Kusel Lauterecken: Anwohner beweisen während Evakuierung viel Geduld
Am Samstag kurz vor 13 Uhr fand die Geduldsprobe für etwa 90 Bürger der Lauterecker Innenstadt ein Ende. Die Polizei gab Entwarnung und beendete die Evakuierung. Sie hatte am Freitag und Samstag aus einem Haus in der Straße Ringmauer illegale Feuerwerkskörper und chemische Stoffe mit einem Gesamtgewicht von etwa 110 Kilo abtransportiert (wir berichteten), die ein 18-Jähriger im Haus seiner Eltern gehortet hatte.
Die Anwohner mussten an beiden Tagen ihre Häuser bereits in der Frühe um 7 Uhr verlassen. Sie konnten sich während der Evakuierungsdauer in der nahe gelegenen Janusz-Korczak-Schule aufhalten. „Ich fühlte mich schon ein wenig wie ein Flüchtling“, erzählte eine alte Dame. „So langsam geht uns der Gesprächsstoff aus“, meinte lachend Werner Krauth von der Straße Ringmauer. Zum Zeitvertreib habe er sich gewünscht, dass man ein Fernsehgerät aufgestellt hätte. Ingo Fehrentz von der Schulstraße konnte nicht ganz nachvollziehen, nach welchen Kriterien das Evakuierungsgebiet festgelegt wurde. „Die VG-Verwaltung liegt in der Nähe unseres Hauses. In der Verwaltung wurde gestern jedoch noch gearbeitet“, merkte er an. Die Anwohner bewiesen insgesamt viel Geduld. „Das geht auch vorbei“, war der allgemeine Tenor. Die Lauterecker Geschäftsleute beklagten hingegen einen Umsatzrückgang: „An beiden Tagen lag der Umsatz bei etwa einem Drittel, was wir sonst einnehmen“, sagte Beate Meyer von der Buchhandlung Schreibwaren Meyer. Die Inhaber der benachbarten Metzgerei hätten das gleiche festgestellt. Da die Innenstadt gesperrt gewesen sei, hätten die Kunden auf Käufe verzichtet. Von Bürgern war zu erfahren, dass ein Café-Besitzer seinen monatlich angebotenen Brunch habe kurzfristig absagen müssen. Der Brunch sei ausgebucht gewesen. Umsatzverluste haben auch diejenigen zu beklagen, deren Geschäfte in der Evakuierungszone liegen und die deshalb nicht öffnen durften. Einige Geschäftsleute wollen ihre Rechtsanwälte einschalten, um bei dem Verursacher Regressansprüche geltend zu machen. Die Explosivstoffe waren so gefährlich, dass sie nur in kleinen Mengen geborgen werden konnten. Wie die Polizei mitteilte, wurden die explosiven Stoffe in Päckchen zu je fünf Kilogramm abgepackt und in einem gesicherten Spezialbehälter auf einem Anhänger in ein Zwischenlager transportiert. Am Freitag erfolgten laut Polizei zehn Sprengstofftransporte. Am Samstag wurde kurz vor Mittag die letzte Ladung weggebracht. Nachdem die Experten des Landeskriminalamtes ihre Arbeit getan hatten, waren die Kriminaltechniker im Einsatz. Sie durchsuchten das Haus noch einmal nach weiteren Verstecken und sicherten Beweise für Straftaten. Als feststand, dass sich keine gefährlichen Stoffe mehr in dem Haus befinden, wurde die Evakuierung aufgehoben, und die ausquartierten Lauterecker konnten ihre Wohnungen wieder aufsuchen. Heiner Schmolzi von der Kriminaldirektion Kaiserslautern war am Samstagmorgen ebenfalls vor Ort. Bei solchen Einsätzen werde zuerst das gefährlichste Material weggeschafft, danach kümmere man sich um den Rest, informierte er über das grundsätzliche Vorgehen. Dies war offenbar auch der Grund, weshalb am Samstag weit weniger Transporte notwendig gewesen waren. Schmolzi zeigte sich ebenso wie der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde, Andreas Müller, erfreut über die reibungslose Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte.|say