Kultur Südpfalz Spiel mit dem Geist

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Die Farbe des Hemdes: weiß, der Tischdecke: weiß. Klar! Und was trinkt die Kuh: Milch!? Gleich zu Anfang seiner Show führte der Magier und Geistermeister Radalou im Haus am Westbahnhof in Landau seine Gäste direkt aufs Glatteis. Die nehmen es amüsiert auf und freuen sich, von dem freundlichen Herrn mit französischem Akzent in die Welt des Geheimnisvollen und Unergründlichen entführt zu werden.

Monsieur Radalou blickt fast gütig über seine goldene Nickelbrille und erzählt in seinem Programm von Hirngespinsten in den Köpfen der Menschen, die er mit gerufenen Geistern vergleicht. Assoziationen und Alltags-Mechanismen, die jeder irgendwo in seinem Hirn abgespeichert hat, kommen mit ihm zu Tage. Eine junge Dame namens Melinda stellt sich auf Anfrage der Bühnen-Herausforderung. Trotz großer Aufregung lässt sie sich auf das Spiel der Hypnose und Telepathie ein – und Radalou in ihre Gedanken. Nach kurzer Ansprache scheinen beide einen „heißen Draht“ zueinander zu haben. Sie verliert den „Halt“ und kippt beinah nach hinten um. Das verwirrt nicht nur sie, auch das Publikum ist etwas irritiert, aber ziemlich begeistert. Die telepathischen „Spiele“ mit dem Publikum hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Da liegt das von einem Herrn ausgesuchte Symbol schon längst als Duplikat in einem verschlossenen Umschlag in den Händen des Probanden. Faszinierend auch das Spiel mit den Kugeln. Mentalmagier Radalou wählt fünf Kandidaten aus, die er zum Lügen auffordert und vergibt Kugeln, darunter eine schwarze. Die gilt es nun herauszufinden. Mit verführerischer Manipulation, feiner Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis gelingt es ihm natürlich. Ziemlich interessant auch das Erfahren der Wörter durch den Magier, die sich in den Köpfen der Menschen verbergen. Eine Dame merkt sich ein langes Wort aus einem Buch und versucht nun ihm mit Augenkontakt ohne Lippenbewegung das Wort zu transferieren. Radalou ist gefordert und nach zwei Anläufen schreibt er das gesuchte Wort „Computerspezialist“ auf eine Tafel. Schwer beeindruckt und erstaunt entlässt er seine Gäste zu einer erholsamen Pause, in der das Erlebte intensiv diskutiert wird. Ergebnis allerdings nur reines Kopfschütteln und noch mehr Fragen nach dem: Wie hat er’s nur gemacht? Danach wird die Welt der Magie zu einer dunklen Seite der Macht. Nicht nur durch Kerzenschein wird dies deutlich. Man erkennt dies auch an den Geschichten von Madame Duvroux und ihren geheimnisvollen konspirativen Treffen im Hinterzimmer, sogenannte schwarzen Séancen. Sie lassen einem ein Kribbeln über den Rücken laufen. So verbiegt sich ein Stiel-Glas durch die telepathischen Gedanken eines Zuschauers und der elfjährige Konrad findet das von ihm Gesagte auf einem Zettel niedergeschrieben vom Herrn der Phänomene. Auch folgt jeder im Saal staunend und mucksmäuschenstill den imaginären Wanderungen durch Wälder, in Gärten und Räumlichkeiten, so wie den Begegnungen im Saal von Wesen aus dem Totenreich. Geisterwege werden da betreten, die faszinierend und eindrucksstark in eine andere Welt führen. Radalou verführt und verzaubert durch eine besondere Kunst. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch in seinem Spuktheater. Eben Hirngespinste oder besser: Radalou spielt mit dem Geist. (alve)

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