Wirtschaft LIVESTREAM: Hauptversammlung der BASF in Mannheim

Im BASF-Stammwerk ist in letzter Zeit aus unterschiedlichen Gründen vieles schief gelaufen. Als Arbeitsdirektor ist der BASF-Man
Im BASF-Stammwerk ist in letzter Zeit aus unterschiedlichen Gründen vieles schief gelaufen. Als Arbeitsdirektor ist der BASF-Manager Michael Heinz künftig auch für den Standort mit knapp 35.000 Beschäftigten verantwortlich.

Wenn heute um 10 Uhr die Hauptversammlung der BASF SE in Mannheim beginnt, dann läuft auch der Countdown für den Wechsel im Amt des Arbeitsdirektors. Mit Ablauf des Aktionärstreffens löst das BASF-Eigengewächs Michael Heinz die Quereinsteigerin und erste Frau im Vorstand, Margret Suckale, ab. Die RHEINPFALZ zeigt ab 10 Uhr einen Livestream zur Hauptversammlung.

«Ludwigshafen». Michael Heinz – oder Mike Heinz, wie ihn viele Aniliner nennen – hat eine große Karriere hinter sich. Und möglicherweise hat er eine noch größere vor sich. Der 53 Jahre alte in Mannheim geborene Industriekaufmann und begeisterte Wasserballsportler hat gute Chancen, in den nächsten Jahren den Vorstandsvorsitz des weltweit führenden Chemiekonzerns zu übernehmen. Der Vertrag des seit 2011 amtierenden BASF-Chefs Kurt Bock, der im Juli 59 Jahre alt wird, läuft bis 2021. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich vorher zurückzieht, um sich auf die Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes vorzubereiten, den derzeit Jürgen Hambrecht (70) innehat. Im Unterschied zur jetzt planmäßig ausscheidenden Margret Suckale (60), die 2009 als Quereinsteigerin von der Deutschen Bahn zur BASF kam und 2011 als Arbeitsdirektorin in den Vorstand aufrückte, ist Heinz ein BASF-Eigengewächs mit einer typischen Karriere, die auf vielen Funktions- und Ortswechseln im Konzern aufbaut. Heinz kam 1984 zur BASF und machte eine Ausbildung zum Industriekaufmann und Wirtschaftsassistenten an der Fachhochschule Ludwigshafen. Von 1989 bis 2004 arbeitete er in verschiedenen Positionen im Ausland, etwa in den USA und in Mexiko. Nachdem unter seiner Leitung die 2008 und 2010 von der BASF übernommenen Spezialchemiefirmen Ciba und Cognis schnell und erfolgreich in den Ludwigshafener Chemiekonzern integriert worden waren, wurde Heinz 2011 in den Vorstand befördert. Dort war er zuletzt unter anderem für die Region Südamerika und für die Sparte Veredelungsprodukte zuständig. Der neue Arbeitsdirektor wird im Vorstand auch die Verantwortung für den Ludwigshafener Standort haben. Die Erwartungen der knapp 35.000 Mitarbeiter des BASF-Stammwerks an Heinz sind groß. Denn im Herzen des Chemiekonzerns ist in letzter Zeit aus ganz unterschiedlichen Gründen vieles schief gelaufen. Die Stimmung in der Belegschaft hat viel Luft nach oben. Da war das verheerende Explosionsunglück am 17. Oktober vergangenen Jahres. Zuvor hatten sich Meldungen über Betriebsstörungen gehäuft. Und die BASF hat es bisher noch nicht geschafft, das größte Investitionsprojekt ihrer Geschichte, die gut 1 Milliarde Euro teure TDI-Anlage dauerhaft und mit voller Kapazität zum Laufen zu bringen. Sie läuft nach Pannen und monatelangem Stillstand seit Kurzem im Probebetrieb. Produktionsstart sollte eigentlich Ende 2014 sein. Der harte Sparkurs des BASF-Chefs Bock, Ausgliederungen von Teilen des Geschäfts und das Abrücken vom Versprechen, nach dem Abriss des alten, denkmalgeschützten BASF-Hochhauses, eine neue repräsentative Konzernzentrale zu bauen, sorgen für Unruhe und Unmut in den Reihen der Aniliner. Mit Ablauf der heutigen Hauptversammlung scheidet neben Margret Suckale auch der aus Speyer stammende Chemiker Harald Schwager kurz vor seinem 57. Geburtstag aus dem BASF-Vorstand aus. Sein Vertrag, der vom Aufsichtsrat erst im Juli 2015 bis zum Frühjahr 2021 verlängert worden war, wurde vorzeitig beendet. Bei der Bekanntgabe dieser Entscheidung Ende vergangenen Jahres begründete die BASF Schwagers Abschied mit der langfristigen Nachfolgeplanung für den Vorstand. Doch damit ist das Problem noch nicht gelöst. Denn bis zum Frühjahr 2021 laufen auch die Verträge von Konzernchef Kurt Bock, Vizechef Martin Brudermüller und Finanzchef Hans-Ulrich Engel. 2021 wird Bock 63, Brudermüller 60 und Engel 62. Rätselhaft bleibt, warum der Aufsichtsrat unter Leitung von Jürgen Hambrecht im Sommer 2015 die Verträge von Bock, Brudermüller, Engel und Schwager parallel bis 2021 verlängert hat. Es ist unwahrscheinlich, dass dann im achtköpfigen Vorstand die drei Spitzenposten des Konzernchefs, seines Stellvertreters und des Finanzchefs auf einen Schlag neu besetzt werden. Bis dahin sind weitere Entzerrungen zu erwarten. Schwager war 28 Jahre bei der BASF und rückte 2008 in den Vorstand auf. Er hat noch keine Lust auf den Ruhestand. Am 1. September geht er zum Essener Spezialchemie-Konzern Evonik, wo er stellvertretender Vorsitzender des Vorstands wird. Neu in den BASF-Vorstand kommen heute Saori Dubourg und Markus Kamieth. Dubourg kam 1996 zur BASF und gehörte seit 2009 der zweiten Führungsebene an. Sie war zuletzt zuständig für den Unternehmensbereich Ernährung und Gesundheit. Künftig ist sie unter anderem für Bauchemie und Pflanzenschutz zuständig. Kamieth ist seit 1999 bei der BASF. Seit 2012 leitete er die Sparte Lacke und Farben. Im Vorstand wird er künftig unter anderem für Veredelungsprodukte zuständig sein.

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