1. FC Kaiserslautern
Tim Breithaupt, der FCK-Strippenzieher aus der Puppenkiste
Es könnte Momente im Spiel gegeben haben, in denen sich die Profis der SV Elversberg gefragt haben mögen, ob dieser Gegenüber im roten Trikot mit der Nummer 16 seherische Fähigkeiten besitzt. Ein nicht abwegiger Gedanke, schließlich war es außergewöhnlich, wie viele Pässe Tim Breithaupt erschnüffelte, erlief, wie viele Zweikämpfe er gewann und wie oft er danach noch kluge Pässe spielte – kleine und große. „Er hatte im Umschaltmoment sehr gute Aktionen“, sagte Trainer Markus Anfang und war um Zurückhaltung bei der Bewertung der Breithauptschen Performance bemüht. Dabei wurde für jeden unter den knapp 50.000 Zusehern offenkundig, dass sein fünfter Auftritt im Dress des 1. FC Kaiserslautern sein bislang bester war.
Es war erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit Breithaupt seinen Job erfüllte. Erstaunlich, weil er vollends ohne Spielpraxis an den Betzenberg gekommen war. Bei Bundesligist FC Augsburg, von dem der FCK ihn geliehen hat, spielte er bei zwei Einsätzen ganze 122 Minuten, und das an den ersten beiden Spieltagen. Seit dem 1. September 2024 fand sich bis zum Jahreswechsel kein weiteres Pflichtspiel in seiner Bilanz. In Kaiserslautern könnte er auf dem Weg zu einem wertvollen Sechser wandeln, auf dem Weg zum Strippenzieher, bei gegnerischen Angriffen wahlweise Strippenzerschneider aus der (Augsburger) Puppenkiste.
Teamkollege Daniel Hanslik formulierte nach der Partie mit einer Prise Humor die Begründung für Breithaupts Abräumqualitäten: „Er hat sehr lange Beine, die gut geeignet zum Führen von Zweikämpfen sind. Damit holt er viele Ballgewinne. Im Training rechnest du oft nicht mehr mit seinem Fuß. Und trotzdem spitzelt er dir irgendwie einen Ball weg.“ Ernster schob Hanslik nach: „Er ist ein super Spieler, ist ballsicher und bringt viel Stabilität. Er ist einfach ein Spielertyp, der uns vielleicht gefehlt hat. Er hat es heute einfach super gemacht.“
Bauers ungewohnte Stockfehler
Der mit Breithaupt ebenfalls im Winter aus Augsburg in die Pfalz transferierte Maximilian Bauer hatte sich gleich von Beginn an als stabile Säule in der Dreierabwehrreihe erwiesen. Im Unterschied zu Breithaupt jedoch bot er beim 1:1 gegen die SV Elversberg seine seither schlechteste Darbietung als Spieler des FCK. Bauer wirkte gerade in der ersten Hälfte sehr fahrig und wenig achtsam, es unterliefen ihm ungewohnte Stockfehler. Markus Anfang ist dies nicht entgangen, gleichwohl rät er, Bauers Vortrag mit Bedacht zu bewerten. „Es gab schon ein paar Situationen, die er besser lösen kann. Ich will jetzt nicht sagen, dass es schlecht war, aber man ist halt gewohnt von ihm, dass er das anders löst“, sagte Anfang.
Bauer habe in Kaiserslautern mit einer „großen Euphorie“, begonnen, weil er sich nach eine Phase mit nur wenig Spielzeit endlich wieder habe beweisen wollen. Entsprechend hoch sei die Konzentration gewesen. Und so könne es halt auch mal sein, dass ein Spieler wie er irgendwann in ein kleines Loch falle. „Zudem war es auch ein schwerer Gegner, das darf man nicht vergessen“, bemerkte der Cheftrainer.
Nicht in einem Loch, in einem tiefen Graben steckte Jean Zimmer. Unter anderem legten ihn Rückenprobleme in der Hinserie wochenlang lahm. Ungeachtet dessen schien es, als sei der Ex-Kapitän bei Markus Anfang bestenfalls zweite Wahl. Im Raum schwebt noch immer die Frage, ob der am Rundenende auslaufende Kontrakt des 31-Jährigen überhaupt verlängert wird.
Zimmer schweigt seit Monaten beharrlich. Dabei wäre es überaus interessant zu erfahren, wie er selbst sich seine Zukunft vorstellt und – vor allem – wie genau er sich in die aktuelle Form trainiert hat. Rank und schlank tauchte Zimmer zum Trainingsstart im neuen Jahr auf, er sprüht nur so vor Energie. Von Frust keine Spur mehr. Aufgrund der Absenz Jan Gyamerahs fungierte Zimmer in den zurückliegenden beiden Partien als rechter Schienenspieler – und überzeugte auf ganzer Linie. „Es ist für jeden zu erkennen, er hat körperlich unheimlich an sich gearbeitet“, sagt Markus Anfang erfreut, „das wirkt sich am Ende auf dem Platz auch aus. Das ist das Leistungsprinzip. Wenn du am Ende Leistung bringen willst, dann musst du eben viel dafür arbeiten. Und das hat er getan.“
