1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel FCK-Zugang Frank Ronstadt: Eine Frage des Glaubens

Das Glas ist halbvoll: FCK-Neuzugang Frank Ronstadt.
Das Glas ist halbvoll: FCK-Neuzugang Frank Ronstadt.

Frank Ronstadt glaubt an Gott – und eine gute Zukunft beim 1. FC Kaiserslautern. Er scheut sich nicht vor einer besonderen Herausforderung.

Frank Ronstadt ist ein Mann des Ausgleichs, kein Mensch, der scharfe Töne anschlägt oder polarisieren möchte. Der Neuzugang des 1. FC Kaiserslautern ist in Hamburg geboren, und wer aus der Hansestadt stammt und irgendeinen Bezug zum Fußball hat, kommt um eine Glaubensfrage nicht herum. HSV oder St. Pauli?

Ronstadt musste lächeln, denn er ahnte sicher, dass diese Frage irgendwann gestellt werden würde, als er sich in einem gemütlichen Sessel im Loungebereich des Teamhotels des FCK niedergelassen hatte. In Belek bereitet sich der 26-Jährige mit seinen neuen Mannschaftskameraden auf den zweiten Teil der Saison vor, bis kommenden Mittwoch werden noch Grundlagen gelegt, damit der Zweitligist die Rückrunde erfolgreicher absolviert als den ersten Teil der Spielzeit. Der Defensivspieler ist deshalb zu den Roten Teufeln gewechselt, er kam pünktlich zum Auftakttraining der Pfälzer am 2. Januar vom Bundesligisten SV Darmstadt 98.

Keine Festlegung in der Fanfrage

„Ich lege mich da nie fest, weil ich für beide Vereine gespielt habe“, sagt Ronstadt zur Hamburger Fanfrage. Als Junge kickte er für den FC St. Pauli, ehe er in der U17 zum HSV wechselte. Ronstadt kennt beide Welten der traditionsreichen Klubs in der Hansestadt und ist schlau genug, sich nicht zu positionieren. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass er die Welt positiv sieht. Wenn ein Wasserglas zur Hälfte gefüllt ist, nennt er es halbvoll. So sieht er das – und spricht von einer großen Quelle der Kraft.

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„Wir stehen im Leben vor vielen Herausforderungen, es herrscht viel Chaos. Da immer die Ruhe zu bewahren, ist nicht einfach, wenn der Halt fehlt“, sagt Ronstadt. Er hat seinen Halt bei Gott gefunden, er ist gläubiger Protestant. „Mein Glaube ist mein Fixpunkt, er gibt mir Kraft und Ruhe“, sagt er. Den Zugang zur Kirche fand er durch die Familie und entwickelte die Beziehung mit den Jahren immer weiter. Sie wurde intensiver und hilft ihm, mit den kleinen und großen Rückschlägen des Lebens klarzukommen. „Im Sportlerleben geschehen oft Dinge, die nicht schön sind. Da kann die Gefahr bestehen, dass man depressiv wird. Mir hilft mein Glaube, weil ich weiß, dass der Herr immer einen Plan für mich hat. Jetzt hatte er den Plan, dass ich zum FCK wechsle“, berichtet der Neue beim 1. FC Kaiserslautern.

„Wir haben viel gesprochen“

Wie groß der Einfluss einer höheren Macht war, dass sich die Verantwortlichen des FCK bei dem Profi meldeten, wird nie bewiesen werden können, weshalb es sich um einen Glauben handelt. Fakt ist aber, dass die Bosse der Lauterer Eindruck hinterließen und Ronstadt mit ihrer Entschlossenheit überzeugten, von Darmstadt aus weiter in den Südwesten der Republik zu ziehen. „Es gab Telefonate, Treffen, wir haben viel gesprochen. Die Gespräche waren richtig, richtig gut“, beschreibt er das Zustandekommen des Transfers. In Darmstadt hatte er in der Bundesliga-Hinrunde kaum gespielt, insgesamt stand er bei vier Einsätzen nur 72 Minuten auf dem Platz. Das war zu wenig, um den Ehrgeiz von Ronstadt zu befrieden, weshalb er einem Transfer gegenüber aufgeschlossen war.

Die Entscheidungsfindung, dass der FCK die richtige Adresse für seine Profilaufbahn ist, war Ende des Jahres abgeschlossen. „Ich habe mich etwas zurückgezogen und mit meiner Familie gesprochen. Danach ging es schnell, weil ich der Entscheider bin und es zählt, wie mein Gefühl ist. Ich hatte ein Supergefühl, deshalb wollte ich das auf jeden Fall machen“, sagt Ronstadt, der Zufriedenheit ausstrahlt, gerade in Belek im Trainingslager zu sein – und nicht mit einem anderen Klub anderswo zu trainieren. Er freut sich auf die Herausforderung, die eine besondere ist.

Frank Ronstadt bei einer Trainingseinheit in Belek.
Frank Ronstadt bei einer Trainingseinheit in Belek.

Seine Hauptposition ist die des rechten Verteidigers. Der FCK war sein Wunschziel, obwohl er sich voraussichtlich mit dem Kapitän und Publikumsliebling Jean Zimmer um den Platz in der Stammformation wird balgen müssen. Es gibt einfachere Aufgaben, schließlich dürfte Zimmer mit einem kleinen Vorsprung in das Duell gehen. „Ich gehöre zu den Leuten, die sich nicht groß Gedanken machen. Ich kenne mich und meine Qualitäten und möchte den Konkurrenzkampf beleben“, sagt er selbstbewusst, ohne dabei überheblich zu wirken. Er macht deutlich, dass er ein gutes Ergebnis für alle haben möchte: „Letztlich geht es darum, dass wir als Mannschaft Erfolg haben und ich versuche, meinen Teil beizutragen. Unabhängig davon, wie viele Minuten ich auf dem Platz stehe. Ich werde immer alles raushauen.“

Der Betzenberg ist atemberaubend

Profis mit einer solchen Einstellung mögen die Fans der Roten Teufel – und Ronstadt mag das, was sie entfachen. „Ich habe gegen den FCK auf dem Betzenberg gespielt, das war atemberaubend. Da kommt richtig Stimmung auf, da ist Wucht dahinter. So etwas muss dir Energie geben“, erzählt der Verteidiger und seine Augen leuchten dabei.

Das erste Heimspiel für den neuen Arbeitgeber steht gegen den FC Schalke 04 an. Ronstadt kann sich freuen, das Fritz-Walter-Stadion dürfte ausverkauft sein. Er wird alles für den FCK geben, wenn er auf dem Platz stehen darf. In der Pfalz muss er sich im Gegensatz zu seiner Heimatstadt Hamburg nicht zwischen zwei großen Klubs entscheiden. Für die meisten Menschen zählt nur der FCK.

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