Landau „Martin ist mein Freund“
„Nur gute Eindrücke“ von der Vorstellung des Kanzlerkandidaten seiner Partei in Berlin brachte am Sonntagabend Kurt Beck mit ins Hotel „Zur Krone“ nach Hayna. Für den ehemaligen Ministerpräsidenten und Ex-Bundesvorsitzenden der SPD ist die Küchenparty von Sternekoch Karl-Emil Kuntz ein liebgewonnener Pflichttermin.
„Es war, als hätte man einen Vorhang hochgezogen“ – so beschrieb Kurt Beck die Emotionen in seiner Partei, nachdem die Genossen vom Rückzug Sigmar Gabriels und der „Inthronisation“ von Martin Schulz als Kanzlerkandidat und Parteivorsitzendem erfuhren. Geradezu in einem Rausch befinde sich die SPD. Sie sei beseelt von der Hoffnung, dass sich mit dem Mann aus dem nordrhein-westfälischen Würselen, der als Präsident des Europäischen Parlaments Politik in diesem Gremium prägte, die Talfahrt der Partei endgültig stoppen lasse. Als Beck am Sonntagabend über Martin Schulz spricht, fällt immer wieder das Wort „Freund“. Die beiden Männer, die mit ihren Biografien für das Narrativ der SPD stehen, für die Geschichte des Aufstiegs des kleinen Mannes, kennen sich schon lange. Aber mit Freundschaften ist das in der Politik so eine Sache. Nicht umsonst gibt es dieses Sprichwort: Freund, Feind, Parteifreund. Doch bei Beck und Schulz scheint das anders zu sein. Der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident kennt das Gefühl, wenn sich die Reihen hinter einem lichten. 2008 entsorgte ihn seine Partei bei einer Klausurtagung am Schwielowsee auf eine ziemlich uncharmante Weise, der Name des brandenburgischen Gewässers ist bei den Genossen zum Codewort für Intrigen geworden. Beck hat das nicht vergessen. Und er hat Schulz nicht vergessen, dass er ihm in dieser schweren Zeit zur Seite stand. Immer wieder sprachen sie miteinander, Schulz machte Beck Mut, sagte ihm aber auch offen seine Meinung, wenn ihm etwas nicht passte. Und er war immer loyal. „Deswegen ist Martin mein Freund, und mit dem Wort gehe ich sparsam um“, sagt Beck. In den jüngsten Tagen sei ihm bewusst geworden, dass seine Partei aus dieser Zeit, in der er erheblich in der Kritik stand und am Ende abgesägt wurde, etwas gelernt habe. „Und das ist ganz wichtig“, sagt Beck, der großes Verständnis für das Verhalten von Sigmar Gabriel im Zusammenhang mit dessen Rückzug hegt. Es sei klar gewesen, dass er nicht bis zum allerletzten Moment die Sache habe verheimlichen können, spielt Beck auf die Indiskretion im Vorgriff auf Gabriels „Stern“-Interview an. Die SPD ist vielleicht die Partei in Deutschland, die sich am intensivsten an sich selbst berauschen kann. Die Genossen haben aber auch diese eigentümliche Neigung, sich selbst und am liebsten ihre Vorsitzenden zu demontieren, wenn es gerade nicht passt. Doch diesmal ist Beck sicher, dass sich Kanzlerin Angela Merkel wappnen muss. Martin Schulz könne im Gegensatz zu ihr seine Botschaften verständlich, emotional und authentisch zu den Menschen bringen, darin stecke sein Talent. Und das gefalle der Partei. Was zeichnet den neuen Mann an der Spitze der deutschen Sozialdemokratie noch aus? Alleine das Können, sich verständlich zu machen, sei es nicht, sagt Beck. In seinem Glückwunschschreiben habe er Schulz in der vergangenen Woche drei Punkte genannt, die er als Voraussetzung für den Erfolg seines Freundes als Kanzlerkandidat wertet: Glaubwürdigkeit, stimmige Inhalte und vor allem kein „Europa-Bashing“. Dann habe seine Partei „eine gute Chance, dass der Rausch anhält“. Schon in seiner Antrittsrede im Berliner Willy-Brandt-Haus habe Schulz bewiesen, dass er schwierige Zusammenhänge verständlich rüberbringen könne. So habe er auch einer gewissen Euphorie in der SPD den Weg bereitet. Beck gefällt auch, wie Schulz gegenüber der AfD „klare Kante zeigt“. Der Steinfelder, dem am Sonntag in Berlin auch eine gewisse Rührung bei Sigmar Gabriel nicht verborgen blieb, lobt den scheidenden Bundesvorsitzenden für seinen „klugen Schachzug“, Frank-Walter Steinmeier als künftigen Bundespräsidenten platziert zu haben. „Das hat die gute Stimmung zusätzlich befördert“. Ob das alles reichen wird, um am Wahlsonntag die Nase vorn zu haben, ließ Kurt Beck offen. Nur so viel: „Wer wahrgenommen werden möchte, braucht auch eine Machtperspektive.“ Und damit meint er auch ein mögliches Bündnis mit Grünen und Linken. |eva/ansc