Landau
Literarischer Verein widmet Autorin Katrin Sommer ein eigenes Buch mit Kurzgeschichten
In 14 unterschiedlich langen Geschichten erzählt Katrin Sommer in dem Band „Das Gewicht von Badeschaum“ von der Leichtigkeit und Schwere des alltäglichen Lebens. Streit und Versöhnung, Trauer und Hoffnung sind zentrale Themen der studierten Psychologin.
Sommer schafft mit ihrer poetischen Sprache eine sinnliche, in einigen Momenten auch erotische Atmosphäre. Besonders gelingt ihr das in der Titelgeschichte und in „Frischling“. Behutsam erzählt sie hier vom ersten Begehren zweier Jugendlicher bei einer Klassenfahrt auf Sylt. Viele Jahre später treffen sich die beiden Protagonisten bei einem Klassentreffen wieder und blicken auf diesen berührenden Augenblick zurück.
Unter Gleichgesinnten Mut gefasst
Dann wieder gibt es Geschichten mit einfachen, klaren, kurzen Sätzen. Mit ihnen beschreibt Sommer zum Beispiel die kalte Atmosphäre einer Schulstunde – erzeugt durch den Mathematiklehrer, der Freude daran hat, mit den Schwächen und Ängsten seiner Schülerinnen zu spielen, bis eine ihm den Spiegel vorhält.
Sommers Erzählungen laden zum gemütlichen Lesen ein. Vielleicht auch, weil sie sich selbst eher als ambitionierte Leserin denn als Schriftstellerin sehe, erzählt sie. Geboren im niedersächsischen Delmenhorst kam sie Anfang der 80er-Jahre zum Studium nach Landau und blieb – der Liebe wegen. Sie lese selbst viel, sagt sie, und irgendwann hat sie angefangen, eigene Erlebnisse aufzuschreiben. Vor gut drei Jahren kam sie zu den Worthelden, der Landauer Gruppe des Literarischen Vereins, die sich heute Wortschatz nennt. Die Mitglieder lesen sich gegenseitig Texte vor und kommentieren sie. So hat Sommer Mut gefasst, mehr zu schreiben.
Mit Kopfhörer und Augenmaske auf Recherche
Für eine ihrer Geschichten hat Sommer mit Kopfhörer und Augenmaske nachgespürt, was ein Mensch, der weder sehen noch hören kann, die Welt empfindet. Aus dieser Erfahrung hat sie den taub-blinden Nick ersonnen, der von seiner Assistentin Mia begleitet, seinen Lebensweg ertastet.
Eine andere Geschichte erzählt von der Mutter zweier Kinder, die wenige Stunden vor dem Abflug in den Urlaub ihren Mann verlässt. Während er die Schwierigkeiten des Alltags mit zwei kleinen Kindern im Urlaub hautnah erfährt, lässt sie die Ehejahre Revue passieren und genießt es, vom Nachbarn begehrt zu werden.
Manche Erzählungen sind Auftragsarbeiten
„Der Auftrag“ ist für eine Veranstaltung zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz entstanden und befasst sich mit dem Nazi-Terror. Auch die Geschichte des siebenjährigen Tanztalents Malcolm O’Connor, die im irischen Touristenort Dingle spielt, ist eine Auftragsarbeit. Sie sollte Atmosphäre bei einem irischen Abend schaffen, der jedoch in den Lockdown fiel. Auch 16 Gedichte finden sich in dem Buch.
Sommer hat Potenzial, wie dieses Buch beweist. Wenn es ihr gelingt, die Dramaturgie ihrer Geschichten zurückhaltender zu entwickeln, dann werden sie überzeugender: Allzu starke Dramatisierung erhöht nicht die Spannung, sondern eher den Zweifel bei den Lesenden.