FCK-Kolumne
Böhms Betze: 1825 Tage, das wäre mal ein Anfang, Herr Anfang
Erich Ribbeck. Wann immer ich diesem Namen begegne, schießt mir sofort das folgende Bild durch den Kopf: „Sir Erich“, neben ihm der damalige DFB-Präsident Egidius Braun und im groß karierten Anzug ein gewisser Uli Stielike, der von sich behaupten wird, „net bloß zum Hütsche-Uffstelle“ Ribbecks Co-Trainer geworden zu sein. Man schrieb den 9. September 1998, als das Dreigestirn zusammentrat und von großen Taten der deutschen Nationalmannschaft kündete. Tatsächlich aber folgten zwei miserable Jahre, „gekrönt“ von den Offenbarungseiden bei der Europameisterschaft 2000, die in Ribbecks Rücktritt mündeten. Seine Amtsperiode währte nicht mal zwei Jahre, 651 Tage, um genau zu sein. In der Nachkriegszeit sollte dies bislang die kürzeste aller deutschen Teamchefs sein.
Völlig anders verhält es sich bei Gentleman Ribbeck („Konzepte sind Kokolores“, „Bei uns wird auf dem Platz wenig gesprochen, das könnte an der Kommunikation liegen“) mit Blick auf den 1. FC Kaiserslautern, denn bei den Roten Teufeln schlenkerte der mittlerweile 87-jährige Wuppertaler vom 1. Juli 1973 bis zum 30. Juni 1978 das Zepter. 1825 Tage lang. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist dies die zweitlängste Phase. Richard Schneider amtierte von 1950 bis 1961 stattliche 4017 Tage, er verantwortete die deutschen Meistertitel 1951 und 1953. Im Bezug zur Neuzeit sind dies Streichsche Dimensionen. Kalli Feldkamp verbrachte während seiner ersten Zeit als Trainer des FCK (1978 bis 1982) 1460 Tage am Betzenberg, in seiner zweiten (1990 bis 1992) immerhin noch 853.
Kurzarbeiter an der Linie
Die letzten Übungsleiter des Klubs können davon nur träumen. Grammozis (72), Schuster (568), Antwerpen (463), Saibene (120), Schommers (376) oder Hildmann (282) waren im Vergleich dazu wahre Kurzarbeiter. Frontzeck (303), Strasser (126), Meier (260), Korkut (179) oder Fünfstück (240) reihten sich in diese Riege ein.
Am nächsten kommt Ribbeck Otto Rehhagel mit 1534 Tagen. Der letzte Fußball-Lehrer, der die 1000-Tage-Marke überbot, hieß Marco Kurz (1005). Kontinuität bleibt beim FCK seit vielen Jahren eine vage Hoffnung. An eine Ära mag gar niemand mehr glauben. Ob Markus Anfang eine solche begründen kann?
Unser Autor
Andreas Böhm, 57, war einst Fan der Generation „Willst du bequem nach Hause laufen, musst du Roschy-Schuhe kaufen“. Seit 1995 ist er zum Glück der journalistischen Neutralität verpflichtet; seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
