Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Literarischer Verein widmet Autorin Katrin Sommer ein eigenes Buch mit Kurzgeschichten

Schriftstellerei gehörte eigentlich nicht zu ihrem Masterplan: Katrin Sommer.
Schriftstellerei gehörte eigentlich nicht zu ihrem Masterplan: Katrin Sommer.

„Wie schwer ist Badeschaum?“ 0,00000000000013 Gramm, meint Mia, eine zentrale Figur in Katrin Sommers Kurzgeschichte, die dem neuen Buch des Literarischen Vereins seinen Namen gegeben hat. Eigentlich erscheint jedes Jahr eine Anthologie der regionalen Szene. Doch diesmal stammen alle 14 Geschichten von der 59-jährigen Landauer Autorin.

In 14 unterschiedlich langen Geschichten erzählt Katrin Sommer in dem Band „Das Gewicht von Badeschaum“ von der Leichtigkeit und Schwere des alltäglichen Lebens. Streit und Versöhnung, Trauer und Hoffnung sind zentrale Themen der studierten Psychologin.

Sommer schafft mit ihrer poetischen Sprache eine sinnliche, in einigen Momenten auch erotische Atmosphäre. Besonders gelingt ihr das in der Titelgeschichte und in „Frischling“. Behutsam erzählt sie hier vom ersten Begehren zweier Jugendlicher bei einer Klassenfahrt auf Sylt. Viele Jahre später treffen sich die beiden Protagonisten bei einem Klassentreffen wieder und blicken auf diesen berührenden Augenblick zurück.

Unter Gleichgesinnten Mut gefasst

Dann wieder gibt es Geschichten mit einfachen, klaren, kurzen Sätzen. Mit ihnen beschreibt Sommer zum Beispiel die kalte Atmosphäre einer Schulstunde – erzeugt durch den Mathematiklehrer, der Freude daran hat, mit den Schwächen und Ängsten seiner Schülerinnen zu spielen, bis eine ihm den Spiegel vorhält.

Sommers Erzählungen laden zum gemütlichen Lesen ein. Vielleicht auch, weil sie sich selbst eher als ambitionierte Leserin denn als Schriftstellerin sehe, erzählt sie. Geboren im niedersächsischen Delmenhorst kam sie Anfang der 80er-Jahre zum Studium nach Landau und blieb – der Liebe wegen. Sie lese selbst viel, sagt sie, und irgendwann hat sie angefangen, eigene Erlebnisse aufzuschreiben. Vor gut drei Jahren kam sie zu den Worthelden, der Landauer Gruppe des Literarischen Vereins, die sich heute Wortschatz nennt. Die Mitglieder lesen sich gegenseitig Texte vor und kommentieren sie. So hat Sommer Mut gefasst, mehr zu schreiben.

Mit Kopfhörer und Augenmaske auf Recherche

Für eine ihrer Geschichten hat Sommer mit Kopfhörer und Augenmaske nachgespürt, was ein Mensch, der weder sehen noch hören kann, die Welt empfindet. Aus dieser Erfahrung hat sie den taub-blinden Nick ersonnen, der von seiner Assistentin Mia begleitet, seinen Lebensweg ertastet.

Eine andere Geschichte erzählt von der Mutter zweier Kinder, die wenige Stunden vor dem Abflug in den Urlaub ihren Mann verlässt. Während er die Schwierigkeiten des Alltags mit zwei kleinen Kindern im Urlaub hautnah erfährt, lässt sie die Ehejahre Revue passieren und genießt es, vom Nachbarn begehrt zu werden.

Manche Erzählungen sind Auftragsarbeiten

„Der Auftrag“ ist für eine Veranstaltung zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz entstanden und befasst sich mit dem Nazi-Terror. Auch die Geschichte des siebenjährigen Tanztalents Malcolm O’Connor, die im irischen Touristenort Dingle spielt, ist eine Auftragsarbeit. Sie sollte Atmosphäre bei einem irischen Abend schaffen, der jedoch in den Lockdown fiel. Auch 16 Gedichte finden sich in dem Buch.

Sommer hat Potenzial, wie dieses Buch beweist. Wenn es ihr gelingt, die Dramaturgie ihrer Geschichten zurückhaltender zu entwickeln, dann werden sie überzeugender: Allzu starke Dramatisierung erhöht nicht die Spannung, sondern eher den Zweifel bei den Lesenden.

Lesezeichen

Katrin Sommer: „Das Gewicht von Badeschaum“, hrsg. Literarischer Verein der Pfalz, Wellhöfer-Verlag, Mannheim 2020, 12 Euro.
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