Internet RHEINPFALZ Plus Artikel Suchmaschinen: Der Marktführer

Die erfolgreichsten Suchmaschinen werden von sehr großen Unternehmen betrieben: Google hat einen weltweiten Marktanteil von 87 P
Die erfolgreichsten Suchmaschinen werden von sehr großen Unternehmen betrieben: Google hat einen weltweiten Marktanteil von 87 Prozent.

Ohne Suchmaschinen wären wir im Web verloren, aber ohne Google würden sich manche Suchenden wohler fühlen. Gibt es aber eine Suche jenseits von Google? Und sind die Alternativen besser?

Die Kritik an Google wächst. Die weltweite Dominanz der Suchmaschine wird mit Skepsis betrachtet und lockt immer wieder Möchtegern-Konkurrenten.

Die „Web-Krabbler“

Im Januar 2021 gab es über 1,8 Milliarden Websites im Internet, also dem frei zugänglichen World Wide Web. Die werden von mittlerweile fast 4,8 Milliarden Menschen besucht, aber zunächst oft erst einmal gesucht. Dazu gibt es seit 1994 Suchmaschinen. Die erste hieß „WebCrawler“, also „Web-Krabbler“. Damit werden bis heute die Programme bezeichnet, die selbst erst einmal das Web durchsuchen, damit Suchmaschinen etwas anzubieten haben. Webcrawler wandern selbstständig von Website zu Website, merken sich alle URL und Links, durchsuchen die zugänglichen Seiten, indizieren sie und legen alle Daten im Speicher der Suchmaschine ab. Und weil das Internet sich ununterbrochen ändert, müssen Webcrawler unentwegt unterwegs sein. Es wird geschätzt, dass 40 Prozent des globalen Internetverkehrs nur durch Webcrawler hervorgerufen wird.

Bis zu 600 Milliarden Seiten

Damit ist klar: Wer die meisten Webcrawler – auch Spider oder Searchbots genannt – zum Einsatz bringt, kann die aktuellsten und reichhaltigsten Suchergebnisse anbieten. Das ist aber aufwendig und teuer, was wiederum erklärt, dass die erfolgreichsten Suchmaschinen von sehr großen Unternehmen betrieben werden. Das sind Google mit einem weltweiten Marktanteil von 87 Prozent, Microsoft mit Bing (5 Prozent) und das chinesische Unternehmen Baidu, mit weltweit unter einem Prozent, aber fast 75 Prozent auf dem Heimatmarkt. Die drei decken also etwa 93 Prozent aller Suchanfragen ab.

Mit etwa zwei Prozent Marktanteil nennenswert ist noch Yahoo! – um die Jahrtausendwende noch eines der ganz großen Internet-Unternehmen. Aber das kann sich schon keinen eigenen Suchbetrieb leisten und kooperiert mit Microsoft, um auf die Bing-Daten zuzugreifen. Als autonome Suchmaschine ist nur noch Yandex erwähnenswert. Die hat weltweit zwar nur knapp ein Prozent, beherrscht aber zu zwei Dritteln den russischen Such-Markt. Über den Rest, die viel beschworenen Alternativen, wie DuckDuckGo, Ecosia, Qwant oder AOL muss man statistisch betrachtet eigentlich nicht mehr reden.

Hat Google seine Marktführerschaft „verdient“? Das US-Unternehmen soll laut der Zeitung „New York Times“ einen Index mit schätzungsweise 500 bis 600 Milliarden Seiten pflegen. Microsoft soll auf gerade mal ein Drittel kommen. Alle anderen in Medien auftauchenden Suchmaschinen haben keinen eigenen Index – einige kleine experimentelle Projekte ausgenommen.

Suchmaschine, die Bäume pflanzt

Ein ambitioniertes deutsches Projekt war Cliqz, das 2015 mit dem Münchner Medienkonzern Burda als Mehrheitseigner gestartet war. Der stieg im Frühjahr 2020 aber aus. Das Projekt übernahm Brave Software aus den USA, die einen Open-Source-Webbrowser mit eingebautem Werbeblocker anbieten. Dessen Marktanteile liegen aber weltweit bei gerade mal 0,05 Prozent. Eine ernsthafte Konkurrenz zu Google entsteht da mit Sicherheit nicht.

