Verbraucher-Tipp
Warum man bei Werbung für „zuckerfreie“ Produkte aufpassen muss
Zucker kostet relativ wenig, lässt sich gut verarbeiten – und schmeckt. Das macht sich auch die Lebensmittelindustrie zunutze. Das Problem ist nur: Mit Bezeichnungen in der Werbung wie ,,zuckerfrei“ oder „zuckerreduziert“ lassen sich Verbraucher mitunter täuschen. Denn auch in diesen Produkten kann Zucker sein. Und zu viel davon ist ungesund.
Karies, Fettleibigkeit und Diabetes (Typ 2) sind nur einige der Folgen, die bei einem überhöhten Zuckerkonsum oft auftreten. „Wer deshalb weniger Zucker verzehren möchte, hat es leichter, wenn er Begriffe, gesetzliche Vorgaben und Fallstricke kennt“, sagt Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen.
Durchschnittsverbrauch teils doppelt so hoch
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen, nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr mit zugesetztem Zucker zu decken. Bei einem Erwachsenen wären das der Verbraucherzentrale zufolge etwa 25 bis 50 Gramm Zucker am Tag. Zum Vergleich: Die Statistik weist einen Wert von 91 Gramm pro Kopf und Tag aus.
Zur Falle können einige Bezeichnungen auf den Verpackungen werden: Bei Produkten, die mit „ohne Zucker“, „zuckerfrei“ oder „zuckerarm“ beworben werden, können die Hersteller sehr wohl Zucker verwenden. Gesetzlich geregelt ist nur die jeweilige Höchstmenge. Laut Verbraucherzentrale dürfen ,,zuckerfreie“ Lebensmittel bis zu 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm oder – bei Getränken – pro 100 Milliliter enthalten, „zuckerarme“ sogar 5 Gramm je 100 Gramm oder 2,5 Gramm je 100 Milliliter. Steht ,,zuckerreduziert“ auf der Packung, muss zwar mindestens 30 Prozent weniger Zucker als in vergleichbaren Produkten enthalten sein – was aber immer noch viel sein kann.
Wie ist das mit Süßstoff?
Keine gesetzlichen Höchstwerte gibt es für „ungesüßte“ Produkte. Mit diesem Hinweis dürfe nur nicht geworben werden, wenn er der Täuschung dient. „Dies wäre der Fall, wenn ein ungesüßtes Lebensmittel Zutaten enthält, die wegen ihrer süßenden Wirkung eingesetzt werden“, sagt Lebensmittelexpertin Franz. Sie sieht die Gefahr, dass Kunden irritiert werden können, wenn etwa „in einem ,ungesüßten’ Cappuccino-Pulver 33 Gramm Milchzucker aus dem enthaltenen Milchpulver stecken“. Ebenso verwirren könne der Hinweis ,,ohne Zusatz von Süßungsmitteln“. In den Lebensmitteln dürften zwar keine Süßstoffe wie Aspartam oder Zuckeraustauschstoffe wie Sorbin enthalten sein – sehr wohl aber Zucker und zuckerhaltige Zutaten.
Zucker in vielen Varianten
Eine weitere Falle kann die Zutatenliste sein: Wer sich bewusst zuckerarm ernähren will, orientiert sich gern an der Zutatenliste auf der Packung. Nach Beobachtung der Verbraucherzentrale gibt es jedoch Produkte, in deren Zutatenliste kein Zucker auftaucht – die laut Nährwerttabelle aber etliche Gramm Zucker beinhalten. „Was viele nicht wissen: Glucose-, Fructose- oder Invertzuckersirup, Maltose und Dextrose gehören ebenfalls zu den Zuckern“, sagt Expertin Franz. Auch Trockenobst, frische Früchte, Saft-, Milch- und Molkepulver könnten Zucker in Form von Trauben-, Frucht- und Milchzucker liefern, ohne dass der Zucker in der Zutatenliste stehe. „So kann ein Vollkornmüsli mit Trockenfrüchten bis zu 30 Prozent Zucker enthalten“, erläutert Franz. Und selbst wenn keine Zutat relevante Mengen an Zucker beisteuere, könne im Endprodukt Zucker enthalten sein – wenn etwa Kohlehydrate im Herstellungsprozess in Zucker umgewandelt worden sind. Besonders tückisch: Derartige Produkte können mit dem Hinweis ,,ohne Zuckerzusatz“ beworben werden – da ihnen eben keine Zutaten wegen ihrer süßenden Wirkung extra hinzugefügt wurden. Das bedeute aber nicht, dass sie zuckerfrei sind. „Denn ein Fruchteis ohne Zuckerzusatz dürfte zum Beispiel süße Früchte, die Zucker liefern, enthalten“, so die Verbraucherschützerin.
Tipp: Die Verbraucherzentrale empfiehlt, sich bei Begriffen wie ,,ungesüßt“, ,,weniger süß“ oder ,,natursüß“ an der Nährwerttabelle auf der Packung zu orientieren. Dort stehe, wie viel Zucker pro 100 Gramm des Produkts tatsächlich enthalten ist.