Speyer
Speyer: Die 90-jährige Katharina Magdalena Mattich liest aus ihren literarischen Werken
Zum 90. Geburtstag von Katharina Magdalena Mattich hatte die Autorengruppe Spira der Sektion Speyer des Literarischen Vereins der Pfalz in das Weinstudio von Rolf Klein am Königsplatz am Sonntag eingeladen. Bei Sekt, Wein und köstlichen Snacks für die Gäste las die lebenskluge Literatin in einer fast familiären Atmosphäre aus ihren Werken.
Zuvor wurde sie von den Vereinsvorsitzenden als Mitglied und für ihre jahrelange Treue geehrt. Mattich war für die Autorengruppe immer Inspiration mit ihrer fröhlichen, aufgeschlossenen und mütterlichen Art. Ihre Arbeiten sind geprägt von Kindheitserinnerungen, von Krieg, schlimmen Nachkriegserlebnissen und mehrfachem Wechsel der Heimat.
Schmerz in Schönheit verwandeln
„Literatur ist immer ein Versuch, den Schmerz in Schönheit zu verwandeln“, zitiert sie Lukas Bärfuss, und sie fügt ihren Wunschtraum aus eigener Feder an: „Ich möchte ein Baum sein in der Urzeit – stark sein und stolz – aus anderen Welten – im Ursonnensystem – ich wollte, ich wär ein Baum in der Urzeit – mein Traum“.
Der Baum ist ihr Lebenszeichen und prägt Gedichte und Prosa. Bäume bieten Schutz, man kann sie umarmen, sie fügen niemandem Schmerzen zu und bieten sich sogar manchmal als Versteck an, erklärte sie den Zuhörern. Intensiv beobachtet sie die Natur und setzt diese im Kontext zu ihren Erfahrungen nach 1945, als „alle Brunnen verschüttet, Quellen und Flüsse versiegt waren“. Dagegen setzt sie den Lauf eines Baches, der lustig durch eine romantische Landschaft plätschert und den Betrachter/Leser erfreut.
Bewegende Tiefe
Ihre Texte zeigen eine bewegende Tiefe, sie schöpfen aus der Vergangenheit und lassen Erfahrungen mit einfließen. So entsteht ein sehr stimmungsvolles Bild. Wildes Wasser bedeutet für die Autorin Freiheit, Stärke, aber auch Grenzen, wenn es an den Ufern gezähmt wird. Auch Wolken, die viel Wasser abregnen und den Meeresspiegel steigen lassen, machen ihr Sorgen - und sie fragt, „wo ist die Arche?“ „Die wärmende Sonne ist über dem Wolkendach“, eine Beobachtung aus ihrer Kindheit, die sie nicht verstand, weil sie die Sonne so liebt und ihr nicht klar war, weshalb die Wolken diese verdecken.
Zwischen ihren Gedichten erzählt die Autorin aus ihrer schwierigen Kindheit. Geboren wurde sie am 29. August 1929 in Iwanda/Rumänien. Mit drei Jahren wurde die nach Jugoslawien umgesiedelt. Dort besuchte sie die Volksschule in der Landessprache. 1945 wurde sie interniert und musste Zwangsarbeit in Jugoslawien und Russland leisten. 1951 folgte die Aussiedlung nach Triest, 1952 kam sie in die Bundesrepublik. Sie verständigte sich in ihrem Leben in vielen Sprachen wie Serbisch, Deutsch, Ungarisch, Rumänisch, Italienisch und auch Hebräisch.
Reise in die alte Heimat
Mit dem Alter setzt sich Mattich ebenfalls auseinander und sieht es als „flatternde Tage im Seidengespinst, lustkrank und mit gähnender Einsamkeit“, vernarbte Wunden gewähren den emotionalen Abstand, resümiert sie. Sie hat Heimweh nach dem weiten Land zwischen Himmel und Erde, mit Rittersporn und Klatschmohn auf den Feldern, das ihre Heimat war. Sie erfüllt sich diesen Wunsch mit einer Reise im Oktober, weil sie das Bild ihrer Jugend wieder in ihrer Heimat erleben möchte.
Um diesen Wunsch zu ermöglichen, spendeten die Vereine und Gäste einen Obolus dafür. Aus Harthausen überbrachte Marlies Denne vom Kunst- und Kulturverein einen Briefumschlag mit Spenden. In den 1970er-Jahren hatte Mattich in Harthausen gewohnt, war Mitglied in Vereinen und dort die beliebte „Katti“. Immer gut gekleidet, war sie für die jungen Frauen im Dorf Anreiz, die sagten: „So ein Röckchen will ich auch.“
Die Autorin las ohne Brille mit ihrer munteren Art, ließ viele Fragen zu und erklärte den Hintergrund mancher Gedichte, die sie schon mal doppelt las. Die Festlesung wurde musikalisch umrahmt von Rolf Klein.