Deutscher Buchpreis
Beste Bücher?
Plötzlich diese Übersicht. Sechs aus Abertausenden Romanen, Erzählungen, Prosa. Die Entscheidung, wer es ins Buchpreisfinale schafft, hat Aufmerksamkeits-ökonomische Konsequenzen. Und erst recht die, wer gewinnt. All das Herumgereiche auf der Buchmesse. Die Gewinner-Banderole auf dem Cover. Der Promiplatz im Buchhandel. Und warum auch nicht das alles. Die Gewinnerin, der Gewinner, hat nach den Preis-Regularien das beste Buch des Jahres geschrieben. Irrtum nicht ausgeschlossen – wie immer.
Der souveräne Robert Gstrein nur zum Beispiel, hat es mit „Vier Tage, drei Nächte“ nicht einmal auf die Liste der letzten 20 geschafft. Esther Kinsky ist – Stichwort „künstlerische Unbedingtheit“ – mit ihrer tiefschichtigen, sprachmächtigen Erdbebenerkundung „Rombo“ in vorletzten Buchpreis-Himmel der „Longlist“ verblieben. Unter den letzten sechs steht dafür Kim de L’Horizons Transgender-Roman „Blutbuch“. Thema ist, um grob zu sortieren, Identität, wie bei den Mitfinalistinnen Fatma Ayedir („Dschinns“), Kristina Bilkau („Nebenan“) oder Daniela Dröschers „Lügen über meine Mutter“ auch. Aber warum steht dann nicht Anna Kims teil-dokumentarische „Geschichte eines Kindes“ im Finale?
Jan Faktor ist dort ein Favorit. Der Selbstmord seines Sohnes der Ausgangspunkt seiner wortnärrischen Schelmenautobiografie „Trottel“. Weiter Siegchancen hat auch Eckart Nickel, dessen überfeinerte, kunstvolle Jungs- und Dreiecksgeschichte „Spitzweg“ wie aus einer andersproblematischen Welt herüberscheint. Derweil nimmt der Autor des – doch! - besten Roman des Jahres wohl erst gar nicht teil.
Ralf Rothmann hat schon 2015 mitteilen lassen, dass er lieber nicht beim Deutschen-Buchpreis-Wettbewerb dabei sein wolle. Mutmaßlich ist das so geblieben. Wenn nicht, fehlt Rothmanns herzerfassend-großartiger, von seinen Eltern inspirierter Schicksalsroman „Die Nacht unterm Schnee“ so, dass es weh tut. Das nur zur weiteren Orientierung.