten war. Dabei handelte es sich um den bedeutendsten deutschen Zeichner der 50er und 60er Jahre neben Hansrudi Wäscher („Sigurd“). Doch während Wäscher fast bis zu seinem Tod 2016 künstlerisch tätig blieb, hatte Nickel Pinsel und Stift schon früh zur Seite gelegt. Wer sein grafisch brillantes Werk auf den Festivals bewunderte – er selbst sprach übrigens immer von „Edelschund“ –, konnte nur bedauern, dass eine vielversprechende Comic-Karriere ein recht abruptes Ende gefunden hatte.
Die „Winnetou“-Adaption brachte ihm viel Anerkennung ein
1924 in Dresden geboren studierte der schon in jungen Jahren künstlerisch veranlagte Helmut Nickel 1949 in Berlin Ethnologie, Kultur- und Kunstgeschichte und arbeitete nebenbei in einer Werbeagentur. Dort kam er mit dem Verleger Gerstmayer in Kontakt, für den er Serien wie „Die drei Musketiere“, „Der Graf von Montechristo“, „Don Pedro“ und ab 1955 die erfolgreichste, „Robinson“, zeichnete. Es war die große Zeit der Abenteuercomics in Deutschland. Später wechselte Nickel zu Lehning, wo Wäschers Streifenhefte (Piccolo) mit verschiedensten Helden erschienen. 1962 entstand eine viel gerühmte „Winnetou“-Adaption, die vor einigen Jahren von Eckart Sackmann in drei voluminösen Bänden neu aufgelegt wurde.
Die Honorare blieben aus, die Comic-Karriere endete
Nach dem Studium ging Nickel 1960 als Kurator der Waffenabteilung zum Metropolitan Museum New York, wo er bis zu seiner Pensionierung 1989 wirkte. Weil Mitte der 60er Honorarzahlungen aus Deutschland ausblieben, gab er seine Nebentätigkeit als Comiczeichner gänzlich auf. Helmut Nickel lebte später mit seiner Frau Hilde in Florida, wo er sich für die Errichtung eines Indianermuseum stark machte. Er starb bereits am 5. Juni, wie jetzt erst bekannt wurde.