Unternehmen
Bei Airbus wird das Kriegsbeil begraben
Die finale Runde hatte es in sich. „Wir haben 18 Stunden durchverhandelt, es war eine harte Auseinandersetzung“, sagt der übernächtigt wirkende IG Metall-Chef Küste, Daniel Friedrich. Kurz zuvor haben er und Airbus-Manager in Hamburg die Ergebnisse ihrer Gespräche schriftlich besiegelt. Sie betreffen derzeit über 25.000 hierzulande beim Luft- und Raumfahrtkonzern Beschäftigte, für die nun nicht nur bis Ende 2030 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. Zudem sind alle acht deutschen Standorte bis dahin gesichert. Ein Aufbau von gut 3000 bis gut 4000 Stellen steht außerdem bevor, um den Hochlauf der Flugzeugproduktion, nach pandemiebedingter Notbremsung zu sichern.
Verkauf der Kleinteilefertigung
Auch für den Bau von Kleinteilen wurde eine Lösung gefunden. Der ist in den Werken der heutigen Airbus-Tochter Premium Aerotec im bayerischen Augsburg und niedersächsischen Varel mit zusammen 3500 Arbeitsplätzen konzentriert, wofür es nun einen potenziellen Käufer gibt. Das ist der unter dem Markennamen Mubea firmierende Autozulieferer Muhr und Bender aus Nordrhein-Westfalen. Der familiengeführte Mittelständler beschäftigt weltweit rund 14.000 Mitarbeiter und will sich ein zweites Geschäftsfeld in der Flugzeugindustrie aufbauen.
Mubea wolle sowohl im Automobilbau als auch in der Flugzeugbranche wachsen und bringe dadurch neue Arbeitspakete für die Beschäftigten von Premium Aerotec in Augsburg und Varel mit, was deren Arbeitsplätze sicherer mache, sagte Airbus-Konzernpersonalleiter Lars Immisch. Auch Betriebsräte und Gewerkschafter schätzen, dass die Jobs in Augsburg und Varel damit sicherer sein könnten als bei einem Verbleib unter dem Airbus-Dach. Der ist zwar als Plan B nicht vom Tisch, falls die Gespräche mit Mubea scheitern sollten. Aber derzeit stehen die Zeichen auf Übernahme.
„Rolle Deutschlands bei Airbus gestärkt“
Damit ist auch der Weg für Größeres frei. Denn der Streit um die Zukunft der Kleinteilefertigung hatte die Neuordnung des Airbus-Werksverbunds in Deutschland blockiert, der bei Airbus in Frankreich längst beschlossen ist. Dort hat mit Jahresbeginn eine neue Konzerntochter zur Montage von Flugzeugrümpfen namens Airbus Atlantic den Betrieb aufgenommen, dem nun Anfang Juli 2022 eine entsprechende Einheit in Deutschland folgen soll. In diesen neuen zum Kerngeschäft zählenden Werksverbünden diesseits und jenseits des Rheins will Airbus bis 2035 das emissionsfreie Flugzeug der Zukunft entwickeln und bauen. Die Vereinbarung stärke die Rolle Deutschlands innerhalb von Airbus in Europa auf Jahrzehnte, sagte Airbus-Finanzchef Dominik Asam.
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