Wirtschaft
Heidelberger Druckmaschinen: Auftragslage deutlich verbessert
Kurzfristig flexibilisierte Arbeitszeiten, Abbau von Schulden und Maßnahmen zur Liquiditätsverbesserung – damit will Heidelberger Druckmaschinen AG den Einbruch zum Auftakt des Geschäftsjahres wieder wettmachen.
Dabei habe der Konzern im Juli mit einer deutlich verbesserten Auftragslage das schwache Auftaktquartal des Geschäftsjahres 2019/20 (31. März) teils ausgleichen können. Trotzdem sollen Guthaben auf Zeitarbeitskonten abgebaut werden. Auch habe der Konzern vorsorglich Kurzarbeit angemeldet. In welchem Umfang Heidelberg davon Gebrauch mache, hänge von der weiteren Entwicklung des Auftragseingangs ab, sagte Vorstandschef Rainer Hundsdörfer am Dienstag bei der Präsentation der Zahlen fürs erste Quartal. Die Produktion sei derzeit nicht einheitlich ausgelastet. Das könne dazu führen, dass etwa wegen der hohen Nachfrage auf dem chinesischen Markt in der Teilefertigung – für den Versand ins Werk in Schanghai – Überstunden anfielen, aber andererseits in der Montagefertigung kurz gearbeitet werden müsse.
Hundsdörfer betonte, dass der Konzern nicht im Restrukturierungsmodus sei und keine Arbeitsplätze gefährdet seien. Gleichwohl werde die Altersfluktuation genutzt und die Fertigungstiefe an den Produktionsstandorten reduziert. Derzeit seien rund 700 Altersteilzeitverträge unterschrieben. Am Standort Wiesloch/Walldorf werden nach Einschätzung des Vorstandschefs in einigen Jahren jedoch nicht weniger Mitarbeiter beschäftigt sein. Mit Blick auf den Ausbau des digitalen Geschäfts würden künftig andere Qualifikationen benötigt: „Es wird eine andere Firma werden.“ An den Standorten Heidelberg und Wiesloch/Walldorf beschäftigte Heidelberg Ende Juni 4959 Mitarbeiter, 30 mehr als ein Jahr zuvor.
Das Vertragsgeschäft mit Service-, Verbrauchsmaterialien und Software sei trotz oder gerade wegen der konjunkturellen Unsicherheit bei Kunden stärker gefragt. Den Anteil des Vertragsgeschäfts am Gesamtumsatz will der Konzern von derzeit etwa 16 Prozent auf mehr als ein Drittel ausbauen. Damit werde der Gesamtumsatz stabilisiert und Heidelberg weniger konjunkturabhängig, sagte Hundsdörfer.
Vom „Zukunftsmarkt China“ erwartet Hundsdörfer eine noch stärkere Nachfrage und bei einer Einigung im Handelsstreit zwischen China und den USA weitere Zuwächse. Zum Ausbau des digitalen Verpackungsdrucks, bei dem Heidelberg technologisch führend sei, wünsche sich der Konzern einen strategischen Partner. Idealerweise sei dies ein Unternehmen, das komplementäre Interessen bei der Entwicklung und Fertigung von Maschinen habe.
Überprüfen will der Konzern bereits geplante Investitionen. Möglicherweise verkaufe Heidelberg zudem kleinere Unternehmensbereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Zusammen mit der Reduzierung gebundenen Kapitals und weiterer Maßnahmen könnte die Liquidität um 100 Millionen Euro erhöht werden, sagte Finanzvorstand Dirk Kalibe. Hundsdörfer betonte, dass der Konzern finanziell solide aufgestellt sei, um die digitalen Geschäftsfelder auszubauen. Für das Gesamtjahr erwartet Hundsdörfer ein ausgeglichenes Nachsteuerergebnis.