Trotzdem haben auch solche kleinen Projekte angesichts der immensen Anzahl von Webnutzern weltweit Userzahlen von 10 oder 20 Millionen. Damit lassen sich tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln. So integriert Brave den Suchdienst Ecosia, verkauft Werbung, garantiert aber, dass Nutzerdaten nicht getrackt, zurückverfolgt, werden. Die Zusammenarbeit mit Ecosia verspricht Imagegewinne, denn das Berliner Unternehmen präsentiert sich als die „Suchmaschine, die Bäume pflanzt“. Gewinne werden zu 80 Prozent in Aufforstungsprojekte gesteckt. 100 Millionen Bäume sollen bis Sommer 2020 bereits gepflanzt worden sein. Suchergebnisse auf Brave werden von Bing gegen Lizenzgebühren übernommen. Immerhin hat Burda einen kleinen Anteil an Brave übernommen, hält das Unternehmen also unter aktiver Beobachtung.

Finanzierung über nicht-personalisierte Werbung

Ganz anders gehen Suchmaschinen vor, die sich gar nicht erst um eigene Daten kümmern, aber auch keine Lizenzen zahlen – sogenannte Meta-Suchmaschinen. Die leiten die Suchanfrage eines Nutzers einfach an mehrere Suchmaschinen weiter und sammeln die Suchergebnisse ein. Ähnlich funktioniert Startpage (startpage.com), eine niederländische Gründung. Bereits 2006 ging die Anwendung ans Netz, die eine Suchanfrage anonym an Google weiterleitet. Suchergebnisse werden also nicht auf den User zugeschnitten. Die Finanzierung erfolgt über nicht-personalisierte Werbung. Anders als Google erfasst Startpage nicht die IP-Adressen der User und lässt auch keine Cookies zu. Dafür gab es schon 2008 das erste Europäische Datenschutz-Gütesiegel Europrise. Die über Startpage abgewickelten Suchanfragen entsprechen allerdings weniger als einem Promille der Google-Suchen.

An Google wird auf lange Sicht niemand herankommen, weil die schiere Größe allen Vorteile bietet. Werbekunden können sich auf viele Klicks verlassen. Aber auch Websitebetreiber profitieren, wenn sie sich von Googles Bots durchsuchen lassen. Webcrawler brauchen dazu eine Erlaubnis. Und die gibt ein Websitebetreiber eher einer Suchmaschine, die für zahlreiche Besucher sorgt.

Dichtes Netzwerk von Diensten

Warum nutzen Menschen Google? Weil Nutzer es einfach haben wollen und daher gerne vertrauten Voreinstellungen ihrer Geräte folgen. Und weil Google nicht nur eine Suchmaschine ist, sondern ein dichtes Netzwerk von Diensten bietet. So nutzen über 60 Prozent aller Surfer Google Chrome als Browser. Google Maps ist die beliebteste Navigationssoftware, die zugleich über Google Orte zu einem persönlichen Vielzweck-Reiseführer geworden ist. Und mit Hey Google gibt es einen Sprachassistenten, der den intuitiven Zugriff auch auf die Google-Suche erlaubt. Schließlich Android, neben Apples iOS das einzige relevante Betriebssystem für Smartphones, für dessen Nutzung Smartphone-Hersteller Googles Lizenzbedingungen samt Google Suche akzeptieren müssen.

Erste Gerüchte

Der einzige verbleibende Konzern mit genügend Marktmacht für eine eigene Suchmaschine samt Index wäre Apple. Erste Gerüchte kamen auf, als Apple vor einigen Jahren auf Jobbörsen Spezialisten für Suchmaschinenprogrammierung suchte. 2018 wurde Google-Suchchef John Giannandrea abgeworben. Applebots durchsuchen schon lange das Web, um den Sprachassistenten Siri an Google vorbei mit Informationen zu versorgen. Wie im Herbst 2020 bekannt wurde, zahlt Google Apple zwischen acht und zwölf Milliarden US-Dollar dafür, dass Google auf iPhones und iPads als Standardsuchmaschine voreingestellt ist. Der Deal könnte bald durch die US-Kartellbehörden ausgehebelt werden. Was Apple mit seiner Neigung zu geschlossenen Systemen noch stärker motivieren könnte, eine autarke Suchmaschine zu entwickeln. In Sachen Datenschutz hat Apple gegenüber Google immerhin einen deutlich besseren Ruf aufbauen können.

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