Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Karlsruher Forscherin: Geothermie ist heute sicherer

Aus Fehlern gelernt: In Staufen im Breisgau machte sich nach einer folgenschweren Bohrung 2007 ein Riss an einer Hausfassade bre
Aus Fehlern gelernt: In Staufen im Breisgau machte sich nach einer folgenschweren Bohrung 2007 ein Riss an einer Hausfassade breit.

Für Eva Schill ist klar: Wärme aus dem Inneren des Planeten ist unabdingbar fürs Heizen der Zukunft. Auch und gerade in der Vorderpfalz.

Frau Schill, unweit von Karlsruhe, wo wir uns treffen, im Raum zwischen Landau und Bad Dürkheim, werden Geothermie-Projekte verfolgt. Aufgrund mehrerer Störfälle in der Vergangenheit, im Elsass, in der Pfalz und in Baden stehen dort nicht wenige Menschen der Geothermie skeptisch gegenüber. Können Sie diese guten Gewissens beruhigen?
Beruhigen insofern, als wir gerade in den Anlagen von Landau und Insheim sehr viel gelernt haben. Landau war ja die erste große Anlage im deutschen Teil des Oberrheingrabens, wie bei jeder Technologieentwicklung wurden in der Tat Fehler gemacht. Der Wissensgewinn ist jedoch so groß, dass man diese Anlagen heute sicher betreiben kann.

Es geht dabei nicht nur um seismische Aktivitäten, im Extremfall also Erdbeben. Viele Leute sorgen sich auch ums Grundwasser.
Als Grundwasser wird erst einmal jedes Wasser bezeichnet, das unter der Erdoberfläche ist. Worum es den Menschen aber im Normalfall geht, ist das trinkbare Grundwasser. Das sind die obersten Schichten, in einer Tiefe bis 100 bis 200 Meter. Alles, was darunter liegt ist stark salzhaltig, sodass es sich zum Trinken überhaupt nicht eignet.

Wenn man für Geothermie bohrt, durchstößt man natürlich die trinkwasserführende Schicht. Doch das heiße aufsteigende Thermalwasser verläuft dann im Innersten mehrerer sich ummantelnder und einzementierter Rohre, die einen Kontakt mit dem oberflächennahen Grundwasser verhindern.

In Landau kam es hier aber zu einem Vorfall.
Ja, hier gab es eine Leckage in der Bohrung, die das Thermalwasser in den Untergrund zurückführt. Als Reaktion darauf wurde vor etwa vier Jahren eine Integritätsrichtlinie für geothermische Tiefbohrungen eingeführt. Bei korrekter Anwendung dieser Richtlinie in den heutigen Bohrungen kann dies also ausgeschlossen werden.

Die meisten erneuerbaren Energien schwanken stark, je nach Tages- oder Jahreszeit und nach Wetterbedingungen. Der Vorteil von Geothermie ist die Fähigkeit, rund um die Uhr da zu sein – sprich: die Grundlastfähigkeit. Welchen Anteil am Energieverbrauch könnte die Geothermie in Deutschland abdecken?
Wenn wir uns den Wärmebedarf ansehen, der sicherlich der Hauptfokus bei der Geothermie ist, gehen wir beim heutigen Stand der Technik von 25 Prozent aus. Wir erforschen aber auch neue Wege, sodass man in den Bereich von 40 Prozent kommen könnte.

In der südlichen Pfalz gibt es Pläne, Geothermie mit der Gewinnung von Lithium, einem wichtigen Stoff für die Batterieherstellung, zu verbinden. Ist das sinnvoll? Oder befürchten Sie, dass Widerstände gegen Geothermie dadurch zusätzlich angeheizt werden könnten, weil ja salzhaltige Abwässer anfallen?
Man könnte sagen: Es ist eine Herausforderung mehr. Rein technisch gesehen ist das beim Lithium-Abbau geförderte Thermalwasser das gleiche wie das bei der Wärmegewinnung. Die entscheidende Frage ist: Wie betreibe ich das Ganze? Und was sind eigentlich meine Prioritäten? Im Thermalwasser sind etwa 200 Milligramm Lithium pro Liter gelöst, das ist durchaus attraktiv. Pro Anlage könnte man im Mittel rund 250 Tonnen Lithium im Jahr fördern.

Mein Vorschlag wäre, dass man in einem ersten Schritt bei den bestehenden Anlagen versucht, Lithium als Nebenprodukt zu gewinnen. Wenn man wirklich Lithium als Bergbauprodukt gewinnen will, müssen einige Anlagen neu gebaut werden – was wir aber auch tun müssen, wenn wir auf Geothermie als Wärmequelle setzen. Der Ausbau wird also voranschreiten. Aber man sollte die Ko-Nutzung ins Auge fassen.

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Eva Schill
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