Verbraucher-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel Teure Kombi-Geschäfte beim Handy-Kauf

Der Kombi-Kauf von Handy und Tarif kann viele Hundert Euro teurer ausfallen als der getrennte Kauf.
Der Kombi-Kauf von Handy und Tarif kann viele Hundert Euro teurer ausfallen als der getrennte Kauf.

Die Angebote sind verlockend: Kunden kaufen das nagelneue Smartphone gleich zusammen mit einem Mobilfunk-Tarif. Und kommen so mit einer kleinen Anzahlung ans teure Wunschgerät. Doch unterm Strich zahlen sie hier oft drauf – und zwar kräftig.

Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt sind die Angebote weit verbreitet: Kunden können ihren Mobilfunktarif gleich zusammen mit einem neuen Handy kaufen. Gegen eine geringe Anzahlung und typischerweise mit einem Zweijahresvertrag kommen sie so an ein neues Gerät. Das Vergleichsportal Teltarif weiß: Solche Handys zahlt der Kunde über die Grundgebühr ab und umgeht dabei die höhere Einmalzahlung beim getrennten Kauf eines Smartphones.

Eine Preisanalyse des Heidelberger Vergleichsportals Verivox hat nun ergeben, dass Kunden bei diesen Kombi-Geschäften aus Smartphone und Tarif über die Vertragslaufzeit hinweg deutlich mehr zahlen als bei einem getrennten Kauf von Handy und Tarif. Der Kombikauf kommt demnach im Schnitt 22 Prozent teurer, in der Spitze legen die Kunden sogar knapp 50 Prozent drauf. Bei einem getrennten Smartphonekauf könnten laut Verivox bis zu 780 Euro gespart werden.

„Hochpreisige Laufzeittarife“

Die absolute Ersparnis sei besonders hoch beim Kauf höherwertiger Handy-Modell, stellt Verivox fest. Besonders für junge Menschen tut sich hier eine Preisfalle auf. Denn bei ihnen sei der Drang zu Smartphone-Topmodellen besonders groß, erläutert Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox. „Oft ist der Tarif lediglich ein Vehikel, um vermeintlich günstig an das Gerät zu kommen“, sagt er. Langfristige Finanzierungskosten und ein potenzielles Überschuldungsrisiko würden ausgeblendet. Aber das gelte nicht nur für die Jungen: „Um den Einmalpreis eines Geräts so niedrig wie möglich zu halten, binden sich viele Kunden an hochpreisige Laufzeittarife,“ sagt Theumer.

„Geld ohne Gegenleistung“

Verivox hat für vier Modellfälle (Wenignutzer, Durchschnittsnutzer, Vielnutzer, Intensivnutzer) berechnet, wie viel sich über 24 Monate bei einem separaten Kauf von Smartphone und Tarif sparen lässt. Vier beispielhaft ausgewählte Endgeräte (Einsteiger, Mittelklasse, Premium, Highend) liegen den Modellfällen zugrunde.

Die höchste prozentuale Ersparnis ergibt sich bei Tarifen für Durchschnittsnutzer mit einem Datenbudget von fünf bis maximal zwölf Gigabyte (GB) im Monat. Ein Verivox-Beispiel: Wird das als Einsteigergerät eingestufte Xiaomi Redmi Note 12 5G mit einem günstigen Discounttarif kombiniert, fallen in 24 Monaten über 420 Euro weniger an als beim gebündelten Kauf von Gerät und Tarif – eine Ersparnis von über 49 Prozent. Im Schnitt über alle berechneten Modellfälle liegt die prozentuale Ersparnis bei 22 Prozent. Für eine Kundengruppe kann laut Verivox der gebündelte Kauf allerdings interessant sein: für Vielnutzer (mehr als 20 GB im Monat), die Smartphones im Highend-Bereich suchen. Das gelte allerdings nur dann, wenn der Tarif nach der Mindestlaufzeit rechtzeitig gekündigt wird. Und hier tut sich die nächste Kostenfalle für alle Nutzergruppen auf, wie Verivox-Experte Theumer erläutert: „Die Mobilfunkprovider sehen die Zusatzkosten nicht als Abzahlung des Smartphones, sondern als Vertragsbestandteil.“ Deshalb rät er: „Kunden sollten vor Ablauf der zwei Jahre kündigen – sonst zahlen sie viel Geld, ohne eine Gegenleistung dafür zu erhalten. Nach der Mindestlaufzeit ist eine Kündigung monatlich möglich.“

Erhöhter Tarif läuft weiter

In drei von vier Fällen, die Verivox untersucht hat, produzieren Geräte aus Kombi-Käufen sogar dann noch Kosten, wenn sie längst bezahlt sind. Wenn ein Vertrag mit Smartphone nach zwei Jahren unverändert weiterläuft, wird der Preis bei drei Anbietern nicht reduziert – obwohl das Gerät dann abbezahlt ist. Nur einer von vier Netzbetreibern rechnet den Smartphone-Anteil nach 24 Monaten automatisch heraus.

Auch das Vergleichsportal Teltarif rät zur Vorsicht bei den Bündelkäufen: Es lohne sich nachzurechnen, der getrennte Kauf des Geräts könne preiswerter sein. Wie der Kaufinteressent nachrechnen soll, erläutert das Portal so: Man multipliziere den monatlichen Hardware-Aufpreis mit 24 (Monaten) und addiere die einmalige Anzahlung hinzu. Das ist der Preis, den der Kunde bei diesem Provider fürs Smartphone bezahlt. Den kann er jetzt mit Angeboten für den Direktkauf des Handys vergleichen.

Lesen Sie auch: Mogelpackung des Jahres – 127 Prozent teurer: Der Preis, den niemand haben will

Mehr zum Thema
x