1. FC Kaiserslautern
Schwacher FCK-Auftritt in Paderborn: Die Chance für Marlon Ritter & Co.?
Diese seltsam gehemmte Leistung gab Torsten Lieberknecht Rätsel auf. „Es war eine Top-Trainingswoche, aber vielleicht war da ein Moment, der dazu geführt hat, dass die geistige Frische gefehlt hat. Es hat nichts darauf hingedeutet“, sagte der Trainer des 1. FC Kaiserslautern nach der 0:2 (0:0)-Niederlage beim SC Paderborn am Samstag. Nach überzeugenden Wochen und drei Siegen in Folge waren die Pfälzer in überwunden geglaubte Muster zurückgefallen und hatten ihr Auswärtsgesicht gezeigt. In der Fremde hat der FCK in dieser Saison nur drei von zwölf möglichen Punkten geholt – beim einzigen Auswärtssieg, einem 3:0 in Fürth, spielte der Gegner nach einer Roten Karte in der ersten Minute zudem praktisch das komplette Spiel mit einem Mann weniger.
In Paderborn wirkte Lieberknecht richtig unzufrieden. Er sprach davon, dass keiner seiner Feldspieler die notwendigen „100 Prozent“ erreicht habe, die man benötige, um in der Zweiten Liga in die Nähe von Punkten zu kommen. „Gegen Bochum müssen wir uns anders präsentieren“, forderte der FCK-Coach. Nachdem Lieberknecht zuletzt zweimal einer identischen Startformation das Vertrauen geschenkt hatte, wird sich das Personal gegen den Bundesliga-Absteiger aus dem Ruhrgebiet verändern. Denn Maxwell Gyamfi wird nach seiner Roten Karte in Paderborn fehlen.
Im Idealfall nur ein Spiel Sperre für Gyamfi
Der FCK-Innenverteidiger, in dieser Saison bisher eine feste Größe in der Lauterer Abwehrreihe, wird gegen Bochum auf jeden Fall gesperrt sein. Das DFB-Sportgericht verkündete am Montag noch keine Entscheidung über die Dauer der Sperre Gyamfis – das Strafmaß bei einer „Notbremse“ liegt normalerweise zwischen einem und drei Spielen. Im Idealfall könnte der Lauterer Abwehrmann somit schon direkt nach der Länderspielpause, wenn es am Samstag, 19. Oktober (13 Uhr), im Baden-Pfalz-Derby zum Karlsruher SC geht, wieder mitkicken.
Für das kommende Heimspiel gegen Bochum dürfte der Schweizer Jan Elvedi die wahrscheinlichste Variante als Gyamfi-Ersatz in der Dreierkette sein. In den vergangenen beiden Spielzeiten absolvierte kein FCK-Profi mehr Partien als Elvedi. Doch in dieser Saison kam er bislang in sieben Spielen auf nur 144 Einsatzminuten. Setzt Lieberknecht eher auf Erfahrung oder auf Jugendstil? Dann müsste er Leon Robinson als Gyamfi-Ersatz wählen. Allerdings kam er nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. 90 Minuten stand er in dieser Saison bisher auf dem Platz. Tendenz: Der FCK-Trainer geht gegen Bochum keine Experimente ein und wird auf Routinier Elvedi bauen.
Aber Lieberknecht, der zuletzt das hohe Trainingsniveau lobte, könnte gegen den Vorletzten der Tabelle noch weitere personelle Veränderungen in Erwägung ziehen. Das 20 Jahre alte Lauterer Eigengewächs Mika Haas zum Beispiel erwischte nach guten Auftritten in Fürth (3:0) und gegen Münster (4:1) in Paderborn einen äußerst wackligen Tag. Formschwankungen sind bei jungen Spielern normal, aber auf der linken Außenbahn stünde in Florian Kleinhansl (55 Zweitliga-Einsätze) eine erfahrenere Alternative bereit.
„Auf der anderen Seite war die Jugend heute besser als bei uns. Ich werde aber nicht auf Mika Haas herumreiten“, sagte Lieberknecht auf entsprechende Nachfragen in Paderborn. In der Tat war der talentierte Linksverteidiger bei der 0:2-Niederlage nicht der Einzige im Team des FCK gewesen, der ordentlich unter den eigenen Möglichkeiten blieb.
Profitiert auch Mahir Emreli von der Paderborn-Niederlage?
Das Bochum-Spiel könnte deshalb auch die Chance aufs Startelf-Comeback von Kapitän Marlon Ritter bieten, der seine Reservistenrolle zuletzt nach außen hin klaglos erduldete. Während Fabian Kunze und Semih Sahin trotz eines dürftigen Vortrags beim SCP im zentralen Mittelfeld gesetzt bleiben dürften, könnte Ritter für Naatan Skyttä oder Faride Alidou auf eine offensive Halbposition hinter Mittelstürmer Ivan Prtajin rutschen.
Dass sich beim Topscorer des FCK (fünf Tore/eine Vorlage) in der vergangenen Trainingswoche wieder die Wade meldete und er zur Pause in Paderborn vorsorglich ausgewechselt werden musste, ist indes eine leicht besorgniserregende Nachricht für Lieberknecht. Schon am zweiten und dritten Spieltag war Prtajin mit muskulären Problemen in der Wade ausgefallen.
Vielleicht bekommt Mahir Emreli, der sich zuletzt im Interview mit dieser Zeitung wortreich gegen sein Image als vermeintlicher „Stinkstiefel“ zur Wehr setzte, ja schneller als gedacht die Chance, sich wieder auf dem Platz zu zeigen. Der Aserbaidschaner saß zuletzt viermal in Folge noch nicht einmal auf der Bank. „Ich bin ein Kämpfer, ich will beweisen, dass ich es schaffe und mich durchsetzen kann“, sagte Emreli. Lieberknecht hatte dem technisch beschlagenen Stürmer signalisiert, dass er bei entsprechenden Trainingsleistungen wieder auf Einsatzzeit hoffen kann. „Dass bei mir nie jemand weg ist, zeigen Jungs wie Faride Alidou, Tobi Raschl oder Dickson Abiama. Ich bin brutal sportlich und respektvoll, ich will immer Leistung belohnen“, sagte der FCK-Trainer.
Eine Konstante im Team: Daniel Hanslik
Am gar nicht mehr so fernen Horizont zeichnet sich außerdem ein Comeback ab, das die Qualität in der Lauterer Offensive noch einmal deutlich anheben wird. Angreifer Daniel Hanslik (acht Tore und zehn Vorlagen in der vergangenen Saison) hat seine hartnäckigen Achillessehnenprobleme ausgestanden und soll nach dem Plan des Trainerteams in der zweiwöchigen Länderspielpause vor dem KSC-Spiel endgültig wieder in Spielform gebracht werden. Dann wird Trainer Lieberknecht weitere Härtefallentscheidungen treffen müssen. Doch für Samstag muss er die Startelf ändern. Bleibt er da eher seiner Maxime treu, einer gewissen Achse im Team zu vertrauen und nicht gleich nach dem ersten Spiel die große Personalrochade zu starten? Oder nutzt er die Eindrücke aus der Paderborn-Partie, um frische Impulse gegen Bochum zu setzen?
