Forschung RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die BASF den Straßenbelag aufpeppt

Die nur 50 Mikrometer großen Riblets einer künstlichen Haifisch-Haut für Flugzeuge sind mit dem menschlichen Auge kaum zu erkenn
Die nur 50 Mikrometer großen Riblets einer künstlichen Haifisch-Haut für Flugzeuge sind mit dem menschlichen Auge kaum zu erkennen. Sichtbar werden sie erst unter dem Rasterelektronenmikroskop. Hier prüft ein BASF-Experte an Proben, ob die Winkel und Abstände der Riblets in Ordnung sind.

Die Forschung des größten Chemiekonzerns der Welt soll wesentlich zum künftigen Geschäftserfolg beitragen. Für das verantwortliche Vorstandsmitglied Melanie Maas-Brunner heißt das auch, einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel zu leisten. Eines ihrer Beispiele: ein fundamentaler Fortschritt im Straßenbau.

Die BASF betreibt für ihre Forschung und Entwicklung (F&E) einen Aufwand, der selbst für den größten Chemiekonzern der Welt enorm ist. Rund 10.000 BASF-Experten arbeiten weltweit in diesem Bereich. Mehr als 2 Milliarden Euro jährlich steckt das Unternehmen in seine F&E-Projekt. Das soll auch in den kommenden Jahren so bleiben, versicherte Melanie Maas-Brunner, als Vorstandsmitglied zuständig für F&E, am Freitag während einer Forschungspressekonferenz. Ludwigshafen sei dabei der größte Forschungsstandort der BASF weltweit.

Mit 2,3 Milliarden Euro Forschungsausgaben im Jahr 2022 liegt die BASF nach Angaben Maas-Brunners im Branchenvergleich an der Spitze. Auch mit mehr als 1000 Patenten im vergangenen Jahr sei die BASF in der „absoluten Spitzengruppe“. Es lasse sich messen, dass sich die Forschung für das Unternehmen lohne, erläutert sie weiter. Mit Produkten, die in den vergangenen fünf Jahren aus Forschung und Entwicklung auf den Markt gekommen seien, habe die BASF 2022 einen Umsatz von rund 12 Milliarden Euro erwirtschaftet. In den vergangenen fünf Jahre sei dieser Wert deutlich gestiegen. 2018 lag er noch bei 9 Milliarden Euro.

Alle Produkte auf dem Prüfstand

Es gehe nicht nur darum, mit der Forschung die besten und immer neue Produkte hervorzubringen, sagte Maas-Brunner, sondern auch die nachhaltigsten Lösungen anzubieten. Denn die BASF trage auch wesentlich bei zum Kampf gegen den Klimawandel und zu einem nachhaltigen Umbau der Gesellschaft. Die BASF selbst will bis 2050 bei den CO2-Emissionen auf Netto-Null kommen. Um den eigenen und den Anforderungen seiner Kunden zu entsprechen, untersuche der Konzern alle seine 45.000 Produkte mit einer eigens entwickelten Methode auf Nachhaltigkeit. Kriterien dabei sind etwa Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft.

Die Produkte, die dabei im schlechtesten von fünf Segmenten landen, werde die BASF nach spätestens fünf Jahren vom Markt nehmen, sagte Maas-Brunner. Derzeit fielen etwa 5 Prozent der Produkte in dieses Segment. Für das laufende Geschäftsjahr will die BASF erstmals berichten, welche Umsatzanteile jeweils auf die fünf Nachhaltigkeits-Segmente entfallen. Der Umsatzanteil der auf die am besten bewerteten Produkte entfalle, solle „ganz stark wachsen“, sagte Maas-Brunner. Die BASF werde sich dabei „sehr ambitionierte Ziele“ setzen. Das Unternehmen wolle sich transparent daran messen lassen, wie nachhaltig es handele.

Vorbild Haifisch

Als eines der Beispiele innovativer BASF-Produkte erläuterte der Konzern einen Zusatz für den Bitumen-Anteil im Straßenbelag namens B2Last. Er verbessert die Haltbarkeit von Straßen erheblich. Das Additiv, das im Promillebereich zugesetzt wird, vernetzt die Bitumen-Bestandteile miteinander und erhöht so die Elastizität des Belags. Das verbessert Rissbeständigkeit und Haltbarkeit der Straße. Zudem kann damit der Asphalt bei niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden, was Energieverbrauch, CO2-Emissionen und Bitumenemissionen verringert. Dag Wiebelhaus, Leiter des Bereichs Global Product Innovation Monomers, nannte B2Last eine „fundamentale Innovation im Straßenbau“.

Ein weiteres Beispiel: Die BASF entwickelte gemeinsam mit Lufthansa Technik einen Oberflächenfilm, der die aerodynamischen Eigenschaften von Flugzeugen verbessert. Vorbild dabei war die Haut von Haien. Das Produkt NovaFlex SharkSkin ist mit 50 Mikrometer (tausendstel Millimeter) großen Rippen ausgestattet. Es reduziert die Reibung an Oberflächen, ist UV-beständig und widersteht schnell wechselnden Temperaturen und mechanischen Belastungen. Wird der Film auf Flugzeuge aufgebracht, senkt das den Kraftstoffverbrauch und damit den CO2-Ausstoß.

NovaFlex SharkSkin wird demnach auf der gesamten 777F-Frachterflotte von Lufthansa Cargo eingeführt, sowie auf allen Boeing 777-300ER-Passagierflugzeugen von Swiss International Air Lines. Das Bekleben strömungsrelevanter Bereiche des Flugzeugs reduziert den Luftwiderstand um 1,1 Prozent, was rund 400 Tonnen Kerosin und etwa 1250 Tonnen CO2 pro Flugzeug und Jahr einspart. In Zukunft sollen noch größere Flächen des Flugzeugs überzogen werden. Dadurch würde sich der Luftwiderstand um 3 Prozent verringern. Zudem arbeitet die BASF daran, den funktionalen Film für andere Industrien weiterzuentwickeln: für Rotorblätter von Windrädern und für Schiffsrümpfe.

Hinweis auf die Haifisch-Haut-Technologie am Heck einer Boeing 777F von Lufthansa Cargo.
Hinweis auf die Haifisch-Haut-Technologie am Heck einer Boeing 777F von Lufthansa Cargo.
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