Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Judith Boys „Paradies“ auf Burg Lichtenberg

Judith Boy stellt ihre Werke im Geoskop auf Burg Lichtenberg vor.
Judith Boy stellt ihre Werke im Geoskop auf Burg Lichtenberg vor.

Es ist eine bunte Palette aus der Urwelt, die Judith Boy auf Burg Lichtenberg präsentiert. Aus dem Wasser quellendes Leben, Reptilien, Insekten: Mit ihren Gemälden will die Künstlerin zu Achtsamkeit im Umgang mit der Natur motivieren.

Die Schau bilde die siebte Etappe ihrer Ausstellungsreihe „Vertreibung aus dem Paradies“, erläutert Boy. Der Auftakt war im Sommer in der Kuseler Stadtkirche, weitere Etappen – auch in Kaiserslautern – folgten. Ungewöhnliche Materialien wie Schlangenhaut, Stoffbahnen und Industrievliese, die Boy sonst gerne als Untergrund wählt, sind diesmal nicht zu finden. Die 13 Gemälde in Acrylfarben sind ganz traditionell auf Leinwand gemalt. Vielfach im Hochformat 40 mal 120 Zentimeter werfen sie einen ganz eigenen Blick auf Evolution und Natur.

Da erscheinen Tiere und Pflanzen mal dunkel-bedrohlich, mal bunt und mit Glitzer leicht schimmernd. Bis auf wenige Ausnahmen malt Boy abstrakt. Es braucht allerdings nicht viel Fantasie, um Knochenteile, mitunter ganze Skelette und immer allerhand Wirbelformen, zu entdecken. „Ich liebe Wirbel und Knochen“, verrät Boy. Und erzählt, wie sie „mit Reptilien aufgewachsen“ sei, habe sich ihr Großvater doch als Hobbyforscher mit Schlangen, Geckos und Chamäleons befasst.

Im Diptychon „Marea Intergalactia“ vertieft sich Boy in eins ihrer Lieblingselemente: Wasser. Im grün-blauen Ursprung des Lebens tummeln sich federleichte Fische und urzeitliches Getier. „Phönix“ betitelt sie eine weitere Arbeit. Auf Leinwände mit Fossilien, Tausendfüßlern und Szenen aus einem fantastischen Urleben mixt die Malerin zu Farben auch Kohle, Pastell und Pigmente. Der Ausstellungsort ist perfekt gewählt. Die Nachbildung des Dinosauriers im Entree des Urweltmuseums Geoskop muss sich inmitten der urigen Gemälde in diesen Tagen heimisch fühlen.

Einige Arbeiten der recht übersichtlichen Ausstellung sind just der Staffelei entnommen, andere entstanden im vergangenen Jahr, erzählt Boy. Sie erhielt für ihr Projekt 6000 Euro aus dem Topf des Kultursommers Rheinland-Pfalz. Neben den Gemälden stellt die 52-Jährige bewegliche Objekte aus. Sie nennt sie Medusen. Charakteristisch sind lange Tentakel aus gesammeltem Strandgut, Schnüren, Netzen und Industriefolien in unterschiedlichen Farben.

Aus all den Materialien, die Boy auf ihren Streiftouren entdeckt, werde Kunst, erzählt sie. Sie wolle zeigen, was sich alles auf der Straße findet. Gerne verbindet sie ihre Ausstellungen mit Tanz und theatralischer Aktion. Oft entstünden auch Kostüme oder eigenwillige Kopfbedeckungen sowie Halsschmuck und Ketten, berichtet die Kostümbildnerin.

Da wundert es nicht, dass Judith Boy mit medusenhaftem blauem Kopfschmuck erscheint. So fantasievoll dekoriert läuft sie bei Eiseskälte zu Fuß vom Wohnort ihrer Eltern in Körborn zur Burg. „Ich möchte dazu anregen, die Natur genauer zu betrachten und wieder schätzen zu lernen“, erläutert sie ihre künstlerische Intention. Dies solle mit dem Ausstellungstitel „Vertreibung aus dem Paradies“ unterstrichen werden. So zeigen einige gegenständliche Arbeiten auch Szenen der biblischen Plagen: Detailgetreu malt sie Fliegen und Heuschrecken.

Allerdings geht es ihr weniger um den alttestamentarischen Gedanken des Paradieses. „Die Vertreibung aus dem Paradies habe ich in unsere Zeit versetzt“, sagt sie. Was heute „mit Kriegen und Viren passiert“, versuche sie mit kritischem Blick umzusetzen. Dazu gehöre auch darzustellen, „wie wir mit unseren Materialien und Lebensmitteln umgehen“. Denn Boy ist überzeugt, dass „wir es sind, die uns selbst aus dem täglich existierenden Paradies vertreiben“. Etwa durch umweltschädigendes Verhalten, durch Konsumsucht, auch durch Egomanie, wie sie hinzufügt.

Ihre Ausstellung versteht sie als Inspiration, die Freude verbreiten soll. „Viele Leute sind heute depressiv“, gibt Judith Boy zu bedenken. Mit lebendigen Farben wolle sie einen Kontrapunkt setzen. Die Künstlerin, die zwischen Sizilien und Körborn im Kreis Kusel pendelt, plant eine nächste Ausstellungsetappe im April auf der italienischen Insel. Weitere Schauen sind in Otterberg und Hamburg vorgesehen.

Info

Die Ausstellung im Urweltmuseum Geoskop auf Burg Lichtenberg ist bis 16. Mai zu sehen, täglich von 10 bis 17 Uhr. Für 15. Mai ist eine Performance geplant. Die Uhrzeit steht noch nicht fest.

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