Einzelhandel
Globus auf Wachstumskurs
Der Umsatz der Globus-Gruppe mit Sitz in St. Wendel ist im vergangenen Geschäftsjahr um 2,4 Prozent auf 7,76 Milliarden Euro gesunken. Der operative Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) konnte im bis 30. Juni 2021 währenden Bilanzzeitraum um 6,1 Prozent auf 301,3 Millionen Euro gesteigert werden. Die Anzahl der Mitarbeiter blieb stabil bei 46.000. Von diesen sind nach Angaben der Geschäftsführung derzeit rund 10.000 am Unternehmen beteiligt.
Die Corona-Pandemie habe das Unternehmen „nicht aus der Bahn geworfen“, betonte Matthias Bruch, Sprecher der Globus Holding, am Montag bei der Bilanzpressekonferenz der Gruppe. Der Umsatz in den 50 deutschen Globus SB-Warenhäusern (Stand Oktober) mit 19.400 Mitarbeitern wuchs um 3,4 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Diese „sehr schöne Entwicklung“ sei auch durch die zeitweisen Schließungen der Gastronomiebereiche nicht gebremst worden, sagte Jochen Baab, Sprecher der Geschäftsführung Globus SB-Warenhaus.
„Jahrhundertchance“
Die 96 Globus-Fachmärkte in Deutschland und Luxemburg mit 9550 Beschäftigten beendeten das Geschäftsjahr hingegen mit einem um 3,7 Prozent gesunkenen Umsatz von 1,87 Milliarden Euro – auch Folge der nahezu dreimonatigen Komplettschließung im zweiten Lockdown.
Als „Jahrhundertchance“ betrachtet man bei Globus die Möglichkeit, an Standorten des SB-Warenhauses Real einzusteigen. Das Bundeskartellamt hat zugestimmt, dass die St. Wendeler Gruppe bis zu 24 Real-Standorte übernehmen darf. Derzeit steht nach Unternehmensangaben die Übernahme von 16 Standorten fest. Darunter ist neben dem Markt in Mannheim-Vogelstand auch der Markt in Saarbrücken-Dudweiler, der im Oktober kommenden Jahres eröffnet werden soll. Weitere Übernahmen könnten dazukommen, hier befinde man sich derzeit in der „Feinabstimmung“. Insgesamt habe man sich über 100 ehemalige Real-Standorte vor Ort angesehen, erläuterte Jochen Baab. Viele wiesen nicht die von Globus geforderte Umsatzgröße auf und kämen deshalb nicht in Frage.
Unter den ehemals sieben Real-Standorten in der Pfalz befinden sich drei, deren Zukunft noch offen ist: Ludwigshafen-Oggersheim, Mutterstadt und Landau. „Nicht dabei“ im Kreis der Real-Märkte, die womöglich noch von Globus übernommen werden, sei Ludwigshafen. „Landau ist so eine Sache – das lasse ich mal offen“, hielt sich Jochen Baab mit Blick auf Landau auf Nachfrage bedeckt. Neben Globus gibt es für Landau mit Kaufland einen zweiten Interessenten.
30 Prozent mehr Umsatz
Neben schon bestehenden Markt-Standorten plant Globus auch komplette Neueröffnungen. So soll im ersten Quartal 2022 in Neunkirchen ein Globus SB-Markt seine Tore öffnen. Jochen Baab ließ keinen Zweifel daran, dass die Globus-Gruppe perspektivisch weiter expandieren will. Insgesamt gehe es um etwa 5000 Mitarbeiter und 30 Prozent mehr Umsatz. Im abgelaufenen Geschäftsjahr investierte Globus 336,6 Millionen Euro in die Entwicklung neuer und die Modernisierung bestehender Standorte.
Seit Beginn des Geschäftsjahres 2020/21 sind die Globus SB-Warenhäuser Teil der deutschlandweit größten Handelskooperation RTG, was sich unter anderem in besseren Konditionen beim Wareneinkauf niederschlage.
In Russland betreibt die Globus-Gruppe derzeit 18 Märkte, vor allem in und rund um Moskau; geplant sind jährlich eine bis zwei Neueröffnungen. Zudem nahm das Unternehmen im vergangenen Herbst ein eigenes Logistikzentrum in Puschkino in Betrieb. Dies sei „ein großer Schritt für uns“ und bringe spürbare operative Vorteile, erläuterte Holding-Sprecher Matthias Bruch. Zwar sei die volkswirtschaftliche Lage in Russland „nicht ganz einfach“, so bewege sich die Kaufkraft auf eher niedrigem Niveau. Dennoch verzeichnet Globus dort eine „sehr gute Umsatzentwicklung“. Demnach stieg der Umsatz um 5,8 Prozent auf 124 Milliarden Rubel (1,5 Mrd Euro). In Russland bilde Globus zurzeit 90 Frauen und Männer nach deutschem Vorbild im dualen System aus, berichtete Bruch weiter. Diese Zahl soll in Zukunft auf 250 steigen.
„Sehr ordentlicher“ Start ins Geschäftsjahr
Nach 25-jährigem Engagement in Tschechien mussten die dortigen 15 Hypermärkte erstmals einen Umsatzrückgang verzeichnen – ein Minus von 3,8 Prozent auf 1,02 Milliarden Euro. Ursache dafür seien die harten Corona-Maßnahmen in dem Land gewesen. In Tschechien sind nach Unternehmensangaben mehr als 7150 Mitarbeiter beschäftigt, in Russland sind es 9900. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Tschechien und Russland verzeichnet Globus eine starke Nachfrage nach regionalen Produkten und nach Erzeugnissen in Bio-Qualität. Entsprechend werden in Russland rund 2500 Bio-Artikel angeboten.
Ins laufende Geschäftsjahr sei die Globus-Gruppe „sehr ordentlich“ gestartet, sagte Christian Heins, Geschäftsführer Finanzen der Globus Holding, ohne Zahlen zu nennen. Insgesamt bewege man sich, nach der Corona-bedingten Ausnahmesituation, in einer „neuen Normalität“.
In der Pfalz beschäftigt die Globus-Gruppe derzeit rund 2370 Mitarbeiter (Vorjahr 2500), davon etwa 1800 in den SB-Warenhäusern in Kaiserslautern, Ludwigshafen, Bobenheim-Roxheim, Grünstadt und Neustadt; der Rest verteilt sich auf die Baumärkte in Grünstadt, Wörth, Zweibrücken, Germersheim, Kusel und Neustadt.