1. FC Kaiserslautern
Matthias Lust: Der neue Co-Trainer des FCK im Porträt
Matthias Lust beantwortete die Frage von Friedhelm Funkel mit einer Gegenfrage. „Wie kommst du ausgerechnet auf mich?“, wollte Lust am Abend des 14. Februar wissen. Funkel hatte Lust angerufen, um ihn als seinen Assistenten beim FCK zu gewinnen. Die Anfrage kam sehr überraschend für Lust. Aber er musste nicht lange darüber grübeln. „Ich habe mich direkt während des Telefonats dafür entschieden. Ich sagte, wenn es denn so kommt, packe ich sofort meine Koffer und fahre los.“ Gut sechs Stunden später traf der 53 Jahre alte Matthias Lust in Kaiserslautern ein. Er hat seinen Lebensmittelpunkt in München.
Matthias Lust ist ein Mensch, der viel lacht. Seine Grübchen verraten dies. Im RHEINPFALZ-Gespräch kommen diese Grübchen häufig zum Vorschein. Auch wenn die Lage beim derzeit abstiegsgefährdeten 1. FC Kaiserslautern angespannt und prekär ist, verliert Matthias Lust nicht die Freude fürs Leben, den Spaß am Beruf. 27 Mal spielte er in der Bundesliga, unter anderem für den Karlsruher SC, den 1. FC Saarbrücken, den VfL Bochum und die SpVgg Unterhaching. 303 Zweitliga-Einsätze kommen hinzu, einige davon für den SV Waldhof Mannheim, die meisten aber für Unterhaching. Dort blieb er dann sesshaft.
Die SpVgg war seine erste Trainerstation, erst in der Jugend, später als Co-Trainer von Ralph Hasenhüttl und Klaus Augenthaler. „Mit Klaus Augenthaler habe ich noch Kontakt, mit Ralph Hasenhüttl leider nicht. Jeder Trainer prägt einen, sei es negativ oder positiv. Das gilt für die Trainer, mit denen ich zusammengearbeitet habe oder unter denen ich als Fußballer spielte. Hinzu kommen die Trainer, die ich während Kongressen kennengelernt und die ich während meiner aktiven Zeit als Trainer getroffen habe. Da ist mein Entwicklungsprozess nie abgeschlossen“, erzählt Lust.
Mit Hengen und schuster beim Trainerlehrgang
Matthias Lust war in Bochum und Dresden Co-Trainer im Profiteam und gleichzeitig Cheftrainer der U19, weil ihn die Arbeit in den Nachwuchsleistungszentren reizt. 2007 absolvierte er den Lehrgang zum Fußball-Lehrer – zusammen mit FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen und Ex-FCK-Trainer Dirk Schuster. Bei Trainerkongressen und Fortbildungen liefen sich Schuster, Hengen und Lust immer mal wieder über den Weg. Das war auch bei Friedhelm Funkel so. Funkel wollte Lust 1998 schon als Spieler zum MSV Duisburg holen. „Er hatte sich aber für den VfL Bochum entschieden. Eigentlich hätte ich ihn jetzt für das Engagement beim FCK gar nicht anrufen dürfen, da er mir damals einen Korb gegeben hatte“, scherzte Funkel.
Funkel aber rief Lust an – und zwar ganz bewusst. Denn Lust ist ein korrekter, feinfühliger, emphatischer Mensch, sagt Funkel. Jemand, der seine Kompetenz in der Menschenführung hat. „Der Hauptbestandteil eines Trainers besteht für mich aus der Kommunikation mit seinen Mitarbeitern und seiner Mannschaft. Man kann vieles dokumentieren, vieles auswerten. Aber es ersetzt nicht das Gespräch und die Interaktion mit den Menschen“, sagt Lust.
Darauf kommt es aktuell beim FCK an. Die Situation ist vertrackt. Der Verein kämpft gegen den Abstieg. Am Samstag kommt es in Rostock zum direkten Aufeinandertreffen zweier verunsicherter Mannschaften (13 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de). Das Team des FCK scheint nicht mehr eine eingeschworene Einheit zu sein. Da braucht es nun erfahrene Persönlichkeiten. Menschen, mit pädagogischem Einfühlungsvermögen. „Wir müssen die Spieler in eine Stimmung versetzen, mit der die Leistung möglich ist, die wir in Rostock auf den Platz bringen müssen. So eine Niederlage wie gegen den KSC dürfen wir uns nicht mehr erlauben“, sagt Lust.
Ein Ruhepol in Krisenzeiten
Eine Mischung aus Fingerspitzengefühl, psychologischem Feingefühl, aber auch ein Stück weit die harte Linie sind jetzt gefragt. Das hat Cheftrainer Funkel am Donnerstag durchblicken lassen. Wer nicht mitziehe, der bleibt zu Hause, sagte Funkel. Diesen Satz hörte Matthias Lust. Denn während der Pressekonferenz zum Spiel in Rostock saß der gebürtige Esslinger im Medienzentrum, um den Worten seines Trainer zu lauschen – und weil er pünktlich, in diesem Fall überpünktlich zum Gespräch mit der RHEINPFALZ erschienen war. Auch das sagt vieles über den Menschen Lust aus. Im Interview lacht er viel. Er begegnet einem mit Respekt, mit Höflichkeit. In Krisenzeiten ist es wohltuend, einen erfahrenen Ruhepol als Führungsperson zu haben. Matthias Lust bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Er ist ein Mensch, der gerne und viel reist, der unter anderem in Hongkong und in Südafrika war, gerne auf Ibiza ausspannt.
Auf der Insel im Mittelmeer wird Lust frühestens im Juni Kraft tanken und Sport treiben können. Beim Laufen schüttelt er den Stress ab. Das Engagement bei den Roten Teufeln ist vorerst bis Saisonende begrenzt. Das hat Funkel so kommuniziert. Das gilt auch für Matthias Lust, sagt er. Was danach kommt, wisse er noch nicht. Was er aber weiß, ist: „Ich fühle mich bei den Profis als Co-Trainer wohler. Ich bin eher der Zuarbeiter, als jemand, der in vorderster Reihe steht.“
