1. FC Kaiserslautern
Friedhelm Funkel: Das Ende der Legende
Das Protokoll in der Pressekonferenz des 1. FC Kaiserslautern wurde extra geändert. Schließlich wurde eine bedeutende Nachricht verkündet. Normalerweise werden zunächst die verkauften Karten für das bevorstehende Spiel und die verletzten Spieler mitgeteilt.
Am Freitag aber war es anders. Cheftrainer Friedhelm Funkel bekam das erste Wort. Der 70 Jahre alte Fußball-Lehrer wird nach der Saison den FCK verlassen. Das hatte der Klub wenige Minuten zuvor auf den Vereinskanälen verkündet. Nun durfte Funkel die exklusive Bühne nutzen, um diese Entscheidung zu erläutern.
„Wir haben gestern ein Gespräch geführt und ich habe gesagt, dass ich nicht mehr weitermachen möchte. Ich habe viel Kraft hier gelassen und brauche jetzt ein wenig Erholung, um zu Kräften zu kommen“, sagte Funkel. Seine persönliche Entscheidung, den Verein zu verlassen, stand offenbar schon länger fest. Nach der Niederlage am Samstag in Berlin deutete Funkel dies an.
Das Ende Funkels kommt nicht unerwartet – und auch der Zeitpunkt nicht. Er selbst hatte bei seinem Amtsantritt gesagt, dass die Mission bis zum Saisonende befristet ist. Der Zeitpunkt, seinen Abschied zu verkünden, ist gut gewählt – ob beabsichtigt oder nicht. Nun bekommt Retter Funkel eine große, eine emotionale Bühne am Sonntag auf dem Betzenberg. Das Fritz-Walter-Stadion wird wohl ausverkauft sein. 47.827 Karten wurden bislang verkauft. Die Zuschauer werden den Grandseigneur der deutschen Trainer würdevoll und empathisch verabschieden. Funkel hat das geschafft, woran offenbar nicht jeder im Verein geglaubt hat: Er hat den Abstieg verhindert. Er geht als Legende. Funkel hat intern durchgegriffen, unpopuläre Entscheidungen gefällt und eckte dadurch an. So soll er mit Geschäftsführer Thomas Hengen nicht immer auf einer Wellenlänge gelegen haben. Funkel würde das aber nie öffentlich äußern. Er betonte immer wieder, dass er niemanden „öffentlich an die Wand nageln“ würde. Das schließt aber nicht aus, dass er intern den Entscheidungsträgern in den verschiedenen Gremien die Missstände offenbarte.
Denn nicht alles lief beim FCK zuletzt so wie es sollte. Die Mannschaft war kein Team, vielmehr eine Ansammlung von Ich-AGs, Egozentrikern. Selbst Thomas Hengen platzte nach dem Spiel in Berlin am Samstag der Kragen. Er sagte der RHEINPFALZ am Sonntag: „Es geht nicht um das Ego, es geht um den Verein. Es ist mir zu viel ich, ich, ich.“ Funkel drückte es gestern diplomatisch aus. „Die Arbeit mit der Mannschaft war anstrengend und nicht immer einfach. Es war zu unruhig in der und um die Mannschaft herum“, sagte er. Deshalb sorgte Funkel für Ruhe – auf seine Art. Es sind manchmal die Worte zwischen den Zeilen, die auf gewisse Gegensätzlichkeiten hindeuten. „Ich weiß, ich werde einige traurige Gesichter hier verlassen, doch der andere sagt: Gut, der eine kommt, der andere geht, das ist völlig normal“, sagte Funkel. Oder: „Zwischendurch waren wir immer mal verschiedener Meinung.“
Doch für Funkel zählen die positiven Aspekte. Der FCK sei eine Herzensangelegenheit gewesen. Er habe in der Stadt unfassbar freundliche Menschen getroffen, sagte er. Daher schließt Funkel nicht aus, irgendwann in einer anderen Funktion zum FCK zurückzukommen – aber eben nicht mehr als Trainer. „Wir haben alle zusammen das Ziel erreicht, wir gehen wirklich im Guten auseinander, da bleibt überhaupt nichts hängen“, beteuerte Funkel.
Die Entscheidung, den Verein zu verlassen, mit dem Funkel in den 1980er Jahren unglaubliche Erfolge gefeiert hatte, fiel ihm nicht leicht. „Es hat mich bewegt. Mir gefällt alles hier, Es hat mir viel Spaß gemacht, aber ich habe nicht gut geschlafen wegen der Entscheidung. Ich war hin- und hergerissen. Es gab zwischendurch den Moment, meine Zeit zu verlängern, aber vielleicht wäre das für meinen Gesundheitszustand nicht förderlich gewesen. Als wir die Ziele erreicht haben, habe ich mit dem Gedanken begonnen, aufzuhören.“
Friedhelm Funkel hat in seiner kurzen Zeit beim FCK einen wichtigen Punkt angestoßen. Er hat junge Spieler zu den Profis geholt. Linksaußen Shawn Blum (21) und Abwehrspieler Leon Robinson (22) trainierten immer mal wieder mit bei den Zweitliga-Profis. Gut möglich, dass Blum im letzten Saisonspiel gegen Braunschweig (Sonntag, 15.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de) von Beginn an spielen wird.
Dagegen fallen Ben Zolinski (Bänderdehnung im Knie), Ragnar Ache (schöpferische Pause), Jan Elvedi (Wadenprobleme) und Jean Zimmer (Gelbsperre) aus. Daniel Hanslik und Filip Kaloc stehen in der Startelf, sagte Funkel. Auch Kevin Kraus soll in seinem letzten Spiel für den FCK nochmals eine Bühne bekommen.
