Wirtschaft
Mit künstlicher Intelligenz ins Internet
Opera meldet sich zurück. Der schnelle Browser, der seit Langem auf Googles Chrome basiert, hat bei uns nur einen Marktanteil von knapp zwei Prozent. Das könnte sich jetzt ändern, denn die norwegischen Entwickler haben zum Jubiläum der 100. Version namens „Opera One“ ihrem Programm einen Assistenten mit künstlicher Intelligenz spendiert. Die neue Version läuft auf allen gängigen Rechner- und Smartphone-Systemen. Das Programm war schon zuvor ausgereift, bei den Kernfunktionen hat sich daher mit der aktuellen Version wenig geändert.
Innovativ ist aber eine neue Tab-Verwaltung, die sich „tab island“ nennt. Diese Tab-Inseln sollen bei komplexeren Recherchen helfen. Ausgehend von einem zentralen Webseitenfenster lassen sich per Tastaturbefehl oder Kontextmenü weitere Fenster dem Hauptfenster unterordnen. So entstehen Cluster von Seiten, die thematisch verwandt sind. Solche Gruppen lassen sich speichern und bei Bedarf öffnen und schließen. Interessant wäre es, wenn die eingebaute KI sich solche Themensammlungen separat „ansehen“ könnte, um daraus die relevanten Informationen herauszuziehen und zusammenzufassen. Aber das wird nicht lange auf sich warten lassen.
Zur KI selbst: Wie üblich, lassen sich App-Icons und Dienste in der Randleiste organisieren. Dort prangt auch das neue Aria-Icon. Aria ist laut Unternehmensinformationen ein Gemeinschaftsprodukt von OpenAI, die ihr ChatGPT bereits zu einer Art KI-Standard gemacht haben, und dem Opera-Team. Außer ChatGPT ist ChatSonic implementiert. Das basiert auf ChatGPT, hat GPT4 als Sprachmodell integriert und sieht auch fast so aus wie der Platzhirsch. Das lässt sich aber nicht unbegrenzt nutzen; ist der Creditvorrat aufgebracht, muss man sich zu einem Gebührenmodell aufraffen.
Microsoft mit BingAI: Microsoft hat viel Geld – 12 Milliarden US-Dollar – in OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, gesteckt. Damit soll natürlich vor allem der hauseigene Bing-Browser und die Bing-Suche gestärkt werden. Seit Mai lässt sich eine auf ChatGPT basierende künstliche Intelligenz direkt aus dem Browser heraus nutzen. Voraussetzung zur Nutzung ist der Edge-Browser und die Nutzung von Bing als Suchmaschine.
Auch bei Microsoft gibt es die bereits klassische Prompt-Eingabe. Darüber hinaus sind eine Sprachein- und eine Sprachausgabe implementiert. Anfragen können also über ein Mikrofon stattfinden. Nachfragen zum gleichen Thema sind möglich. Zwar nutzt BingAI die Algorithmen von ChatGPT, kann aber auf all die aktuellen Informationen zugreifen, die für die Bing-Suchmaschine selbst zur Verfügung stehen.
Drei Stilarten bestimmen den wahrscheinlichen Korrektheitsgrad der Antworten: Wer es kreativ mag, muss mit Hinzudichtungen der KI rechnen. Im ausgewogenen Modus entscheidet die KI über die Mixtur. Und nur beim genauen Modus greift die KI auf prüfbare Fakten und genaue Quellen zu.
Microsoft verspricht, dass BingAI weiterhin kostenlos bleiben soll. Das könnte ein strategischer Vorteil für das Unternehmen werden, denn andere KI-Anbieter müssen irgendwann ihre Entwicklungskosten durch Gebühren hereinholen. Zur weiteren Verbreitung der KI wird auch beitragen, dass das Programm von Microsoft auch die Browser von Drittherstellern unterstützt. Das soll bald auch für Mobilgeräte gelten.
Google mit Bard und mehr: Seit Mai hat Google seinen selbst entwickelten KI-Assistenten Bard („der Barde“) in 180 Ländern samt passender Sprachfähigkeit verfügbar gemacht. Dabei helfen natürlich die Datenbestände von Google Translate, die bereits KI-fertig aufbereitet sind. Deutschland und die EU gehörten zunächst nicht dazu; das ist jetzt anders. Google will es langsam angehen lassen, weil Fehler einer KI derzeit zu wahren Shitstorms im Netz führen können. Erste Pannen sollen Google-Chef Sundar Pichai vorsichtig gemacht haben.
Google hat seinen Assistenten, anders als Microsoft bei Bing, nicht direkt in die Suchfunktionen des Browsers integriert. Bard läuft auf einer eigenen Website unter bard.google.com. Zum Start gibt es eine Warnung: „Bard kann falsche oder unangemessene Antworten geben. Im Zweifelsfall kannst du die Schaltfläche ,Mit Google suchen’ verwenden, um die Antworten von Bard zu überprüfen.“ Google fordert Testnutzer zu ausgiebigem Feedback auf.
Wie bei Chatbots mit eingebauter KI üblich gibt es ein Eingabefenster, in die ein Prompt eingegeben wird. Das ist eine möglichst klare und genaue Beschreibung dessen, was Bard beantworten soll. „Hilf mir bei der Planung eines Kindergeburtstags“ lautet eines der vorgegebenen Beispiele. Antworten können je nach Geschmack des Nutzers unterschiedlich knapp oder ausführlich sein.
Googles Datenbanken sind riesig, entsprechend detaillierte Texte kann Bard produzieren. Viele Tester haben ausprobiert, wie humorvoll und kreativ die derzeit verfügbaren digitalen Intelligenzen sind. Beim Gedichteschreiben oder bei einem imaginären gereimten Debattenwettstreit zwischen Bard und ChatGPT hat Letzterer aber haushoch gewonnen. Dafür operiert ChatGPT immer noch mit alten Daten und muss bei Fragen nach aktuellen Ereignissen passen.
Außer Bard will Google seine KI auch noch in Gmail, Google Maps und Google Fotos integrieren. Die KI kann beim Schreiben von Mails Vorschläge machen oder gleich komplette Texte nach Eingabe eines geeigneten Prompt liefern. Magic Editor soll der Bildgestaltungsassistent von Google Fotos heißen, mit dem sehr leicht ein Mix aus Bildumbau und Bildgenerierung vonstattengehen kann.