Ludwigshafen Keine Herz-Schmerz-Geschichten

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«Waldsee». „Lyrik – das ist meins“, sagt Margit Kraus. Die Waldseerin hat gerade ihr achtes Buch herausgegeben, einen Band mit Gedichten und Kurzgeschichten. „Und überall raschelt es nach Sehnsucht“, hat sie es genannt. Sehnsucht, das habe etwas mit Spannung zu tun, findet sie. Man könne Sehnsucht im Großen und im Kleinen haben. Und das Rascheln sei für sie das Urgeräusch des Lebens. Jede Bewegung raschle auf irgendeine Art, findet sie.

„Gedichte von Rosen und Liebe findet man in dem Buch nicht. Die hatte ich in meinen früheren Büchern“, sagt Margit Kraus. Ihre Gedichte sind keine leichte Kost – nichts, was man einfach mal schnell nebenbei liest. Man muss schon darüber nachdenken, die Worte auf sich wirken lassen. Sie selbst möchte ihre Gedichte nicht interpretieren, das überlässt sie den Lesern. „Wenn ich schreibe, befinde ich mich in einer Art Zwischenzustand“, erklärt sie. Bewusst baue sie Stolperstellen ein, glätte ihre Gedichte nicht im Nachhinein. Dennoch seien die Gedichte innerlich rund, hätten eine Harmonie, erklärt die Autorin. Die Themen sind nicht das Spektakuläre, sondern das Alltägliche, Provinzielle. Es gehe aber auch um Empfindlichkeiten. Die Kurzgeschichten im Buch handeln von verschiedenen Frauen und ihren Erlebnissen. Von einer Flüchtlingsfrau in der Pfalz, einem Mädchen im vom Bürgerkrieg zerbombten Latakia in Syrien, einer Neandertalerin oder einer Geschäftsfrau. Sie stimmen nachdenklich, sind ganz gewiss keine Herz-Schmerz-Geschichten. Sie beherrsche die Kunst, auf Knopfdruck zu sein, erklärt Margit Kraus. „Wenn ich will, kann ich jeden Tag ein Gedicht schreiben.“ Ihr Ziel sei aber, alle zwei bis drei Jahre ein neues Buch. Wenn sie nicht schreibt, dann zeichnet sie gerne mit dem Bleistift. Das ist ihr Lieblings-Schreibwerkzeug: ein einfacher Bleistift. Nicht, weil man ihn ausradieren kann, sondern weil sie das zarte Grau schön findet. Die Idee, Bücher zu schreiben, sei ihr relativ spät gekommen, erst so zwischen 40 und 50. „Die Kinder sind groß, man ist nicht mehr 24 Stunden am Tag Mutti und hat wieder Zeit für sich“, sagt Margit Kraus. Doch die Liebe zu Gedichten und Geschichten schlummert schon seit ihrer Kindheit tief in ihr. „Ich bin Einzelkind, habe viel Platz und Zeit dafür gehabt.“ Nach dem Abitur wurde sie zunächst Fremdsprachenkorrespondentin, studierte dann aber Germanistik und Anglistik und wollte Lehrerin werden. Nach dem Referendariat war Schluss, die Mutter war pflegebedürftig geworden und Margit Kraus erwartete ihr erstes Kind. Auch später ist sie zu Hause geblieben. „Wie hätte ich mit zwei Kindern arbeiten können, wenn der Kindergarten von 8 bis 12 und von 13.30 bis 16 Uhr geöffnet hat?“, beschreibt sie das Dilemma vieler Frauen ihrer Generation. Stattdessen absolvierte sie ein Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre, hat ein Diplom als Führungskraft in der freien Wirtschaft in der Tasche. Bis heute ist Weiterbildung für sie sehr wichtig. Sie ist Gasthörerin an der Universität Mannheim, hält Vorträge und Lesungen und ist seit vielen Jahren Mitglied des Literarischen Vereins der Pfalz. Zwischendurch hat sie auch als freie Mitarbeiterin für die RHEINPFALZ gearbeitet. Nur eines ist ihr in ihrem Leben vielleicht noch wichtiger als die Literatur, auch wenn sie eigentlich keine Hierarchien mag. „Ich bin seit meiner Kindheit eine leidenschaftliche Katholikin und froh darüber. Ich besuche gerne Gottesdienste und bin schon seit vielen Jahren Lektorin in der Kirchengemeinde“, sagt sie.

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