Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Lebensqualität per App: Victoria Noack bringt „HealthMe“ auf den Markt

Will Menschen mit Ernährungseinschränkung mit ihrer HealthMe-App den Einkauf erleichtern: Victoria Noack.
Will Menschen mit Ernährungseinschränkung mit ihrer HealthMe-App den Einkauf erleichtern: Victoria Noack.

Wer als 24-jährige Studentin 35.000 Euro in die Hand nimmt und eine Firma gründet, braucht vor allem eines: Mut. Wenn Victoria Noack über ihre kürzlich an den Start gegangene HealthMe-App erzählt, wird jedoch schnell klar: Die Weinheimerin weiß, was sie will. Es geht um Hilfe für Menschen mit Ernährungseinschränkungen.

„Natürlich gibt es auf dem Markt schon andere Ernährungs- oder Allergie-Apps“, sagt Noack, „aber die Kombination aus einem ganz individuellen Profil – also der Eingabemöglichkeit persönlicher Unverträglichkeiten – und einer Datenbank, die Produkte durch Scannen des Barcodes auswertet und dann anzeigt, ob sie verträglich sind, die gibt es eben noch nicht.“

Auf Hochtouren brachte Noacks Unternehmerinnengeist eine gute Freundin von ihr: Diese hatte mit zahlreichen Unverträglichkeiten sowie Problemen bei der Lebensmittelauswahl zu kämpfen. „Die Idee zur App-Entwicklung kam mir am Frühstückstisch“, erzählt Noack, „als wir gemeinsam Wasser mit Geschmack tranken und feststellten, wie viele Konservierungsstoffe es tatsächlich beinhaltet.“

Vier Millionen Produkte abrufbar

Drei Jahre lang widmete sich die Studentin nach dieser Initialzündung dann der Umsetzung ihrer Idee. Das Ergebnis: Im August 2019 gründete sie die Firma Declareme, und heute können Nutzer mit deren Gesundheitsapp HealthMe per Datenbankabfrage Informationen zu rund vier Millionen Produkten erhalten. „Genutzt wird dabei die Datenbank des Karlsruher Unternehmens Better Life“, erklärt Noack. Lücken gebe es dabei im Bereich der Eigenmarken von Supermärkten; insbesondere die Discounter zeigten derzeit kaum Bereitschaft, die entsprechenden Hersteller-Informationen für solche Produkte freizugeben, so die 24-Jährige.

Wer die HealthMe-App testen will, kann dies sieben Tage lang kostenlos tun, danach fallen 3,49 Euro für einen Nutzungszeitraum von sechs Monaten an. „Gebührenfrei kann ich die App nicht anbieten“, sagt die Jungunternehmerin, „denn über die Better-Life-Datenbank greift HealthMe auch auf die Datenbanken anderer App-Anbieter, wie etwa Codecheck, zurück.“

Noack zufolge zeigt die HealthMe-App alle 14 deklarationspflichtigen Allergene – wie etwa Schalenfrüchte oder Erdnüsse – an; ihre persönlichen Unverträglichkeiten können Nutzer über entsprechende Filter eingeben. Aktuell fehle zwar noch die Möglichkeit, eine Fructose- oder Histaminintoleranz in das Profil einfließen zu lassen, doch daran werde gearbeitet.

„Mehr Transparenz im Lebensmittelmarkt“

Was Noack derzeit auch noch fehlt, ist ein Investor. Bisher sei sie mit ihrer App „zwischen die Stühle gefallen“: Entweder lehnten die Tec-Investoren ab, weil sie den Fokus nicht auf Nahrungsmittel legen wollten, oder die Lebensmittelindustrie lehnte ab, weil die App zu technologieorientiert erschien. Entmutigen ließ sich die junge Studentin aber nicht. Im Gegenteil. Sie nahm 30.000 Euro in die Hand und bezahlte damit eine ukrainische Firma, die die Programmierung der HealthMe-App übernahm. Weitere 5000 Euro verschlang der „Bürokratiezuschlag für Unternehmensgründer“, wie Noack es nennt – darunter fallen etwa die IHK-Mitgliedschaft oder auch Notarkosten.

„Bei dieser Summe wird einem ganz schön heiß“, sagt die 24-Jährige und lacht. Auf den Kopf gehauen habe sie dafür ein von den Eltern angespartes Studienkonto sowie sämtliche eigenen Ersparnisse. „Natürlich war das ein Risiko“, gibt sie zu, „aber ich bin wirklich überzeugt von meiner Idee. Wir brauchen mehr Sicherheit und Transparenz im Lebensmittelmarkt, und mit meiner App möchte ich nach Wegen suchen, wie das erreicht werden kann.“

Überzeugt von Noacks Konzept waren auch das Gründer-Institut in Heidelberg – es berät Studierende, wie sie ihre Ideen in rentable und nachhaltige Geschäftskonzepte umwandeln – und Noacks heutiger Mentor Christian Riesenberger, Hauptgeschäftsführer des Unternehmens Better Life. „Zugegebenermaßen war ich aber auch sehr hartnäckig“, erzählt die 24-Jährige schmunzelnd. Anfangs stellte Riesenberger ihr die Better Life-Datenbank zu Testzwecken zur Verfügung, mittlerweile gebe es sogar eine Kreuzbeteiligung: Riesenberger hat Anteile an der HealthMe-App und Noack ist mit einer kleinen Beteiligung bei Better Life eingestiegen.

Zusammenarbeit mit Krankenkassen geplant

„Den Wunsch, mir etwas Eigenes aufzubauen, hatte ich schon immer“, sagt die gebürtige Weinheimerin und erklärt auch gleich, wo es für HealthMe zukünftig hingehen soll. Zum einen möchte Noack erreichen, dass App-Nutzer in ihr persönliches Profil auch Krankheitsbilder, wie etwa Diabetes, eingegeben können. Dafür strebt die Jungunternehmerin eine Zusammenarbeit mit den Krankenkassen an.

Zum anderen will sie aber auch die Deklaration unverpackter Produkte mit ins Portfolio aufnehmen. Konkret steckt dahinter die Idee, dass man bei einem Restaurantbesuch den auf der Speisekarte befindlichen QR-Code eines Gerichts einscannt und so herausfindet, ob man es ohne Bedenken essen kann. „Das ist aber wirklich noch Zukunftsmusik“, sagt Noack, „es bedarf dafür auch einer sehr engen Kooperation mit dem Verband der Lebensmittelkontrolleure und der Dehoga, dem deutschen Hotel- und Gaststättenverband“.

Im Moment profitiert Noack davon, dass die Innsbrucker Uni es ihr erlaubt, bestimmte Studieninhalte anhand der eigenen App zu bearbeiten: „Ich bekomme morgens etwas beigebracht und kann es nachmittags direkt umsetzen“, so die 24-Jährige. In einem Jahr will sie ihr Master-Studium „International Business & Management“ beendet haben und dann möchte sie sich ganz der Weiterentwicklung ihrer App widmen. Rund 800 Mal sei diese seit Mitte Juli bereits heruntergeladen worden und Noack hofft auf weiteren Zuspruch: „Je größer die App, desto mehr Transparenz kann man im Lebensmittelmarkt erreichen.“

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