Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel TV-Branche hofft auf Fußball-EM

Zuletzt gingen Fernsehkäufe zurück. Für Umsatz könnte die Fußball-EM sorgen. Sofern es Spielerfolge gibt, so ein Experte.
Zuletzt gingen Fernsehkäufe zurück. Für Umsatz könnte die Fußball-EM sorgen. Sofern es Spielerfolge gibt, so ein Experte.

Der Umsatz mit Fernsehern schrumpft seit der Corona-Zeit drastisch. Auch große Sportereignisse brachten zuletzt keine Trendwende. Das könnte sich mit Erfolgen der Nationalelf bei der Fußball-EM dieses Jahr ändern.

Am 14. Juni startet die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Die Stimmung ist nach den jüngsten Erfolgen des deutschen Teams positiv. Viele Fans werden vor den TV-Geräten mitfiebern und hoffen, dass nach dem WM-Triumph 2014 in Brasilien die Nationalelf wieder ein Turnier gewinnt.

Damals freute sich auch die Elektronikbranche. Denn viele Bundesbürger tauschten zur WM ihre alten Fernsehgeräte aus und schafften sich teure Flachbildschirme an. Darunter mit Beamern und Soundanlage – für ein kleines Heimkino.

Dass große Sportereignisse die Kauflaune für solche Geräte ankurbeln, ist vorbei. Denn seit Jahren schrumpft der Markt für TV-Geräte. Ausgenommen ist die Corona-Zeit.

Allein 2023 sank der Umsatz mit TV-Geräten in Deutschland um fast 11 Prozent auf 3 Milliarden Euro – 4,4 Millionen Fernseher wurden verkauft und damit 530.000 weniger.

Preise für Geräte gesunken

In diesem Jahr läuft es bisher ähnlich schlecht. Im ersten Quartal wurden eine Million Bildschirme gekauft, ein Minus von weiteren 10 Prozent. Die Erlöse im Handel gingen um gut 11 Prozent zurück, weil auch die Preise sanken. Für einen neuen Fernseher geben die Bundesbürger im Schnitt 703 Euro aus. Selbst großformatige OLED-Fernseher mit bestem Bild sind für unter 1000 Euro zu haben, gut ein Drittel günstiger. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren wurden in Deutschland allein noch bis zu zehn Millionen Geräte pro Jahr verkauft.

Kann die diesjährige Fußball-EM nun für eine Trendwende sorgen? Konsumforscher Alexander Dehmel vom GfK-Marktforschungsinstitut in Nürnberg ist optimistisch: „Wir sehen durchaus das Potenzial einer Marktbelebung für den TV-Markt, der sich mittlerweile seit neun Quartalen negativ entwickelt.“ Die Werbekampagnen von Handel und Herstellern und die bessere Stimmung in Fußball-Deutschland zeigten „erste positive Ergebnisse“. Laut dem Experten ist erfahrungsgemäß immer die Woche der Turniereröffnung die entscheidende. „Hier werden die meisten Absätze auch dieses Jahr erwartet“, so Dehmel.

Soundbars immer beliebter

In seiner aktuellen Markteinschätzung für die Branchenvereinigung GfU bestätigt der Konsumforscher aber auch, dass der Kauf-Effekt durch Fußball-Großereignisse nachgelassen habe: „Zum einen aufgrund der Tatsache, dass die Nationalmannschaft nicht mehr so erfolgreich spielte, aber auch weil keine so großen Technologiesprünge mehr stattfinden.“ Sich ein neues Gerät anzuschaffen, stehe deshalb bei vielen weniger im Fokus. Fürs Gesamtjahr sei mit weiteren leichten Absatzrückgängen zu rechnen.

Belebend könnte sich die Fußball-EM aber auf den Absatz von Soundbars auswirken. Diese können die Klangqualität des Fernsehers verbessern. Auch bei Beamern erwartet der GfK-Forscher Zuwächse. „Da kommt es auf den Erfolg der deutschen Mannschaft an“, so Dehmel. Je länger das Team im Turnier bleibe und je besser das Wetter, desto eher komme ein Schub. Zum Beispiel bei mobilen Kühlschränken, die für Getränke verwendet werden, oder bei Grillgeräten.

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