Menschen aus der Stadt
Manfred Dechert: Dichter, Macher, „Wortarbeiter“
Neben seinen literarischen Aktivitäten hat sich Manfred Dechert in Ludwigshafen seit Jahren in Gesprächskreisen für vereinsamte und mit psychischen Problemen belastete Menschen engagiert. Durch Corona lagen hier längere Zeit alle Kontakte brach. Nun hofft er darauf, dass endlich wieder persönliche Treffen in sicherem Rahmen zustande kommen können.
In der Mundartdichtung eine Bank
In puncto Mundartdichtung ist Dechert eine Bank. Mit seinem Text „Es Irmche is gfall“ hat er im Jahr 2020 schon zum fünften Mal den ersten Preis beim Bockenheimer Wettstreit gewonnen. Auch bei den Wettbewerben der pfälzischen Mundartdichter in Sickingen (Verbandsgemeinde Wallhalben in der Südwestpfalz) und der Dannstadter Höhe war der heute 63-Jährige schon mehrmals erfolgreich und befand sich unter den Preisträgern.
Die Teilnehmer dieser Wettbewerbe müssen nicht in der Pfalz geboren sein. Ein Nachteil ist es für Dechert aber sicher nicht gewesen, aus „Lautern“ zu kommen, wie er erzählt. Schon in den 80er-Jahren ist er immer wieder zu kulturellen Ausflügen nach Ludwigshafen gekommen, hat erste Lesungen auf der offenen Bühne im „Haus der Jugend“ gemacht – zusammen mit dem Pantomimen Mattar.
In der Friedensbewegung engagiert
Dechert war im Werkkreis „Literatur der Arbeitswelt“ im Mannheimer Gewerkschaftshaus aktiv, mit Themen, die in der bürgerlichen Literatur sonst nicht so zur Sprache kommen, erzählt er. Dechert hat sich zu dieser Zeit in der Friedensbewegung engagiert und ist eher sozialistisch orientiert gewesen. Als er 1992 aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf als Schriftsetzer aufgeben musste und frühverrentet wurde, sei er dann nach Ludwigshafen umgezogen, berichtet er. Seitdem war er in verschiedenen Literaturgruppen in Ludwigshafen und Mannheim aktiv, langjähriges Mitglied im Literarischen Verein der Pfalz, dem Mannheimer Literaturverein „Räuber 77“ und der Heidelberger „Literatur-Offensive“.
Theaterstücke geschrieben
Für das Theater Oliv in Mannheim hat er 2011 und 2013 zwei Stücke geschrieben. Sehr am Herzen lagen ihm die ab 2006 gegründeten Gesprächsgruppen, in denen es um ernste Themen wie „Leben ab 50“, „Probleme 50 plus“ und allgemein um die Wandlungen im Lauf des Lebens ging. „So etwas gab es damals nicht, andere Gruppen wollten nur Spaß haben. Ich wollte auch über ernstere Dinge reden“, sieht Dechert hier nach wie vor großen Bedarf.
Das Coronavirus habe seine Welt stark verändert, sagt Dechert. Alle Gruppentreffen, alle persönlichen Kontakte seien plötzlich nicht mehr möglich gewesen. Für einen Alleinlebenden wie ihn sei es in dieser Zeit sehr schwer gewesen. Einen Ausweg hätten nur die sozialen Netzwerke angeboten. „Ich schreibe inzwischen viel über das Leben in der virtuellen Welt“, erzählt Dechert, dass er fleißig in Facebook postet. Doch eine gewisse Suchtgefahr sei hier gegeben, auch die Gefahr einer Polarisierung und Radikalisierung in den Einstellungen. „Ich würde in Ludwigshafen gerne wieder Gesprächsgruppen 50 plus machen und Leute treffen“, sagt Dechert und hofft auf Gleichgesinnte.
Suche nach einer Subkultur
In Ludwigshafen vermisse er eine Subkultur, wie sie früher vom „Büro für angewandten Realismus“ vertreten worden sei. In Mannheim gebe es da mehr Vielfalt, stellt er fest. In Ludwigshafen fehlt ihm ein Ort, wo man wisse, dass man Gleichgesinnte treffen könne. Nach dem Ende der Pandemie müsse sich dies alles erst wieder neu finden. Angesprochen auf die allgemeinen Veränderungen im Stadtbild von Ludwigshafen, findet der Literat, dass durch das Verschwinden der „Tortenschachtel“, der großen Kaufhäuser und bald des Rathaus-Centers auch ein Stück Heimatgefühl verloren gehe. Für ein regelmäßiges Heimatgefühl sorge bei ihm dagegen die Linie 10 in Friesenheim, wo er unweit der Strecke wohne. „Ich höre sie immer quietschen, wenn sie am Ebertpark um die Kurve fährt. Das sind dann vertraute Momente in der Stadt.“
Kontakt
Wer mit Manfred Dechert ins Gespräch kommen will, findet seinen Facebook-Auftritt problemlos per Suchmaschine.