Kaiserslautern Kaiserslautern: Die Arbeit der Feuerwehr ist gefährlicher geworden
Interview: Großbrände, Unwetterschäden, schwere Autounfälle oder Ölspuren – die Männer und Frauen von der Feuerwehr müssen für jede Situation eine Lösung finden. Julia Luttenberger hat sich mit Feuerwehr-Chef Konrad Schmitt und seinem Stellvertreter Michael Ufer unterhalten.
Die Feuerwehr ist in kommunaler Zuständigkeit und übernimmt neben den gesetzlichen Pflichtaufgaben wie Brandbekämpfung, Menschenrettung und Technische Hilfe bei Unfällen auch die Aufgaben, die ihr die Stadt zuweist. Dazu gehört vieles: Ölspuren beseitigen, technische Hilfeleistung bei Unfällen, herrenlose Tiere einfangen, Notverglasungen anbringen, Hornissennester umsetzen. Wir rücken bei Sturmschäden, Betriebsunfällen und Autounfällen aus, stellen aber auch den städtischen Weihnachtsbaum auf. Kaiserslautern ist eine kleine Großstadt, entsprechend ist das Einsatzspektrum ein anderes als in den Dörfern. Hier kommt es schon einmal vor, dass die Feuerwehr gerufen wird, weil ein Eichhörnchen ohnmächtig auf dem Waldweg liegt. Das Löschen von Bränden kommt weit weniger vor, als viele denken. Eher stehen technische Hilfeleistungen im Vordergrund. Wie geht man mit diesen unterschiedlichen Anforderungen um? Wir müssen für alles eine Lösung finden, denn nach der Feuerwehr kommt niemand mehr. Egal, ob das Probleme mit Chemie, Radioaktivität, Elektrik, Hochwasser oder bei Einstürzen sind. Das Spektrum ist so weit gefächert, dass es unmöglich ist, alles selbst abzudecken, auch wenn wir und unsere Kollegen beruflich schon aus sehr unterschiedlichen Bereichen kommen. Bei Bedarf können wir jederzeit ehrenamtliche Fachberater hinzuziehen. Wer bei der Feuerwehr ist, braucht in jedem Fall viel Fantasie und Kreativität, um im Einsatz verschiedenste Aufgaben zu lösen. Was hat sich bei den Einsätzen im Vergleich zu früher verändert? Die Technik, mit der wir arbeiten, entwickelt sich stark weiter. Das Problem ist, dass die Geräte einfach zu bedienen sein sollen und auch bei widrigen Umständen funktionieren müssen. Etwa eine Wärmebildkamera, die es uns ermöglicht, uns in verrauchten Räumen zurechtzufinden: Standardkameras, wie sie auf dem Markt zu finden sind, werden mit intelligenten Sensoren ausgerüstet und haben jede Menge Möglichkeiten zur Feineinstellung. Für uns sind diese Geräte unbrauchbar, wir müssen die Kamera mit dem Daumen im Handschuh bedienen können. Oder nehmen sie die Fahrzeugtechnik. Wir sind dort mit modernster Sicherheitstechnologie konfrontiert, etwa dem Seitenaufprallschutz. Wir müssen uns überlegen, wie wir da trotzdem rein kommen. Früher ging das mit dem Hammer oder der Eisensäge, heute braucht es schweres Gerät. Aber Feuer brennt immer noch so wie früher? Nein. Hausbrände etwa funktionieren durch die Dämmmaßnahmen heute ganz anders. Die Gefahr von Stichflammen ist heute viel größer. Die Gebäude sind komplett abgedichtet, da gibt es keine zugigen Stellen mehr. Dadurch fehlt dem Feuer beim Brennen der Sauerstoff. Wird dann die Haustür geöffnet, kommt es zu einer explosionsartigen Durchzündung. Für die Feuerwehr ist das Löschen gefährlicher geworden. Auch die Brandursachen haben sich geändert. Brände durch Kerzen sind seltener geworden, stattdessen sind technische Defekte häufiger Brandursache: Kurzschlüsse und die Überhitzung von Kabeln, Brände durch defekte Kaffeemaschinen und Kühlschränke etwa. Ein Rauchmelder in der Küche ist zwar keine Pflicht, wäre vor diesem Hintergrund aber sinnvoll. Hier in Kaiserslautern gibt es eine Berufsfeuerwehr und eine Freiwillige Feuerwehr. Was braucht man, um Feuerwehrmann zu werden? Zunächst einmal: Wir sind eine Feuerwehr. Das ist ganz wichtig. Dem Bürger ist es egal, ob ihn jemand von der Berufsfeuerwehr rettet oder ein Freiwilliger. Wir haben ein sehr hohes Ausbildungsniveau bei uns, die Leute wissen, was sie tun. Wer sich bei der Berufsfeuerwehr bewerben will, braucht einen abgeschlossene handwerkliche Berufsausbildung. Wer genommen wird, durchläuft eine 18-monatige Ausbildung. Einen Lehrberuf Feuerwehrmann gibt es noch nicht, der soll aber kommen. Wir stellen je nach Bedarf pro Jahr etwa drei bis vier neue Leute ein. Auf die Stellen kommen rund 150 Bewerbungen. Wer sich bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren will, sollte zwischen 16 und 63 Jahren alt sein, bereit, anderen zu helfen und die gesundheitliche Eignung mitbringen. Jeder ist willkommen. Welche Berufe haben Sie gelernt? Schmitt: Ich habe Zimmermann gelernt und an der TU Architektur studiert. Ufer: Ich bin Elektroingenieur. So spiegeln auch wir die Vielfalt der Ausgangsberufe in der Feuerwehr wider. Spielt der Generationenwechsel eine Rolle? Ja. Wir haben zurzeit 230 Leute bei der Freiwilligen Feuerwehr und 106 bei der Berufsfeuerwehr, von denen in den nächsten Jahren viele in Pension gehen. Viele Kinder finden die Feuerwehr spannend. Spiegelt sich diese Begeisterung später wider? Wir haben eine Bambini- und eine Jugendfeuerwehr, bei der Kinder ab zehn Jahren mitmachen können und viele spannende Sachen erleben können. Gemeinsam mit dem Verein Blaulicht betreiben wir einen Jugendzeltplatz am Gelterswoog, der ist sehr beliebt. Aber klar, in der Jugendarbeit stehen wir heute verstärkt in Konkurrenz zu anderen Veranstaltungen. Viele Jugendliche wollen sich nicht mehr so festlegen wie früher und sind körperlich weniger fit als frühere Generationen. Gerade die koordinativen Fähigkeiten haben nachgelassen. Zudem spielt die Schule eine große Rolle, der Unterricht dauert länger... Und bei den Erwachsenen? In einer Werbekampagne haben wir alle Leute zwischen 16 und 40 Jahren in den verschiedenen Ortsteilen angeschrieben. Die Resonanz war gut. Dadurch bringen wir Menschen in die Feuerwehr, die mitten im Leben stehen. Das tut uns gut. Wir haben auch immer Studenten bei uns, die wieder gehen, wenn sie mit dem Studium fertig sind. |jtt